Juri Gagarin ist gerade von seinem Weltraumflug zurückgekehrt, als in Erfurt gut zwei Wochen später Geschichte geschrieben wird. Am 28. April 1961 öffnet die Internationale Gartenbauausstellung der sozialistischen Länder. Man darf „Iga“ zu ihr sagen, das tun die Erfurter und nehmen das Gelände sogleich in Beschlag. Damals gilt wie heute: Die Iga ist Vieles zugleich: Monument des Aufbauwillens in der DDR, Schaufenster für die – tatsächlichen oder eher beschworenen – Errungenschaften sozialistischer Landwirtschaft, ein Stück Arbeiter- und Bauernparadies, eröffnet wenige Wochen vor dem Mauerbau.
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Für viele Erfurter und ihre Gäste aber war und ist sie vor allem Rückzugsort, grüne Oase mit ihrer bunten Blumenpracht, Kleingärtner-Inspiration, Kindheitsglück mit ihren Spielplätzen und Planschbecken. Dass sich daran bis heute nichts geändert hat, ist die erstaunliche Erfolgsgeschichte der Iga, die heute Ega heißt und dieses Jahr ihren 65. Geburtstag feiert.
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Große Liebe und laue Sommernächte
So nimmt es kein Wunder, dass die vielen Gäste der offiziellen Festveranstaltung zum Jubiläum an diesem Donnerstag (30. April) in Erinnerung schwelgten. Ega-Besucher, so gab die noch frische Ega-Geschäftsführerin Bettina Franke den Ton vor, kämen aus vielerlei Gründen, vor allem aber wegen eines Gefühls. Stadtwerke-Chef Peter Zaiß erinnerte sich an ein erstes Date mit seiner jetzigen Ehefrau, Oberbürgermeister Andreas Horn (CDU) an Kinder-Badespaß und laue Teenager-Sommernächte auf den Wiesen.

Das Iga-Wunder sieht Ministerpräsident Mario Voigt vor allem im Talent des renommierten Landschaftsarchitekten Reinhold Lingner, dessen Entwürfe damals von Dutzenden Betrieben und Tausenden freiwilligen Aufbauhelfern zu einem Park-Kunstwerk wurden, das den eigentlichen Auftrag der Partei- und Staatsführung überstiegen habe, das „größer wurde als die Zeit, in der es entstand.“
Tourismus-Leuchtturm und Baudenkmal
Auch heute ist die Ega mehr als nur Ausflugsziel, Gartenparadies, Spielplatz. Sie ist mit 500.000 Besuchern im Jahr Eckpfeiler der Thüringer Tourismusvermarktung, Bewahrerin der Erfurter Gartenbautradition, Traum der Denkmalschützer. Nirgendwo in Deutschland, schwärmt Landeskonservator Martin Baumann, ist die Baukunst der 1960er-Jahre so flächendeckend erhalten wie hier. So nennen die Ega-Verantwortlichen denn auch den Erhalt des Parks als ihre wichtigste Zukunftsaufgabe.

Aber freilich, die Ega steht vor Herausforderungen. Der Klimawandel macht auch vor Thüringen nicht halt, das hat Konsequenzen, für die Ega als gärtnerisches Experimentierfeld, für die Bepflanzung, für ihre Rolle als grüne Oase der Stadt. Das Deutsche Gartenbaumuseum, bundesweit zentraler Ort der Ideenfindung für Landwirtschaft und Gärtnerei, würde gern noch mehr aus dem – seiner Bedeutung unangemessenen – Schatten des Freizeitparks treten.
Ausstellungen, Stelen, Führungen zum Jubiläum
Viele Hoffnungen ruhen auf dem Jubiläumsjahr. Am 1. Mai startet die große Blumenschau in Halle 1 ganz im Zeichen des Geburtstages mit vielen Rück- und Ausblicken. So haben Studenten der Erfurter Fachhochschule mithilfe künstlicher Intelligenz Videofilme erstellt, die zeigen, wie die Ega womöglich an ihrem 100. Geburtstag aussehen könnte.
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Das große Blumenbeet wurde nach Plänen aus dem Jahr 1966 bepflanzt. 65 Stelen auf dem Gelände sollen demnächst an die wichtigsten Elemente der Iga erinnern, die teils erhalten, teils verschwunden sind. Es gibt thematische Führungen. Im August eröffnet im Gartenbaumuseum die Ausstellung „iga*61: DDR durch die Blume“ über das wechselvolle Verhältnis von Ideologie und Alltag am Beet.







