Klare Formen, in denen deutlich mehr Aufbruchsgeist steckt, als es zunächst den Anschein hat – das macht für viele Menschen den Reiz von Bauhaus-Architektur aus. Auch in Erfurt gibt es einige markante Bauwerke des „Neuen Bauens“ zu sehen. Über die ganze Stadt verteilt finden sich Wohn- und Geschäftshäuser, Funktionsbauten und Villen, die dem Geist der Moderne entsprechen.
In der Erfurter Oststadt gibt es Architektur der Moderne zu sehen
Mark Escherich hat sich als promovierter Bauhistoriker viel mit diesem Teil der Erfurter Stadtbaugeschichte befasst und weist in seinem Rundgang auf die Wohnanlagen im Hanseviertel hin. In der Krämpfer- und Johannesvorstadt gibt es gleich mehrere bezeichnende Wohnblöcke, die dem Leiter der Erfurter Denkmalschutzbehörde am Herzen liegen.
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Wichtige Wohnhäuser und historische Bauwerke in Erfurt

An sieben Stationen können die spazier- oder fahrradfreudigen Erfurter ähnliche und unterschiedliche Facetten des Neuen Bauens der Blumenstadt erkunden. Viele der heute unauffällig wirkenden Häuser waren in ihrer Erbauungszeit Zeichen eines ambitionierten und innovativen Geists, die später als „Moderne“ bezeichnet wurde.
Begeisterung für Mut der Architekten
Mark Escherich findet die reduzierte Ästhetik von Hansa-Block, Hamburger Block & Co. nicht nur schön, sondern ist auch vom Aufbruch-Mut der Moderne begeistert: „Im 19. Jahrhundert hat die Architektur immer nur vorhandene Stile gesampelt – und das trotz Technikboom und Industrialisierung. Erst die Zwanziger Jahre haben einen überfälligen, völlig neuen Stil hervorgebracht!“, sagt der Denkmalpflege mit Nachdruck.
1 – Flensburger Block – Flensburger Straße

Der Rundgang beginnt zwischen Steinplatz und Fachhochschule. Der Zuschnitt des trapezförmigen Quartiers des „Flensburger Blocks“ geht auf Otto Jacobsen, den Architekten und Mitgesellschafter der „Grundstücksgesellschaft Krämpfertor mbH” zurück. Ganze 24 Wohnhäuser wurden im Jahr 1929 in der Flensburger Straße in geschlossener Bauweise errichtet. Deshalb wurde der Komplex kurzerhand zum „Flensburger Block“. Backsteine heben sich farblich und als Material von der hellen Fassade ab und bilden „Bänder“, die den hellen Wänden einige Akzente verleihen. Den Name Jacobsen können aufmerksame Beobachter an verschiedenen Stellen des Gebäudes finden.

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2 – Hamburger Block – Hamburger Straße

Nur etwa 100 Meter weiter gibt es einen ganz ähnlichen Wohnkomplex, der von Otto Jacobsen entworfen wurde. Im Gegensatz zum damals herkömmlichen Grundriss des Flensburger Blocks führte der Architekt mit dem „Hamburger Block“ erstmals Laubengänge in den Wohnungsbau in Erfurt ein. Der Block erhebt sich über einem langgestreckten u-förmigen Grundriss mit ganzen 170 Meter Länge. Die für Jacobsen bis dahin typische Fassaden-Bänderung wie beim Flensburger Blick gibt es hier nicht. Ähneln sich die beiden Blöcke sehr, zeigt sich in der Hamburger Straße doch etwas weniger Backstein in der Fassade.


„Das Besondere beim Hamburger Block sind die Laubengänge“, betont Mark Escherich. „Neben ökonomischen Faktoren verband man den Laubengang auch mit sozialen Hoffnungen. Die gleichartige Reihung der Wohnungen konnte als hierarchisch gerecht empfunden werden“, schildert der Bauhistoriker. Im Rahmen der Denkmaltage werden sie gern bei Führungen gezeigt.
Der Blick der Denkmalpfleger
Erfurt hat viele interessante Bauwerke, die nicht in Reiseführern stehen. Unsere Zeitung hat die städtischen Denkmalpfleger gefragt, welche Gebäude, Steine und Plätze Erfurt als Stadt und vor allem einzelne Stadtquartiere besonders machen. Diese stellen wir in Beiträgen und als thematische Rundgänge zusammen und schauen, warum diese einen zweiten Blick wert sind.
3 – Hansa-Block – Eugen-Richter-Straße

Wer dann fünf Minuten erst der Liebknecht- und dann der Eugen-Richter-Straße folgt, kommt zum dritten Block der nördlichen Krämpfervorstadt. Der „Hansa-Block“ erstreckt sich zwischen Eugen-Richter-Straße, Bebelstraße und Dortmunder Straße. Bauherrin des schneeweißen Blocks mit dem großzügigen Innenhof war die in Hamburg ansässige Deutsche Wohnungsbau-Gesellschaft mbH „Erfurt“ (D.W.G.). Der Wohnblock entspricht mit seiner Kargheit der Auffassung des Hamburger Architekten Karl Schneider. Die enorme Flächigkeit des Blockstrangs wird lediglich von Durchfahrten und von zwei um eine Blockecke gelegten Balkonen akzentuiert.
Kleine, quadratische Fenster markieren in den einzelnen Wohngeschossen die Lage der Nebenräume. Eine „unsensible Fassadensanierung der 90er Jahre“ nahm dem Hansa-Block laut Denkmalpfleger Escherich einiges von seiner ursprünglichen architektonischen Schärfe.

