Fast zehn Wochen ist es her, dass Jonas Bonke sein Zuhause verlassen hat. Inzwischen ist er auf der griechischen Insel Rhodos, bevor es in die Türkei geht. Im Sommer hatte er sein Studium der Sozialen Arbeit in Erfurt beendet. Danach wollte er reisen. Doch der 28-Jährige macht keinen klassischen Urlaub. Er macht eine Radreise.
Inspiration war ein Buch seiner Schwester
Es ist nicht das erste Mal, dass Jonas Bonke mit dem Rad verreist. Beim Familienurlaub 2016 gab seine Schwester ihm das Buch „Pedal the World“, erzählt er. „Ich habe das relativ zügig durchgelesen und war dann total fasziniert davon, wie minimalistisch man eigentlich reisen kann und wie viel man dabei erlebt“, sagt er. Ein paar Monate später ging es auf seine erste Radreise mit einem Kumpel in Deutschland. Und es blieb nicht die letzte: „Dann folgten noch bestimmt zehn weitere Radreisen durch viele Länder in Europa.“

Seine erste Radreise fuhr er mit einem alten Rad seiner Mutter. Nach und nach sammelte sich Equipment an. Bis zu der Reise in diesem Jahr besaß er ein Mountainbike. „Das war eigentlich nicht für Radreisen gedacht, aber ich habe mir das ein bisschen hingebaut“, sagt er.
Sein Wegbegleiter ist aus einer Erfurter Firma
Vor der nun längeren Reise wollte er ein neues Rad. Bei Fahrrad Gruebener ließ er sich sein Traumfahrrad bauen. Das Rad kommt aus der Erfurter Firma Intec und ist für längere Fahrten mit Gepäck geeignet. Ausgestattet mit seinem neuen Gefährt und 55 Kilogramm Gepäck, konnte Jonas Bonkes Reise nichts mehr im Weg stehen. Doch wohin geht es eigentlich? In seinem digitalen Tagebuch auf Polarsteps schrieb er Ende Juli, dass er das so genau noch gar nicht wisse. Das erste große Ziel stehe jedoch fest: Er will in die Türkei.

Los ging es Richtung Dresden nach Tschechien. Den ersten Pausentag legte er nach einer Woche in Prag ein. „Ich habe eigentlich absolut keine sportliche Ambition“, sagt Bonke. Die Reise selbst sei das Abenteuer. Außerdem habe er auf manche Gegenstände wie seine kleine Gitarre und sein Filmequipment nicht verzichten wollen. Deswegen fahre er am liebsten entspannte Geschwindigkeiten. Pro Woche plane er dazu zwischen 300 und 500 Kilometern ein. „Das ist eigentlich total easy. Und ich habe trotzdem noch genug Zeit, mit Leuten in Kontakt zu treten“, sagt der Radfahrer.
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Viele hilfsbereite Begegnungen
Jonas Bonke reist alleine. Doch wirklich alleine ist er selten. Schon mehrmals haben sich ihm andere Radreisende angeschlossen. Er habe den Eindruck, dass man, wenn man alleine ist, viel öfter angesprochen wird. „Und dadurch treffe ich jeden Tag so viele Leute aus den verschiedensten Ländern“, erzählt er. Auch die Hilfsbereitschaft der Menschen sei ihm aufgefallen. In Österreich wurde ihm von der Kirchengemeinde angeboten, im Kirchenhaus zu schlafen. In Bulgarien übernachtete er bei einer fremden Familie. In Serbien wurde er zum Gemüseessen in einen Garten eingeladen. „Ich finde es manchmal schwer, dass ich dann selber in dem Moment nichts zurückgeben kann“, sagt der 28-Jährige.

Auf Bonkes Reise sieht kein Tag aus wie der nächste, normalerweise steht er aber mit der Sonne auf. An den meisten Tagen macht er Wildcamping, am liebsten an Gewässern. Nach dem Aufstehen baut er sein Nachtlager ab und verstaut es wieder auf dem Rad. Seine Reiseausgaben trackt er. „An Tagen, wo ich wildcampe, komme ich auch mit unter zehn Euro aus“, sagt er. Eigentlich plane er aber mit 23 Euro pro Tag.
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In einem Scheinstaat gelandet
Abenteuer scheinen bei dieser Art des Reisens vorprogrammiert. Das Verrückteste sei ihm bisher in Kroatien passiert. Zusammen mit einem anderen Radfahrer habe er für eine Nacht ein Baumhaus über Airbnb gebucht. Auf dem Weg dorthin kamen sie an einer Polizeikontrolle vorbei und wurden gefragt, ob sie ins Liberland wollten. Nichtsahnend verneinten sie. An der angegebenen Adresse erwartete die zwei jedoch nur ein leerstehendes Haus. Als sie telefonisch jemanden von der Unterkunft erreichten, erzählte dieser, dass er ein Land namens Liberland besitze und sich dort die Unterkunft befinde. Sie vereinbarten einen Treffpunkt und wurden durch einen Wald zum Baumhaus geführt.

Im Internet fanden die beiden Radreisenden später heraus, dass das Liberland ein international nicht anerkannter Scheinstaat zwischen Serbien und Kroatien ist. Nach einer ungewöhnlichen Nacht verließen die beiden Liberland. „Als wir auf kroatischem Boden waren, kam auch die Polizei und wir erklärten die Situation, dass wir keine Ahnung hatten, worauf wir uns einlassen“, schildert Jonas Bonke. Aus Sicht der kroatischen Behörden hatten die Radfahrer nämlich eine Außengrenze der EU überschritten.
Wie es demnächst nach seinem Aufenthalt in der Türkei weitergeht, weiß Jonas Bonke noch nicht genau. Ideen hat er aber zuhauf. Wahrscheinlich fliege er nach Thailand, um dem Winter zu entkommen. „Ein ganz großer Traum ist Neuseeland“, erzählt er.



