Ein Hafen in Erfurt? Ja, aber wofür denn? Vor etwas über 100 Jahren war es ein ernsthafter Gedanke, am Roten Berg einen Schiffshafen zu etablieren. Ein Projekt, das viele Erfurter sehr irritiert, schreien doch die Gegebenheiten der Gera und des trockenen Gebiets im Norden der Stadt nicht gerade nach Platz und Wassermassen für Frachtschiffe. Mittlerweile kann mit Hilfe Künstlicher Intelligenz zumindest eine Vorstellung davon vermittelt werden, wie der heutige Rote Berg samt Hafen aussehen könnte. Wobei das Bild die damaligen Pläne im Nachhinein noch unrealistischer wirken lässt.

Autos, Flugzeuge und fast auch Schiffsverkehr in Erfurt

Dennoch war die Sache ernst und Erfurt hatte in Sachen Mobilität immer schon einiges zu bieten. Eigentlich alles. Denn zur Verkehrsgeschichte der Landeshauptstadt gehören nicht nur die Via Regia und die A4, sondern auch diverse Flug-Verbindungen und beinahe auch ein direkter Anschluss an die Nordsee.

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Der Kanal stand an zwei Orten in Erfurt zur Debatte

Im Januar 1920 hatte sich die Erfurter Handelskammer für den Kanalbau durch Thüringen starkgemacht und erreicht, dass vier Jahre später von Experten bestätigt wurde, dass dieses Projekt technisch durchaus machbar sei. Das Stadtarchiv hat einige Akten in petto, die Aufschluss über das Bauvorhaben geben. Der Kanal sollte auf einer Seite über die Saale und die Unstrut mit der Elbe verbunden werden, auf der anderen über die ausgebaute Werra mit der Weser. Zwei Varianten wurden geplant. Bei einer hätte das Hafengelände den Raum zwischen Mittelhausen und Globus gefüllt, bei der anderen sollte die Fläche des heutigen Wohngebietes Roter Berg für den Schiffsverkehr ausgehoben werden.

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Der Hafen wurde zugunsten der Autobahn und des Flugplatzes aufgegeben

Letzteres wurde zwar favorisiert, aber doch nicht gebaut. Denn den Machthabern des Dritten Reiches dauerten die dafür notwendigen Arbeiten zu lange. Der Wasserweg hätte durchgehend auf eine Breite von 34 Metern und eine Tiefe von drei Metern ausgebaut werden müssen. Mehrere Schleusen wären notwendig gewesen, um die Höhenunterschiede zu überwinden. Gebaut wurde stattdessen die Autobahn und auf dem favorisierten Hafengelände ein Flugplatz.

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Mit der Eröffnung des Mitteldeutschen Verkehrsflughafens wurden die Träume der Thüringer, als Seefahrernation in die Geschichte einzugehen, dann endgültig begraben.

Auch Zeppeline landeten in Erfurt

Zahlreiche Bauunterlagen, Pläne, Beschlüsse und Skizzen im Bestand des Stadtarchivs erinnern heute noch an dieses Verkehrsbauvorhaben. Und an andere, die auch realisiert wurden. Dazu gehört der bereits erwähnte Verkehrsflughafen am Roten Berg und der 1938 in Bindersleben gebaute Fliegerhorst, der nach dem Krieg zum Verkehrsflughafen ausgebaut wurde. Für den Luftverkehr gab es aber noch einen dritten, noch älteren Standort. Den Ankerplatz für Luftschiffe auf dem Johannesplatz, der um 1909 eingerichtet und 1918 zu den Akten gelegt wurde.

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Bis weit ins 16. Jahrhundert lässt sich die Erfurter Mobilität im Stadtarchiv zurückverfolgen. Alte Belege und Berichte, die unter anderem davon zeugen, dass es ein Bote an einem Tag geschafft hat, die 80 Kilometer lange Strecke von Erfurt nach Meiningen zu Fuß zu bewältigen. Bis nach Rostock wurden die Boten einst per pedes geschickt.