In den Treppenhäusern findet sich schon deutlich mehr Farbe. Die Aufgänge sind je nach Haus in unterschiedlichen Tönen von gelb, blau, rot und grün gestaltet.
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4 – Kühlhaus – Ladestraße

Der nächste Punkt des Rundgangs ist eher ungewöhnlich, gehört aber trotzdem zur Architektur des Neuen Bauens. Von der Eugen-Richter-Straße aus geht es etwa 800 Meter weiter zum alten Kühlhaus. Es wurde 1930 errichtet und sollte den 1911 gebauten städtischen Schlacht- und Viehhof ergänzen. Die turmartige Stahlbetonskelettkonstruktion wurde in der Nachkriegszeit mit einer neuen Fassade versehen. Daher ist das Kühlhaus lediglich in seiner Grundform erhalten.

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5 – Erwo-Block – Hallesche Straße/Dresdener Straße

Mit einem Weg durch die Schlachthofstraße über die Bremer Straße zum Hanseplatz kann der Spaziergänger innerhalb einer Viertelstunde gleich noch mehr Quartiere des Hanseviertels erkunden. In der Dresdener Straße finden sich noch Reste der ursprünglichen Bebauung des „Erwo-Blocks“. In 1929/30 wurden zwölf der eigentlich sogar 22 vorgesehenen Gebäude ausgeführt. Das Quartier, ursprünglich für 200 Wohnungen gedacht, blieb bis in die 50er Jahre fragmentarisch. In den frühen 1960er Jahren entstanden hier Altneubauten, die eine Kriegslücke zwischen den beiden Straßenenden füllten. Zwei der Erwo-Teilbauten sind aber noch zu sehen. Der Name Erwo steht für „Erwo Wohnungsbaugesellschaft mbH“.

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6 – Wohnanlage Grolmannstraße

Vom Hanseplatz aus führt der Weg am leichtesten über die Hallesche Straße zu den beiden letzten Zielen des Rundgangs. An der Ecke zur Uhlworm-Straße beginnt die Grolmannstraße, die als einer der Anfänge des Massenwohnungsbaus der 1920er Jahre bezeichnet werden kann. Die Wohnanlage der „Wohngemeinschaft Erfurt GmbH“ in der Nähe des Nordbahnhofs zwischen 1926 bis 1928 und die langgestreckten Hauszeilen in der Grolmannstraße zählen dazu.

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Die Finanziers waren Hermann Bösenberg und Otto Langemann. Während dieses in der Presse häufig als „auswärtiges Unternehmertum“ bezeichnete Kaufmannsduo ständig in Hamburg firmierte, hatte sich der mit ihm assoziierte Architekt Otto Jacobsen um 1926/27 in Erfurt niedergelassen.
Auch diese Wohnanlage zeichnet sich durch gerahmte Hauseingänge mit kleinen Vordächern (ähnlich wie beim Hamburger Block) und großzügige Vorgärten aus.
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7 – Großgarage – Grolmannstraße/ Ecke Uhlworm-Straße

Die neue Wohnanlage in der Krämpfervorstadt brachte auch mehr Automobile ins Quartier. Die „Radowitz-Großgarage“ nach Entwürfen des Erfurter Architekten Alfred Crienitz wurde allerdings schon 1925 fertiggestellt. Auch dieses Gebäude trug Kriegsschäden davon und musste 1940 wiederaufgebaut werden. Die Zufahrt führte über die Südseite des Industriebaus, der sich durch Klarheit und Funktionalität auszeichnet. Obwohl es ein reiner Zweckbau ist, haben die Baumeister dekorative Elemente in die Fassaden integriert. „Das zeigt die Auseinandersetzung der zeitgenössischen Architekten mit der neuen Arbeitsaufgabe“, so Escherich.
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Noch mehr markante Bauhaus-Orte in Erfurt

Die Bauwerke in der Oststadt sind nur einige von vielen Beispielen für Bauhaus-Moderne in Erfurt. Ein anderer Wohnungsbau aus der Zeit des Neuen Bauens findet sich in einem Eckhaus in der Windthorststraße. Größere Hingucker mit noch deutlich abgerundeten Formspielen zwischen den klaren Liniensprachen sind unter anderem am Anger zu sehen. Zum einen das Schellhornhaus in der Neuwerkstraße, aber auch das ehemalige Sanitätshaus an der Ecke Anger 81.









