Dass unser Erfurt viele schöne Ecken hat, ist ein oft genutztes Werbemittel, um Auswärtige in die Stadt zu locken oder für die Landeshauptstadt als Wohn-, Studien- und Arbeitsort zu werben. Aber auch für Künstler ist die Blumenstadt mit ihren facettenreichen Kulissen interessant. Walter Corsep nahm sich die Erfurter Stadtkulisse im 19. Jahrhundert vor, der Japaner Shinji Ogawa zeichnet eine detailverliebte Stadtszene seit 2024 in seinem Tokyoter Atelier und auch in Halle/Saale sitzen mit Gregor und Britta Wansa Künstler, die einen Teil der Thüringer Landeshauptstadt unbedingt auf kreative Weise für die Ewigkeit festhalten wollen.

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Auch vor Ort sind viele kunstschaffende am Werk, wenn es um das Festhalten von Erfurt-Motiven auf Papier oder Leinwand geht. Wir stellen neun Werke und deren Künstlerinnen und Künstler vor. Aber natürlich gibt es noch viele mehr!
Im Folgenden können Sie wahlweise das Gemälde/die Zeichnung und deren Schöpfer „aufdecken“, indem Sie den senkrecht auf dem Bild liegenden Schieberegler nach links oder rechts ziehen.


Uta Hünniger (*1954)
„Es ist eine Liebeserklärung an Erfurt“ sagt Uta Hünniger zu ihren Aquarellen. Die Künstlerin hat damit in ganz reduzierter Form die romantische Lichtstimmung eines Maiabends festgehalten, an dem sie auf dem Hof des Evangelischen Ratsgymnasiums (wo ihr Atelier war) auf ihre Tochter wartete. „Es ist abgedroschen, aber es kam trotzdem aus ganzem Herzen“, so die gebürtige Weimarerin. „Es ist fast schon kitschig und naiv, aber es entstand zufällig. Also warum nicht doch mal der Dom?“, findet Hünniger und nimmt damit Bezug zu dem Umstand, dass gerade dieses markante Bauwerk als Kunst-Motiv für zeitgenössische Maler aus der Mode gekommen ist. Die Bilder interessierten auch Kurator Philipp Schreiner, bei dem sie kurze Zeit später einen Platz in einer Ausstellung fanden.
Lyonel Feininger (*1871 – ✝1956)


Ohne sich allzu weit aus dem Fenster zu lehnen lässt sich Lyonel Feininger als wohl bekanntester Maler ausmachen, der sich mit Erfurter Stadtmotiven befasst hat. Ab 1923 war der Klassische Modernist hier unterwegs und hat vier Jahre später die damals noch intakte Barfüßerkirche auf die prägnante Art und Weise gemalt, die sich schon in seiner Zeit in Halle als sein wiedererkennbarer Stil etabliert hatte. Auch die Reglerkirche (1930) zählt zu den Bildern, die der expressionistische Künstler und Bauhaus-Akteur von Erfurt hinterlassen hat.
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Julia Sophia Neundorf (*1991)


Julia Sophia Neundorfs Gemälde sind oft kraftvolle, erdige Farbspiele. Ihr pastelliges Bild vom Dom fällt dabei aus der Reihe. Was sie bewogen hat, dieses sehr klassische Motiv zu wählen, beschreibt sie wiefolgt: „Inspiriert war ich zum einen durch mein persönliches Ritual Kerzen für meine verstorbenen Großeltern in Kirchen und Kathedralen anzuzünden, egal wo ich auf der Welt bin (auch in Santiago de Compostela beispielsweise ) und zum anderen las ich das Buch „Demokratie Braucht Religion“ von Hartmut Rosa , diese Kombination aus persönlichen Schicksal (denn mein Großvater wurde fahrlässig getötet) und Gedanken zum Glauben haben mich bewogen dem Dom und seine Präsenz auf eine moderne Art neu zu interpretieren und darzustellen. Dankbarkeit, Demut zum leben und Rituale wieder zu erwecken, auf ihre Schönheit hinzudeuten, ja das alles und so viel mehr, wie persönliche eigene Verbindungen des Betrachters zu mobilisieren . Aber vor allem durch das erzeugte Motiv, diese Idee davon zu schützen und zu achten. [...]“
Jürgen Valdeig (*1951)


Denkt man an Erfurt-Bilder, kommt man an Jürgen Valdeig nicht vorbei. Sein Portfolio ist reich an Motiven von Plätzen und Bauten in ganz Erfurt und Umgebung. Und nicht nur das – der Künstler mal schon so lange, dass er viele auch ganz verschiedene Zeitmomente hat er auf seinen Bildern festgehalten. So findet sich in seiner Sammlung nicht nur der Anger zu selbst erlebten DDR-Zeiten sondern auch der Dom in der Frühen Neuzeit. Auch die Ortsteile bleiben da als Inspiration nicht aus. Bei so viel Bildauswahl ist es kein Wunder, dass der 74-Jährige schon vor Frühlingsbeginn dieses Jahres seinen Kalender für 2026 fertig hatte.
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Ernestine Donnerberg


