Ein zeitnahes Gespräch auf höchster Ebene soll für die dringend nötige Entlastung der Erfurter Welterbestätten sorgen. Vor allem die Alte Synagoge ist mit ihren begrenzten Empfangsmöglichkeiten und Raumkapazitäten dem Besucherandrang nicht gewachsen. Oberbürgermeister Andreas Horn (CDU) will gemeinsam mit dem fürs Welterbe zuständigen Dezernenten Lars Bredemeier (CDU) und dem Kanzler der Universität Erfurt, Christian Schellhardt, über ein mögliches Interims-Welterbezentrum beraten. Konkret wird dafür die Kleine Alte Waage an der Ecke Michaelisstraße / Waagegasse ins Auge gefasst, also in unmittelbarer Nachbarschaft zur Alten Synagoge.

Temporäres Informationszentrum nahe der Alten Synagoge

Das Gebäude gehört der Stadt, die Universität ist Mieterin und betreibt dort eine Restaurierungswerkstatt für Bücher und historische Handschriften. „Dieses Gebäude würden wir gerne nutzen, um die Vielzahl an Besuchern zu empfangen, zu lenken, Rucksäcke unterzubringen und so weiter. Die Nachfrage ist groß, also müssen wir handeln“, sagte Lars Bredemeier am Donnerstag (23. April).

Kleine Alte Waage
In der Michaelisstraße/Ecke Waagegasse steht die „Kleine Alte Waage“. Das Gebäude wurde 1354 errichtet und diente seit der Mitte des 15. Jahrhunderts als Lager und Speichergebäude. Derzeit betreibt die Uni Erfurt dort ihre Restaurierungswerkstatt für Bücher und historische Handschriften.© Funke Medien Thüringen | Marco Schmidt

Über die Idee wurde bereits im vergangenen Jahr öffentlich informiert. Die bisherigen Gespräche haben offenkundig noch nicht zu einem Ergebnis geführt. Eine glatte Kündigung des Mietvertrages und einen möglichen Streit mit der Universität wolle man nicht. Schließlich sei die Universität Teil des Fördernetzwerkes für das Welterbe. Die Stadt bietet der Universitätsleitung ein Ausweichsobjekt für die archivarische Arbeit an.

Baustart für Welterbezentrum noch offen

Nach wie vor ist offen, wann der Bau des offiziellen Welterbezentrums beginnen wird, geschweige denn, wann es öffnen wird. Klar ist nur, dass eine zentrale Anlaufstelle zur Orientierung, Information und Lenkung der Besucher eine Vorgabe der Unesco ist.

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Ein heißer Kandidat für den Standort dieses Zentrums ist der Parkplatz hinter dem Rathaus. Geophysikalische Messungen haben ergeben, dass im Boden Überreste der einstigen Bebauung des Areals überdauern. „Die Frage ist nicht, ob etwas gefunden wird. Wir wissen, dass dort etwas ist“, fasst Lars Bredemeier zusammen.

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Auf der Fläche standen einst Gebäude der zweiten jüdischen Gemeinde der Stadt. Urkundlich belegt sind ein Tanzsaal, ein Brunnen, eine Synagoge und Wohnhäuser. Geplant sind archäologische Probegrabungen noch in diesem Jahr. Dabei werde nicht der gesamte Platz umgegraben, sondern sukzessive einzelne Flächen untersucht. Basierend auf diesen Ergebnissen wiederum soll dann die konkrete Gestaltung des Welterbezentrums geplant werden. So könnten beispielsweise Fundamente historischer jüdischer Gebäude mit Glasplatten geschützt, aber dennoch für die Besucher sichtbar gemacht werden und sich nahtlos ins Welterbe-Thema einfügen, so Lars Bredemeier.