Ein teurer Rechtsstreit ist zu Ende, die Kündigung des Theater-Intendanten Guy Montavon vom Tisch. Mehr als eine halbe Million Euro zahlt die Stadt, dazu kommen Anwaltskosten, Gutachten, die Abfindung für die gefeuerte Gleichstellungsbeauftragte. Überhaupt wurde zuletzt viel über Geld geredet im Zusammenhang mit der Theater-Affäre, über Arbeitsrecht und Verträge, über Kündigungsgründe und Fristen.

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Wenig allerdings – zu wenig – ging es um die Vorwürfe, die am Anfang dieser Affäre standen, über die Frauen, die mutmaßlich über Jahre Anzüglichkeiten, sexuellen Übergriffen, Machtmissbrauch ausgesetzt waren und sich nicht dagegen wehren konnten. Ein Schlussstrich? Das wäre fatal.
Täter sollten Konsequenzen fürchten, nicht die Opfer
Diese Redaktion hatte die Vorwürfe im Herbst 2023 öffentlich gemacht – und musste dafür viel Kritik einstecken. Wahlbeeinflussung, der beschädigte Ruf des beliebten (und mächtigen) Intendanten, und ja, die Kosten. Dabei ging es um etwas ganz anderes: Um ein System, in dem die Opfer sexueller Gewalt nicht gehört werden, die mutmaßlichen Täter hingegen in einem Netzwerk aus Männerfreundschaften geschützt sind. Hat sich daran wirklich etwas geändert?
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Die Gleichstellungsbeauftragte Mary-Ellen Witzmann, die die Vorwürfe gegenüber unserer Zeitung damals bestätigte, wurde fristlos entlassen. Dass sie jemals wieder eine vergleichbare Position in einer öffentlichen Verwaltung erhält, scheint derzeit unwahrscheinlich. Der Bericht über die Übergriffe bleibt weiter geheim. Viele Fälle sind verjährt oder unter einer Strafbarkeitsgrenze. Nicht die Täter, sondern die Opfer müssen Konsequenzen fürchten, sollten sie sich öffentlich äußern.
Das gilt längst nicht nur für das Theater. Schulen oder Hochschulen sind anfällig für solche Vorfälle, wie sich unlängst an Beispielen in Erfurt und Weimar zeigte. Es fehlen Strukturen, in denen die Opfer Hilfe finden, Täter zur Rechenschaft gezogen werden. Solange sie fehlen, dürfen wir nicht schweigen.





