- In Rekordzeit haben Elke Werner und ihr Team die Dauerausstellung des Angermuseums überarbeitet.
- Sie holten Gemälde aus dem Depot, die bisher nie öffentlich zu sehen waren.
- Die neue Schau ist ab sofort geöffnet.
Die Bilder hängen, die Schilder sind fein säuberlich sortiert, die Skulpturen haben ihren Platz in der Mitte des Saals. Die neue Dauerausstellung des Angermuseums ist fertig. Ab sofort können die Erfurter mehr als 200 sensibel ausgewählte Werke aus dem Bestand des Kunstmuseums sehen.
Team aus Kuratoren hat Mammutaufgabe bewältigt
„Das alles in nur zwei Monaten ist sportlich“, sagt Elke Werner, die seit Mai die Geschicke der städtischen Kunstmuseen als Direktorin leitet. Die promovierte Kunsthistorikerin ist glücklich, wie die Ausstellung von der Idee bis zur Umsetzung gelungen ist. „Ich sehe jetzt schon ein paar Stellen, wo wir nochmal ran müssen. Aber das machen wir dann Schritt für Schritt“. Hinter der Mammutaufgabe der seit 2010 erstmals neu gestalteten Schau steht erstmals ein ganzes Team, statt „nur“ die Museumsdirektion. Neben Elke Werner haben die Kustodinnen des Hauses – also die Experten in Sachen Grafik, Malerei und Kunsthandwerk– mitentschieden, welche Werke für einen Rundumblick wichtig sind.
Auch Friedrich Nerly und Erfurt-Werke dürfen nicht fehlen

Die ältesten gezeigten Kunstwerke sind aus dem 14. Jahrhundert. Zwei bildgehauene Steinköpfe aus der Barfüßerkirche und damit zwei von einigen Stücken, die aus Erfurt stammen oder Erfurter Motive zeigen. In Sachen Malerei geht es ab dem Jahr 1700 los. Jede Wand ist anders gestaltet, die Bilder sind zeitgenössisch angeordnet. Vom Barock mit Jakob Samuel Beck über die Romantik mit Friedrich Nerly bis in die Gegenwart offenbaren sich die unterschiedlichsten Stillleben, Landschaftsgemälde und Menschenbilder.
Letztere zeigen sich vor allem auch in den achtsam platzierten Skulpturen, die einen ganz eigenen Anlauf- und Beziehungspunkt in der Mitte des Raumes schaffen. Genau wie die Jugendstil-Gefäße und die Bauhaus-Krüge sind diese plastischen Werke gänzlich neu in der kleinen, aber opulenten Rundschau durch die Kunst- und Stilgeschichte der Erfurter Kunstsammlung. Dazu hat es auch erstmals die Grafik als Kunstform (Dom und Severi von Christian Rohlfs) ins erste Obergeschoss geschafft.
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Kunst aus der DDR ist ein wichtiger Aspekt der Erfurter Schau
Im Mittelpunkt der Schau, die den Titel „Goldlack und Kakteen. Aufbrüche und Umbrüche und die Kunst in Erfurt“ trägt, stehen aber auch zwei große Themen, die Elke Werner sehr wichtig ist: Die Kunst der Moderne und der DDR. „Dreiviertel der Werke nach 1945 werden zum ersten Mal gezeigt“, schätzt Elke Werner ein. Dass es keinen einzigen West-Künstler in der Sammlung gibt, hat die Direktorin sehr überrascht. Zu sehen ist unter anderem die recht klassische „Traktoristin“, aber auch Landschaft und Abstraktion, wie sie in den 1960ern bis in die späten 1980er Jahre von ostdeutschen Künstlern umgesetzt wurde.
Die Erfurter sollen im Museum in Gespräche kommen

