Wer sich in Sachen Erfurter Stadtgeschichte beliest, kommt an Ernst Benary und seiner Pflanzenzucht nicht vorbei. Sein Familienunternehmen hatte einen maßgeblichen Anteil am Ruf der Blumenstadt. Und das weit, bevor an Gartenbauausstellungen auf der Daberstedter Schanze oder auf der Iga zu denken war. Das Kunstgärtnertum prägte die Stadt und prägt sie mit Christensen und anderen bis heute.
Familienvillen und Geschäftshäuser im Westen Erfurts
Doch auch baulich hat Benary ein großes Erbe hinterlassen. So sind nicht nur die Villen der Familie erhalten, sondern auch alte Geschäfts- und Arbeitsbauten. Uta Pappe, Denkmalpflegerin der städtischen Denkmalschutzbehörde, hat im Rahmen der jährlichen Denkmaltage schon Führungen zur Benary-Geschichte der Brühlervorstadt gemacht und begeistert sich für die Familie und deren Wirken.

Dass diese Geschichte bis zur Enteignung des Betriebs auch in die 1950er Jahre reicht, wissen nur wenige. Und doch hatte vielleicht der ein oder andere Erfurter mehr Berührungspunkte mit dem Benary-Erbe, als er zunächst dachte: „Ich hab in meiner Schulzeit in der Gärtnerei am Gothaer Platz gearbeitet und fand das Gelände damals schon sehr interessant“, freut sich Uta Pappe ob dieser frühen Berührung mit dem Erbe der Unternehmer-Dynastie.
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An sieben Stationen können spazierfreudige Erfurter ähnliche und unterschiedliche Facetten der Benary-Familienorte erkunden. Darunter sind nicht nur die Villen des Mäzens und der Söhne, sondern auch Geschäftshäuser und Speicher.
1 – Das erste Betriebsgelände (Bonemilchstraße 9)

Das große Haus mit den Fachwerkbalken im Obergeschoss in der Bonemilchstraße 9 ist der Startpunkt. Nicht nur für den Rundgang, sondern auch in Anbetracht der Gartenbau-Tradition. Dieses massiv wirkende Gebäude ist der älteste Teil, der von den ersten Bauwerken des Gartenbaubetriebs erhalten ist. Wo heute die beiden Blöcke der Stadtverwaltung in der Warsbergstraße und einige Wohnhäuser stehen, war der Bau früher umringt von Gartenbau-Flächen.

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2 – Villa Brühler Straße (Brühler Straße 41)

Das erste eigene Privatgrundstück der Benarys lag unter den Wohnhäusern in der Brühlerstraße 40/41. Schon dreißig Jahre vor dem Bau der ersten Familienvilla wohnten die Benarys in dieser Adresse. Dazu gab es Lager und ein Magazin. Im Jahr 1878 ließ Ernst Benary schließlich die Villa bauen. Im Keller gab es sogar ein eigenes Weinlager, ein Billardzimmer und im Erdgeschoss einen Speisaal. Im 20. Jahrhundert wurde das Gebäude mehrfach erweitert und umgebaut.

Der Blick der Denkmalpfleger
Erfurt hat viele interessante Bauwerke, die nicht in Reiseführern stehen. Unsere Zeitung hat die städtischen Denkmalpfleger gefragt, welche Gebäude, Steine und Plätze Erfurt als Stadt und vor allem einzelne Stadtquartiere besonders machen. Diese stellen wir in Beiträgen und als thematische Rundgänge zusammen und schauen, warum diese einen zweiten Blick wert sind.
3 – Villa Gorkistraße (Gorkistraße 11)

Für Friedrich Benary, den ältesten Sohn von Ernst Benary, wurde die Villa in der Gorkistraße gebaut. Das Hauptgebäude entstand 1874, über die Jahrzehnte wurden hier auch eine Veranda, ein Gartenpavillon und weitere Teilgebäude nachgekauft. Die Villa wurde als Treffpunkt für Geschäftspartner und für Empfänge genutzt. Besonders gut gefällt Uta Pappe der Musiksalon des Hauses. Hier sind neubarocke Ölgemälde von Hans W. Schmidt erhalten, die unter anderem ein Engelskonzert zeigen. „Man munkelt, dass in ein paar der Engelsfiguren vielleicht die Kinder des Bauherrn verewigt wurden“, sagt die Denkmalpflegerin.
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4 – Geschäftshaus Gorkistraße (Gorkistraße 9)

