Die Erfurter Stadtverwaltung hat Stellen ausgeschrieben, Bewerbungsgespräche geführt und sich für die auserwählten Fachkräfte entschieden. Doch statt die fertigen Verträge bekamen die erfolgreichen Bewerber ein Entschuldigungsschreiben: Durch den verhängten vorläufigen Einstellungsstopp kann die ausgeschriebene Stelle aktuell nicht besetzt werden. Das ist nicht nur für alle Beteiligten ärgerlich, sondern auch ein „Armutszeugnis“ für die Stadtverwaltung, wie Karola Stange (Linke) im Stadtrat (5. November) energisch vorträgt.

Es ist nicht effizient, eine Mitarbeiterkampagne zu machen und gleichzeitig die Aussage rauszugeben, dass man keinen einstellen kann

Stadtratsfraktion 2024 SPD Erfurt
Daniel Mroß, SPD-Stadtratmitglied in Erfurt

Auch Daniel Mroß von der SPD kenne Menschen, die Stellen in anderen Städten ausgeschlagen und sich auf Erfurt hätten einlassen wollen. Diese seien nun aber enttäuscht worden und stünden mit leeren Händen da, obwohl sie sich als die besten in den Auswahlverfahren erwiesen hätten. „Das zerstört Vertrauen“, wie der Stadtrat in der wortreichen Debatte im Rathaus sagt.

Dabei bezieht er sich auch auf die teure Kampagne, die neue Mitarbeiter in die stellenweise deutlich unterbesetzte Stadtverwaltung locken sollte. „Es ist nicht effizient, eine Mitarbeiterkampagne zu machen und gleichzeitig die Aussage rauszugeben, dass man keinen einstellen kann“, so sein Fazit. Sebastian Perdelwitz von der Fraktion Mehrwertstadt findet ähnliche Worte, indem er sagt, dass die Stadt mit dieser Kampagne 400.000 Euro „in den Sand gesetzt“ habe.

Probleme in der Stadtverwaltung nur verschoben?

Karola Stange, die das Thema als Aktuelle Stunde in den Stadtrat eingebracht hatte, findet weitere klare Worte. Dass hunderte Stellen nicht besetzt wurden, sei „eigentlich eine Schande“, so die Vertreterin der Linken-Fraktion. Dass es im Bereich Schulbau und Tiefbau keine Stellenausschreibungen gebe und dass sich die Probleme in langen Bearbeitungszeiten verschärfen statt auflösen, ist für sie ein Armutszeugnis. Auch das Thema Wohnungsbau bringt sie auf den Tisch. Da die neue Wohnungsbaukoordinatorin Susann Grothe bereits im Stadtplanungsamt gearbeitet habe, sei die einzige Veränderung in dieser wichtigen Angelegenheit „nur ein neues Türschild“ statt einer neuen Stelle.

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CDU-Stadträtin bezeichnet Debatte als „Effekthascherei“

Lilli von Wrede – sie hat jüngst durch Heirat ihren Mädchen-Namen Fischer abgelegt – stellt sich in ihrem Redebeitrag erwartbarer Weise hinter ihren CDU-Kollegen Oberbürgermeister Andreas Horn. Die ganze Diskussion sei nur eine angezettelte Debatte und „Effekthascherei“, die für unnötige Unruhe sorge. Statt der insgesamt etwa 700 unbesetzten Stellen in der Stadtverwaltung hebt sie die 236 Neueinstellungen hervor, die es in den letzten zwei Jahren gegeben hat. Neues Personal bedeutet laut von Wrede nicht automatisch, dass die Probleme der Verwaltung damit gelöst werden. Eher sollte der Fokus darauf gelegt werden, die Arbeitsprozesse effizienter zu machen.

Ohne finanzielle Grundlage kann ich keine Leute einstellen.

Andreas Horn
Andreas Horn (CDU), Oberbürgermeister

Oberbürgermeister versichert, dass Stellen wieder besetzt werden

„Das Geld war alle!“, blieben am Ende der Aktuellen Stunde die eindringlichsten Worte, die Andreas Horn an die Politiker im Rathaus richtete. „Meine Verantwortung war, zu entscheiden. Zu der Entscheidung stehe ich auch“, betont er. Die zuvor infrage gestellte Kampagne zur Werbung neuer Mitarbeiter habe großen Anklang gefunden und sei dem Ziel gerecht geworden, auch positiv nach Innen zu wirken. „Ohne finanzielle Grundlage kann ich keine Leute einstellen“, verteidigt er seine Entscheidung, die Einstellungen vorläufig auszusetzen. „Wir werden wieder besetzen“, sichert er am Ende zu. Die Frage für die Verwaltungskollegen wie auch die Erfurter, die die teils langen Bearbeitungsprozesse aushalten müssen, ist nur – ab wann.