Warum ist Martini in Erfurt so besonders?

Historisch ist Erfurt konfessionell gemischt: Während die Katholiken am 11. November den heiligen Martin feiern, der zugleich Schutzpatron der Stadt ist, erinnern Protestanten an Martin Luther, der am 10. November Geburtstag hat und in Erfurt Mönch wurde. Seit den späten 1960er-Jahren organisieren evangelische und katholische Kirche in Erfurt immer am 10. November einen ökumenischen Gottesdienst auf dem Domplatz, damals, um gemeinsam Flagge zu zeigen im religionsfeindlichen DDR-System. Tausende Menschen, darunter viele Kinder mit ihren Laternen, versammeln sich dort Jahr für Jahr.

Was ist dieses Jahr beim Gottesdienst geplant?

Um 18 Uhr beginnt der ökumenische Gottesdienst, dies Jahr unter dem Motto: Geteiltes Leid ist halbes Leid, geteilte Freude ist doppelte Freude. Natürlich geht es um den heiligen Martin, der bekanntlich seinen Mantel mit einem frierenden Bettler teilte. Drei Schauspieler treten auf als Martin von Tours, als Martin Luther und als Martina. Dieses Jahr begegnen sie drei Menschen, die anderen in Not helfen: einen Schulsanitäter, eine Vertreterin der Bahnhofsmission und einer Notfallbegleiterin, drei „Martins unserer Zeit“, wie die Veranstalter sagen.

Traditionell wird die Gloriosa erklingen, die größte Glocke des Erfurter Doms, die nur noch zu wenigen Gelegenheiten im Jahr angeschlagen wird. Es wird gemeinsam gesungen: „Sankt Martin“, natürlich, „Ein feste Burg ist unser Gott“, „Großer Gott wir loben dich“ und zum Abschluss das beliebte „Ich geh‘ mit meiner Laterne“.

Martini auf dem Domplatz wird von einem Martinsmarkt mit vielen Angeboten für Kinder begleitet.
Martini auf dem Domplatz wird von einem Martinsmarkt mit vielen Angeboten für Kinder begleitet.© Archiv | Marco Schmidt

Was hat es mit dem Martinsmarkt auf sich?

Seit den 1990er-Jahren wird Martini von einem Martinsmarkt auf dem Domplatz begleitet. In diesem Jahr beginnt er um 16 Uhr und soll um 21 Uhr enden. Vor dem Gottesdienst gibt es Bastel- und Informationsstände, ein Bühnenprogramm mit Musik und Tanz, Bratwurst, Glühwein und natürlich Martinshörnchen. Auch das Kinderkarussell des zwei Wochen später startetenden Weihnachtsmarktes wird schon aufgebaut sein. Nach dem Gottesdienst soll der Markt mit Musik ausklingen.

Wie komme ich am besten zum Domplatz?

Es empfiehlt sich die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln, also insbesondere mit den Straßenbahnen der Linien 2, 3 und 6, die direkt am Domplatz halten. Wer von außerhalb anreist, kann die Park+Ride-Parkplätze nutzen, die ans Straßenbahnnetz angebunden sind, etwa an der Messe (Linie 2) oder am Europaplatz (Linie 3). Neben dem Parkhaus direkt am Domplatz ist auch das neue Parkhaus am Hirschgarten zu empfehlen, von dort sind es nur wenige Minuten zu Fuß zum Domplatz.

Welche Bräuche werden sonst noch gepflegt?

In Kindergärten und Schulen werden schon jetzt erste Laternen gebastelt: Wie in vielen Regionen Deutschlands sind auch hier kleine Laternenumzüge beliebt. Etwas verblasst ist der Brauch, dass Kinder mit ihren Lampions von Tür zu Tür ziehen, ein Lied singen und dafür Süßigkeiten erhalten. Hier hat Halloween dem Martinsfest den Rang abgelaufen. Speziell sind die Erfurter Martinshörnchen, die es am Montag, 10. November, und auch schon an den Tagen zuvor in den meisten Bäckereien angeboten werden. Das Plundergebäck, gefüllt mit Marmelade oder Persipan, erinnert eher an Kämme als an Hörnchen.