Das alte Kontor- und Lagerhaus markiert heute die Haltestelle „Gorkistraße“ und beherbergt die Thüringer Aufbaubank. In 1890 errichtet, ist es das einzige Gebäude des Rundgangs, das eine Figur an der Fassade oder auf dem Dach hat. „Vermutlich soll es Demeter, die Göttin des Ackerbaus, sein“, denkt Uta Pappe. Der Eingang wurde baulich etwas verändert, um den Zugang barrierefrei zu gestalten. In den 1930er Jahren gab es einige Umbauten.
Die „Erfinder“ der Blumenstadt
Die riesige Familienfirma Ernst Benary Samenzucht wurde 1843 von Ernst Benary gegründet und spezialisierte sich auf die Züchtung und den Handel von Blumen- und Gemüsesamen. Es entwickelte sich rasch zu einem international renommierten Betrieb mit Handelsbeziehungen in Europa, Amerika und Asien. Benary war bekannt für wissenschaftliche Pflanzenzucht und zahlreiche Innovationen im Gartenbau, die Erfurt als „Blumenstadt“ prägten. Neben wirtschaftlichem Erfolg engagierte sich die Familie auch sozial und kulturell. Bis heute leben Nachkommen der Benarys in Amerika.
5 – Speicher (Brühler Straße 37)

In enger Nachbarschaft mit anderen Handelsgärtnern (Pabst und Döppleb) wurde das große Werkstattgebäude errichtet, das die Erfurter heute als Speicher kennen. Schon 1840 gab es hier ein Gartenhaus, später ab 1887 einen Pferdestall, einen Heuboden und Garagen. 1879 folgte der Klinkerbau, den wir heute kennen. Hier lag auch einer der Arbeitssäle, in dem die Samen für Zucht und Verkauf sortiert wurden. Heute ist der Benary-Speicher ein Schaudepot der Stadt Erfurt und kann auch von innen besichtigt werden.
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6 – Benary-Park mit Denkmal

Der Park, den viele Erfurter vielleicht eher als Platz bezeichnen würden, ist der Rest einer riesigen Grünanlage, die sich im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts gegenüber den Gärtnerei-Flächen erstreckte. Nach der Entfestigung Erfurts angelegt, gehörte der Springbrunnen auf dem „Schmuckplatz“ zum „Erholungszwecke“ dazu. Seit 2000 gibt es das Benary-Denkmal, das den Gründer der Gartenbaufirma und des Pflanzenzuchtbetriebs ehrt. „Auch die Nachkommen der Familie aus den USA haben sich das angeschaut. Die Familiengeschichte hat für die Benarys bis heute eine Bedeutung“, sagt Uta Pappe freudig.
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7 – Benary-Villa (Benaryplatz 2/3)

Direkt gegenüber dem Park liegt der letzte Punkt der Route: Die Villa wurde 1886 vom Leipziger Architekten Georg Weidenbach für John Benary gebaut. Zehn Jahre später wurde ein Wintergarten hinzugefügt, der sich an das große Gärtnereigelände angliederte. Im Jahr 1912 hat John Benary selbst für den markanten Erweiterungsbau gesorgt, zu dem auch der runde Eckturm gehört, den die Erfurter von der Haltestelle „Gothaer Platz“ aus sehen können. Die Treppenhäuser und die Stuckdecken sind zum Teil noch original. Ende des 19. Jahrhunderts gab es hier sogar eine private Flussbadeanlage mit Ankleidekabinett. Bis 1951 wurde die Villa von der Familie Benary genutzt. In der DDR-Zeit diente es als Lehrlingsgebäude der VEB Optima, kurz vor der Wende sollte hier eine Gastronomie mit Gästezimmern einziehen.






