- Die Ausstellung in der Defensionskaserne stellt Nutzen dar und warnt vor Gefahren
- 15 Künstlerpositionen treffen auf Wissenschaft
- Vorgeschmack auf die „Welt der Versuchungen“ in Erfurt
Den Kopf in eine rosaroten Wolke stecken, Rap- und Rock-Songs über Drogen lauschen oder aber sich ganz wissenschaftlich dem Thema Rausch nähern – all das ist möglich auf dem Erfurter Petersberg. Hier hat am Donnerstag die interaktive Ausstellung „Only good vibes?“ in der Defensionskaserne eröffnet. Es geht um Joints, den Rausch und Glücksgefühle. Und wieder um Suchtprävention in der inzwischen dritten Ausstellung der Stiftung „Welt der Versuchungen“ in Erfurt, die diesmal, ein Jahr nach der Teillegalisierung in Deutschland, allein das Thema Cannabis in den Fokus rückt.

15 künstlerische Positionen treffen auf Wissenschaft
Präsentiert wird auf dem Petersberg ein Mix aus 15 Kunstwerken und Wissenschaft, der ausdrücklich zur Diskussion anstoßen will und nicht den moralischen Zeigefinger hebt. Für den Stiftungsratsvorsitzenden Thomas Bader ist das auf etwa 500 Quadratmetern gezeigte Angebot, das sich nicht allein an Schulklassen richtet, ein Meilenstein auf dem Weg zum eigenen Stiftungshaus, das in zwei Jahren auf dem Erfurter Huttenplatz eröffnet werden soll.

Planungsrecht für den aus Bundesmitteln finanzierten Neubau auf der heute als Parkplatz genutzten Fläche besteht, ein Architekturentwurf für das Stiftungshaus wurde im Dezember ausgewählt, wie Stiftungsvorstand Susanne Rockweiler sagt. Unter dessen Dach soll es wie in der jetzt eröffneten Ausstellung um eine Verknüpfung der Themen Suchtprävention, Kunst und Wissenschaft gehen. „Uns fehlt nur noch der Bauantrag“, ergänzt Lars Bredemeier (CDU), Beigeordneter für Stadtentwicklung, Kultur und Welterbe.
An Ideen für eine Nachnutzung fehlt es offenbar nicht
Bredemeier war es auch, der die Idee einer Zwischennutzung für die von der Stadt in der Defensionskaserne angemieteten Flächen in der Defensionskaserne ins Spiel brachte. „Wir machen das hier einfach mal“, habe er festgelegt, ohne erst den Stadtrat als Entscheidungsgremium zu fragen. Damit stellte er die wenig konkreten Pläne einer Pop-up-Ausstellungshalle in dem Gebäude vom Kopf auf die Füße. Für die Zeit nach der Ausstellung, so kündigte Bredemeier an, gebe es eine ganze Reihe von Ideen. Welche davon ab Ende Januar umgesetzt werde, sei jedoch noch nicht entschieden.

Die Räume haben einen besonderen Charme: Während die Elektrik, Breitbandanschluss, Fußbodenbelag und Beleuchtung auf modernen Stand gebracht wurden, wurde der Zustand der Wände belassen und auf einen Farbanstrich verzichtet. So bleiben die Schichten der Geschichte des Gebäudes sichtbar. Die Erfurter eroberten sich Stück für Stück den Petersberg zurück, so Bredemeier. Dazu trage auch die Ausstellung der Stiftung bei.

Suchtforscher warnt vor enormen Psychose-Risiko
Rainer Spanagel, Pharmakologe und Suchtforscher, gehört zum wissenschaftlichen Beirat der Stiftung. Er weiß vom Interesse seiner Wissenschaftskollegen in den USA an dem wohl einmaligen Konzept der „Welt der Versuchungen“. Ihre Projekte hätten „internationale Strahkraft“, sagte er. Die Teilfreigabe von Cannabis nannte er „politisch motiviert“ und zu wenig wissenschaftlich untersetzt. Gefahren durch Cannabis würden besonders in Deutschland heruntergespielt, warnt er vor einem enormen Risiko von Psychosen durch Cannabiskonsum.
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Die Hanfpflanze hat mehr als 150 Wirkstoffe, darunter THC und CBD. Wie diese auf Gehirn und Körper wirken und wie junge Menschen darüber wissenschaftlich fundiert informiert werden können, ohne sie zu bevormunden – dieser Aufgabe hat sich „Only good vibes?“ gestellt. Geöffnet ist bis zum 18. Januar 2026 mittwochs bis montags von 11 bis 18 Uhr, donnerstags 11 bis 20 Uhr. Für Schulklassen ab 9 Uhr nach Buchung. Tickets gibt es für 7 Euro, ermäßigt 5, Schüler zahlen 3 Euro.