Der Anspruch an eine Dauerausstellung, die als recht statische Präsentationsform in den großen Häusern Deutschlands langsam ausgedient hat, ist enorm. Das weiß auch Elke Werner, die flexibel bleiben will und den Saal im ersten Obergeschoss in deutlich kürzeren Abständen neu bespielen möchte, als das bisher geschah. „Ein Gesamtkonzept, in das sich alles hineinbringen lässt, gibt es nicht“, schildert sie. „Die Kunst soll in Kontexte gebracht werden. Und die Stadtgesellschaft soll Teil davon werden. Das sind unsere wichtigsten Ziele“.
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Mehr Werke von Frauen und Erfurter Künstlerinnen
Dazu gehöre auch, den „Work in Progress“ offen zu zeigen. Denn auch das mache Museumsarbeit aus. Einige wenige Malereien werden beispielsweise ohne Rahmen gezeigt und zeigen sich damit in genau der Gestalt, die sie als bisherige Depot-Stücke hatten. Dazu gehören auch expressionistische Werke der Schwestern Katharina und Annemarie Heise, auf die Elke Werner besonderes Augenmerk legen möchte. Einerseits stehen die teils frisch restaurierten Gemälde für die lange unterschätzten und deshalb eingelagerten Schätze des Angermuseum, die sie nun ans Licht holen will.
Auf der anderen Seite sind die Schwestern Teil von Werners Ziel, die Kunst von Frauen verstärkt einzubinden und neu zu entdecken. Von den 110 gezeigten Künstlern sind 14 Frauen dabei. Dazu kommen die Vertreterinnen der Künstlerinnengruppe „Extrerra XX“. Damit liegt die Geschlechterstatistik nun auch im Angermuseum im bundesweiten Schnitt. „25 Prozent wären eine richtig gute Sache“, sagt Werner dazu mit einem Blick in die Zukunft.
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Noch nicht restaurierte Werke werden auch gezeigt

Auch bei ihrem Wunsch, noch nicht restaurierte Stücke zu zeigen, hat sich die Nachfolgerin von Kai Uwe Schierz durchgesetzt. Ein Novum, denn bisher wurden Gemälde, Skulpturen und Co ausschließlich in perfekt aufbereiteter Form präsentiert. Daran müssen sich selbst einige ihrer Museumskollegen und wohl auch die Erfurter erst gewöhnen. Doch fällt beim Blick über die Wände kein Stück auf, das fehler- oder schadbehaftet wäre.
Kunst, die im Nationalsozialismus verloren ging, wird präsentiert
Auch einige Werke, die durch die „Aktion Entartete Kunst“ im Jahr 1937 aus der Sammlung verloren gingen, werden in der Schau zum Diskussionspotenzial. Anstatt sie wegzulassen, hat sich das Kuratorenteam dazu entschieden, die Bilder im Originalformat als Drucke in die Ausstellung zu integrieren. So können sie die Bildsprache und Motive ins Verhältnis setzen und auch diesen Teil der Museumsgeschichte erfassen. Dazu gehören auch Gemälde von Wassily Kandinsky und Lyonel Feininger.
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Erfurter Ausstellung arbeitet ohne Fremdwerke

Bis auf diese Drucke zehrt sich die gesamte Ausstellung aus dem eigenen Haus. Ein Umstand, auf den Elke Werner besonders stolz ist. „Wir haben alles aus dem eigenen Bestand machen können. Das zeigt nicht nur die Vielfalt und Wertigkeit unserer Sammlung, sondern ist auch nachhaltig. Man muss nicht immer Fremdwerke ins Haus holen, um qualitätvolle Werke zu zeigen“.
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→ Die neue Sammlungspräsentation „Goldlack und Kakteen“ wird am Samstag, dem 13. September, um 16 Uhr eröffnet. Am Sonntag, dem 14. September kann das Museum im Rahmen des Tags des offenen Denkmals kostenfrei besichtigt werden. Um 10.15 Uhr, 12 Uhr, 14 Uhr und 16 Uhr gibt es Führungen durch die Ausstellung.







