Einige Narben an den Händen von Lohengrin Baunack rühren bereits aus der Kindheit her. Schon damals schnitzte und werkelte der heute 35-Jährige Holzbildhauer und Inhaber eines Kleingewerbes aus Kromsdorf bei Weimar. Da er von künstlerischem Schaffen allein nicht leben könne, befasst er sich mit Restaurierungen und schreibt derzeit seine Doktorarbeit zur experimentellen Archäologie. Beispielsweise das Fertigen von prähistorischen Werken mit prähistorischem Werkzeug.
Holzbildhauer eröffnen den neuen Garten
Lohengrin Baunacks „Mann mit Kind“ ist seit Samstag gleich am Eingang zu den Künstlerwerkstätten der Stadt auf dem einstigen Gelände des Garnisonslazaretts an der Nordhäuser Straße zu bewundern. Mehrere Holzbildhauer präsentieren sich auf der temporären Ausstellung im neuen Skulpturengarten in und am Kreativquartier, die am Sonnabend eröffnet wurde.
Künstler wollen Nähe zu Klinikum Kindergarten und Seniorenresidenz schaffen

Goldschmiedin und Emaille-Künstlerin Mandy Rasch war die Erleichterung anzusehen, dass der langwierige Weg durch alle möglichen Instanzen ein gutes Ende fand und sich der neue Skulpturengarten als Ort des Dialogs von Kreativschaffenden mit der Nachbarschaft, Patienten und Besuchern des Helios-Klinikums, Bewohnern der dortigen Seniorenresidenz und dem Montessori-Kindergarten weiter entwickeln könne. Die Leiterin der städtischen Künstlerwerkstätten (seit 2020) zog mit den künstlerischen Bereichen von Textil, Metall, Emaille über Schmuck bis zur Holzbildhauerei aus dem Rieth 2023 auf das Gelände des ehemaligen Garnisonslazaretts. Und damit näher an der Stadtmitte mit neuen Möglichkeiten auch für die regelmäßigen Künstler- und Emaille-Symposien.
Verein bringt erste Ausstellungsstücke ein
Sie würdigte die Zusammenarbeit mit dem seit 2017 bestehenden Verein Pro Forma, der überwiegend aus Holzbildhauern besteht und mit seinen Workshops, Veranstaltungen und Bildhauer-Symposien als Ideengeber für den Skulpturengarten fungierte. Wie dessen Vorsitzender, Tino Neumann, wissen ließ, entstand ein Großteil der jetzt präsentierten Werke vor drei Monaten auf dem Sommer-Symposium.
Direktorin der Kunstmuseen bespricht „große“ Ideen

In ihrem Grußwort verwies Elke Anna Werner auf den gelungenen Kultursprung von den inneren Mauern ins Außengelände in dem Areal rund um die Künstlerwerkstätten. Damit gehe eine stärkere Sichtbarkeit von Kunst und Kultur einher, so die Direktorin der Erfurter Kunstmuseen. Sie berichtete von ihren Erfahrungen aus dem Landesmuseum Münster. Dort entstanden Großprojekte der Gegenwartskunst, etwa für die Kasseler „Documenta“. Für derlei große Vorhaben sei ein Zeitraum von fünf Jahren bis zum Finden eines Standorts keine Seltenheit.

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Kunst in den öffentlichen Raum zu tragen, sei ein lohnendes Ziel. So könne sie sich vorstellen, Schätze aus den Depots des Angermuseums in ähnlicher Weise zu präsentieren. Auch Workshops wären denkbar.
Im Anschluss an die Eröffnung führten Mitglieder von Pro Forma durch den Skulpturengarten. Mit Sketchen und Musik von „The Boy Group“, „Tiger Taxi“ und DJ Stützmaster Flash klang die Eröffnungsfeier aus.




