Was verbinden Sie mit dem Wort Rebhuhn? Richtig, der Gestiefelte Kater sammelte sie einfach in einen Sack, um sich beim König beliebt zu machen. Selbst bei Ministern ist das der erste Gedanke, wie Tilo Kummer (BSW) bei der symbolischen Eröffnung der Rebhuhn-Brutsaison beweist. Der Thüringer Umweltminister spielt auch als erstes auf das Märchen an.

Die kleinen Wildhühner sind noch anzutreffen

„Gestern waren welche drüben auf der anderen Seite“, sagt Magdalena Werner von der Natura-2000-Station, die die Gäste zum Rebhuhn-Termin begrüßt. Das kleine, wilde Federvieh ist also kein Fabelwesen, wenn auch kaum noch anzutreffen. Das ist der Hintergrund des Treffens an einem Weg hinter dem Ikea-Möbelhaus nahe Bindersleben.

Blühstreifen soll sichere Brutstellen bieten

Ein bis zwei Brutpaare des Rebhuhns auf 100 Hektar sind zu wenig, da sind sich alle hier einig. Bauern, Behördenvertreter, Jäger und Naturschützer. Und so wird vorgestellt, wie das Rebhuhn vor dem Aussterben gerettet werden soll. Bauer Martin Petzig, Geschäftsführer der Agrar GmbH & Co. KG Ermstedt, gibt dafür Land. Hier am Weg und hinter einer Hecke zieht sich ein breiter Blühstreifen entlang, der vormals Ackerland war. Nach drei Jahren hat er sich entsprechend entwickelt und der halbhohe Bewuchs soll Rebhühnern Unterschlupf für die Bodennester bieten.

Wir haben schon sechs Flächen für den Naturschutz angelegt.“

Rebhuhn
Martin Petzig, Landwirt, Agrar GmbH Ermstedt

Er hat früher schon Ausgleichsflächen im Zuge des Ikea-Baus für den Feldhamster geschaffen, rund acht Hektar für das Rebhuhn gegeben. „Das liegt mir am Herzen“, sagt Petzig. Aber eine Grenze sei erreicht. „Ich kann die Forderung der Naturschützer nach größeren Flächen verstehen, aber nicht erfüllen.“ Die letzte Ernte brachte ein Defizit fürs Geschäft, in diesem Jahr werde es erneut spannend. Bis Ende April fiel genauso viel Regen, wie in den ersten Maitagen. Die Mengen sind schlecht verteilt, sagt er zu anderen Aspekten der Klima-Naturentwicklung.

Zusammenspiel von Bund, Land und Naturschützern

Minister Tilo Kummer lobt und dankt den Landwirten für ihr Engagement. Und hebt das Zusammenspiel hervor, das die Partner – angefangen beim Bundesprojekt „Rebhuhn retten – Vielfalt fördern“ über Landwirte und lokale Naturschützer bis hin zur Jägerschaft – zeigen. Denn, so sagt Kummer, ohne die Fressfeinde wie Fuchs und Waschbär im Zaum zu halten, haben Bodenbrüter keine Chance.

Rebhuhn
Alexander Weiß (Stiftung Lebensraum Thüringen), Gina Geittner (Landschaftspflegeverband Mittelthüringen), Magdalena Werner (Natura 2000) und Umweltminister Tilo Kummer (BSW) bei der symbolischen Eröffnung der Rebhuhn-Brutsaion. Ein Schild soll sensibilisieren.© Funke Medien Thüringen | Casjen Carl

Für die Waschbären gebe es in dieser Jahreszeit nur eines: Ei, Ei, Ei. Kent Franke, der Jagdpächter rings um Bindersleben, verdeutlicht so die Gefahr. Die Jäger suchten systematisch nach den Nestern, um die Gelege auszunehmen. Im Jahr 2012 habe er hier den ersten Waschbären gesehen. Seitdem er vor Jahren mit der Fallenjagd begonnen hat, hat er so 120 Waschbären gejagt.

Waschbären sind am besten mit Fallen zu kriegen

„Ohne Fallen geht es gar nicht, da hätten wir den Krieg schon verloren“, sagt er drastisch zur Verbreitung des eingewanderten Raubtiers. Daneben gibt es ja noch den Fuchs. 500 der Räuber habe er in den vergangenen 15 Jahren erlegt. Aber grundlegend etwas ändern ließe sich so nichts. Dennoch bleibe er dabei, die Rettung der Rebhühner mit zu unterstützen. Mit einem hohen Zeitaufwand, denn die Fallen müssten ja ständig kontrolliert werden.

Viele verpasste Chancen beim Artenschutz

Ronald Bellstedt, bekannter Vogelschützer vom Naturschutzbund (Nabu), erinnert daran, dass das Rebhuhn zum Vogel des Jahres 2026 gekürt wurde. Bereits das zweite Mal nach 1991. Zurecht, wie er meint, angesichts der prekären Lage. Er mahnt an, dass viel stärker darauf geachtet werden müsse, dass Hecken und Blühstreifen (auch an Straßenrändern) angelegt werden müssten. Nicht nur wegen des Rebhuhns. Auch andere Vogelarten wie die Feldlerche bräuchten dringend diese Unterstützung. Der Rotmilan, wie er gerade über den Teilnehmern kreist, sei kein Problem. „Der sammelt die Straßenverkehrsopfer ein, davon gibt es ja leider auch genug.“

Und wo soll es hingehen mit der Rebhuhnrettung? Das bundesweite Projekt hat in Thüringen ein Gebiet mit einer Fläche von 105.000 Hektar. 258 Hektar Blüh- und Brachflächen seien mit Agrarbetrieben angelegt worden. Derzeit stehe man bei einer Rebhuhn-Population von 1 bis 2 Brutpaaren pro 100 Hektar. Ronald Bellstedt: „Zehn Brutpaare sind schon anzustreben.“