Viele Erfurter dürften ein großes Bild der Künstlerin Ernestine Donnerberg schonmal gesehen haben: Im Anger-1-Kaufhaus hängt mit einer Stadtbauten-Collage wohl eine der großflächigsten ihrer Arbeiten. Das Kaufhaus selbst, die Krämerbrücke, der Dom, das Rathaus und auch die geschichtsträchtige Synagoge hat die Illustratorin als grafisches Wahrzeichenkonvolut zusammengeführt. Ein anderes Werk von „Erni“ Donnerberg haben vor allem Auswärtige in der Hand gehabt: Den mit liebevoller Handschrift illustrierten Stadtplan, den sie für den „nochson Verein“ gestaltet hat, um auf soziokulturelle Orte der Landeshauptstadt hinzuweisen.
Johannes Gräbner (*1987)


Johannes Gräbners handwerklich spannende Bilder sind durch ihre Mischung aus Stimmung und Realismus bemerkenswert. Der Künstler und Musiker, der in ganz Thüringen ausstellt, sagt zu seinen Erfurt-Bildern: „2016 hatte ich eine Serie an kleinformatigen Landschaftsmalereien gemacht. Ursprünglich war es einfach mein Wunsch, mich aus einer künstlerischen Blockade herauszuarbeiten, da ich zu der Zeit mit meinen anderen Projekten feststeckte. Ich wollte raus aus dem Atelier und mich zog es immer wieder in die Bereiche, in denen urbane und ländliche Räume sich überschnitten.“ So entstanden die kleinen Gemälde, die eine Seite Erfurts zeigen, die Vielen vielleicht gar nicht als allzu malenswert erscheint, aber gerade dadurch Interesse und Wiedererkennung herstellt.
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Erich Enge (*1932 – ✝2023)


Erfurter Künstler gibt es viele. Doch nicht alle beschäftigen sich in ihrem Schaffen mit Bildern ihrer Wirkungsorte. Der 2023 verstorbene und für viele Akteure Erfurts sehr wichtige Künstler Erich Enge hat sich ebenfalls mit dem Dom auseinandergesetzt – oder ihn besser gesagt als Kulisse für eine bewegte Szene genutzt. Das Bild wurde 2013 verkauft, der Erlös kam als Spende Lampedusa-Flüchtlingen und Flutopfer zugute. Obwohl stilistisch ganz anders, erinnern die Bewegungen im Bild doch an Enges wohl bekanntestes Werk: Sein Monumentalwandbild „Die Idee wird zur materiellen Gewalt, wenn sie die Massen ergreift“ im Rieth.
Stephan Herrmann


Stephan Herrmann ist als Künstler eher unter dem Namen „Erfurter Skizzen“ bekannt. Das ist zumindest der Titel seines Instagram-Auftritts, auf dem er seine Zeichnungen und Aquarelle samt Making-Of-Videos zur großen Freude seiner Follower sammelt. „Ich zeichne für mein Leben gerne, egal ob Aquarell oder eine einfache Bleistiftskizze. Schon durch meinen Beruf als Architekt bin ich gewohnt Ideen schnell und verständlich auf Papier zu bringen“, sagt er über seine Blätter. „Die Krämerbrücke gehört zu meinen Lieblingsmotiven. Die kleinteilige Fachwerkstruktur macht sie so lebhaft und einzigartig. Es gibt viele spannende Blickwinkel von der Garten- und Straßenseite oder oben auf der Brücke zwischen den Handwerksgeschäften z.B. zur Weihnachtszeit.“
Dirk Rauscher


Dirk Rauscher sorgt mit spektakulär durchkomponierten Lichtshows und Videoinstallationen für Aufsehen auf Bühnen und im Stadtraum. Der Grafiker hat mehr als zwei Jahren aber auch eine andere Ausdrucksform: Bilder von Erfurt. Genauer gesagt, einiger Erfurter Türme je als Solobild oder quasi in „Familienaufstellung“. Neben Fotos gibt es auch Vorlagen mit genauen Baumaßen der Kirchen, sodass die erarbeiteten Grafiken die echten Denkmäler sehr akkurat und exakt widergeben. Die klare Frontalperspektive kombiniert mit pastelligen bunten Farbflächen lassen die Bilder trotz des Realismus anders wirken, als dem Betrachter die Bauten geläufig sind.
Und Viele mehr...

Das sind natürlich nicht alle Künstlerinnen und Künstler, die sich mit Erfurter Motiven auseinandergesetzt haben. Es gibt noch viele mehr. Beate Kister ist beispielsweise mit ihren Aquarellen von der Krämerbrücke ein bekannte Kunstschaffende, die sich mit ihren dekorativen Werken in vielen Stuben wiederfindet. Auch der ebenfalls eng mit der Krämerbrücke verwobene und 2022 verstorbene Maler Egon Zimpel hat das Wahrzeichen auf einem seiner Werke – wie einem Plakat zum Krämerbrückenfest – verewigt. Sein Grafikerkollege Siegfried Kraft steht dem ebenfalls in Nichts nach, hat der Gebrauchskünstler für seine Aufträge eine Vielzahl von Bildern der Stadt geschaffen, in der er bis zu seinem Tod 2013 gewirkt hat.
Haben wir eine Künstlerin oder einen Künstler vergessen?
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Ein herzlicher Dank für die Unterstützung gilt der Staatsgalerie Stuttgart und der Erfurter Kulturdirektion.
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