Wird nur am Domplatz gefeiert?

Nein, in vielen Kirchen in Erfurt und Umgebung gibt es eigene Martinsfeste, teils mit Lampionumzug, teils mit Martinsspiel. Manche legen diese Feiern so, dass sich die Teilnehmer danach auf den Weg zum Domplatz machen können. Folgende Veranstaltungen sind am 10. November geplant:

  • Frienstedt, Ev. Kirche St. Laurentius, 16 Uhr: Andacht, Martinsfeier, Lampionumzug
  • Möbisburg, Ev. Kirche St. Dionysius, 16 Uhr: Martini-Gottesdienst
  • Windischholzhausen, Ev. Kirche St. Michaelis, 16 Uhr: Andacht, Umzug, Martinssingen am Hospiz St. Martin
  • Tiefthal, Kita zur Ev. Kirche St. Peter und Paul, 16.30 Uhr: Lampionumzug von der Kita zur Kirche, dort Martinsspiel
  • Walschleben, Ev. Kirche St. Crucis, 16.30 Uhr: Martinsfeier
  • Ev. Thomaskirche, 16.30 Uhr: Familiengottesdienst
  • Büßleben, Ev. Kirche St. Petri, 17 Uhr: Martinslieder am Dorfplatz, dann Lampionumzug zur Martinsandacht
  • Schmira, Ev. Kirche St. Nikolaus, 17 Uhr: Martini-Gottesdienst
  • Waltersleben, Ev. Kirche St. Nikolai, 17 Uhr: Martini-Gottesdienst
  • Kleinrettbach, Ev. Kirche St. Severi, 17 Uhr: Andacht, Martinsfeier, Lampionumzug
  • Ev. Predigerkirche und Predigerhof, 17 Uhr: Martini-Andacht von Ratsgymnasium und ev. Grundschule, Martinshörnchen-Teilen am Lagerfeuer
  • Andisleben, Ev. Kirche Peter u. Paul, 17 Uhr: Martini-Andacht
  • Gebesee, Ev. Kirche St. Laurentius, 17 Uhr: Martini-Andacht
  • Ringleben, Ev. Bartholomäus-Kirche, 17 Uhr: Martini-Andacht
  • Ev. Gustav-Adolf-Kirche am Herrenberg, 17 Uhr: Martinsfest mit dem Kinderhaus am Drosselberg
  • Severi-Kirche, 17.15 Uhr: Martinsspiel mit Laternenumzug zum Domplatz
  • Dachwig, Ev. Kirche St. Petri, 17.30 Uhr: Martinifeier
  • Ev. Augustinerkloster, 17 Uhr: Martinsfeier für Kinder und Familien, 18 Uhr: Abendgebet, 19 Uhr: Posaunenklänge und Martinslieder, 19.30 Uhr: Tafelrunde zu Luthers Geburtstag bei Bier und Käse

Am 11. November wird gefeiert in:

  • Gispersleben, Kindergarten „Arche Noah“, 16.30 Uhr: Lampionumzug zur Ev. Kiliani-Kirche mit Anspiel, Hörnchen und Punsch
  • Hochheim, Kath. Kirche St. Bonifatius, 17 Uhr: Ökumenische Martinsfeier, Umzug zur Ev. Johanneskirche
  • Nottleben, Ev. Kirche St. Peter und Paul, 17 Uhr: Andacht, Martinsfeier, Lampionumzug
  • Witterda, Ev. Gustav-Adolf-Kirche, 17 Uhr: Martini-Andacht
  • Johannesplatz/Marktplatz Wendenstraße, 17 Uhr: Laternenumzug zur Ev. Lutherkirche, dort 17.45 Uhr: Martinsgeschichte, Martinshörnchen und heiße Getränke