Noch heute wird in Gaststätten von Braugold gesprochen. Genau genommen, vom alten Braugold-Bier, das noch aus Erfurt kam. Aus der Brauerei, die seit Jahren nur noch für einen Lost Place, anstatt für frisch abgefüllten Gerstensaft steht. Die lange Zeit Erfurts als Brauerei- und Bierstadt ist vorbei. Auch wenn sich seit fast zehn Jahren neue Marken wie Heimathafen, Schluntz oder Freitags etablieren.

Täglich
Der Newsletter für Erfurt
Alle wichtigen Informationen aus der Landeshauptstadt Erfurt, egal ob Politik, Wirtschaft, Sport, Kultur oder gesellschaftliches Leben.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Trotzdem schauen viele Erfurter mit Wehmut auf die alten Zeiten von Braugold und Co zurück. Auch wenn viele Blumenstädter sagen, dass ihnen das Bier angeblich nie so recht geschmeckt habe.
Auch interessant
Braugold-Geschichte beginnt in der Löbervorstadt
Die Geschichte der Erfurter Braugold-Brauerei reicht bis ins frühe 19. Jahrhundert zurück. Sie entstand aus zwei Linien: Zum einen gründete die Familie Baumann ab 1822 eine Brauerei in der Innenstadt, zum anderen kaufte Christian Büchner 1823 die Braustätte „Zur Lauenburg“ und verlegte sie 1888 in die Löbervorstadt. Beide Betriebe schlossen sich 1920 unter der Leipziger Riebeck Brauerei AG zusammen. Schon 1921 erreichte die Großbrauerei 100.000 Hektoliter Jahresausstoß. Nach 1948 verstaatlicht, erhielt sie 1956 den Namen „Braugold“. Mit dem Braugold Pilsner Spezial gelang 1967 ein Verkaufsschlager. 1969 wurde die Brauerei Stammbetrieb des VEB Getränkekombinats Erfurt.

Nach der Wende wechselten die Eigentümer mehrfach. Zuletzt übernahmen 2007 die Eschweger Klosterbrauerei und die Getränkegruppe Waldhoff. 2010 endete die Produktion in Erfurt – das Gebäude war nicht mehr rentabel. 2013 wurde es abgerissen, Neubaupläne scheiterten, das Areal liegt bis heute brach. Seit 2018 lebt die Marke weiter: Das Einsiedler Brauhaus in Chemnitz erwarb die Rechte und produziert seither Biere unter dem traditionsreichen Namen Braugold.
Auch interessant
Steiger-Bier am Rande des Erfurter Steigerwald

Das „Erfurter Steiger-Bier“ war über Jahrzehnte ein fester Begriff in der Landeshauptstadt. Seine Wurzeln reichen bis 1822 zurück, als die Gebrüder Treitschke in Erfurt eine Brauerei gründeten. Nach mehreren Eigentümerwechseln firmierte das Unternehmen ab 1908 als Steigerbrauerei AG. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es zunächst in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt, 1972 schließlich verstaatlicht und als Volkseigener Betrieb in das Getränkekombinat Erfurt eingegliedert. Unter diesem Dach erhielt das Bier den Namen „Erfurter Steiger-Bier“ und wurde zu DDR-Zeiten weit verbreitet gebraut.
Ministerium bezieht alte Erfurter Brauerei

Nach der Wende verschwand die Marke aus den Regalen, die Brauerei stellte den Betrieb ein. Das denkmalgeschützte Brauereigebäude blieb jedoch erhalten und wurde saniert. Heute befindet sich darin das Thüringer Innenministerium – ein sichtbarer Erinnerungsort an die lange Brautradition der Stadt.
- Täglich neue Bilder und Videos auf unserem Instagram-Kanal.
- Diskussionen zu Themen, die Erfurt bewegen – auf unserer Facebook-Seite.
- Die neuesten Meldungen schnell und direkt per WhatsApp.
- Neuigkeiten bequem per Mail gibt es in unserem Städtenewsletter.
Ganz verschwunden ist die Geschichte des Bieres aber nicht: Mit dem „Heimathafen Erfurter Urbier Brown Ale“ wird heute ein Bier nach einer originalen Rezeptur von 1824 gebraut. Damit knüpft Erfurt an seine traditionsreiche Braukultur an – wenn auch unter neuen Vorzeichen.







