August 2002: Guy Montavon wird Generalintendant des Theaters Erfurt.

Februar 2019: Die Gleichstellungsbeauftragte Birgit Adamek wird von betroffenen Frauen über Fälle sexueller Belästigung und Machtmissbrauchs am Theater informiert und um Unterstützung gebeten.

7. Juli 2021: Der Erfurter Stadtrat beschließt, Guy Montavon ab August für weitere sechs Jahr bis 2027 zu verlängern.

September 2022: Birgit Adamek geht in den Ruhestand.

2023

5. Juli 2023: Mary-Ellen Witzmann tritt die Nachfolge von Birgit Adamek als Gleichstellungsbeauftragte an. Seit 2013 arbeitet sie in der Gleichstellungsstelle, zuletzt in der Vize-Position. Sie greift auch die Akte des Theaters auf, führt Gespräche und forscht nach.

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12. Juli 2023: Dezernent Tobias Knoblich wird über Fälle sexueller Belästigung und Machtmissbrauchs am Theater informiert. „In dem ausführlichen Gespräch informierte sie (Mary-Ellen Witzmann – d.R.) den Dezernenten über einen aktuellen Fall angeblicher sexueller Belästigung am Theater, der sich in Aufklärung befinden würde“, heißt es später dazu in einem Stadtschreiben. „Sie erwähnte auch zwei ältere, verjährte Fälle.“

Mehr zu den Anfängen der Theater-Affäre

6. Oktober 2023: Mary-Ellen Witzmann spricht Fälle am Theater bei der Stadtspitze an. Daraufhin wird sie zu einem Gespräch mit Rechtsamtsleiterin Nicole Kühnert und Ricarda Schreeg, Referentin des Oberbürgermeisters, sowie Pressesprecher Henry Köhlert geladen. Die Botschaft: Witzmann dürfe in ihrem Amt keine Öffentlichkeitsarbeit betreiben.

10. Oktober 2023: Tobias Knoblich wird beauftragt eine Untersuchungskomission zu gründen.

21. Oktober 2023: Mary-Ellen Witzmann beantwortet eine Anfrage dieser Zeitung zu den möglichen Fällen am Theater. Oberbürgermeister Andreas Bausewein droht umgehend mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen. Diese Zeitung berichtet über dieses Vorgehen erstmals.

24. Oktober 2023: Die Stadt Erfurt will bis dato vorliegende sechs Vorwürfe sexueller Übergriffe am Theater mit einer Kommission klären, die extern anwaltlich betreut wird. Die Berliner Anwaltskanzlei FS-PP Berlin wird beauftragt, den Vorwürfen nachzugehen. Die Kanzlei richtete anonyme Meldewege für Betroffene und Zeugen ein.

26. Oktober 2023: Mary-Ellen Witzmann wird beurlaubt.

27. Oktober 2023: Bausewein sagt Pressekonferenz:  „Ich kann Ihnen versichern, dass wir in der Stadtverwaltung und den Eigenbetrieben keinerlei sexuelle Übergriffe, und Machtmissbrauch dulden werden“.

3. November 2023: Mary-Ellen Witzmann wird fristlos gekündigt

Alles zum Thema Mary-Ellen Witzmann

12. Dezember 2023: Mary-Ellen Witzmann geht vorm Arbeitsgericht gegen ihre Kündigung vor. Witzmann strebt ihre Rehabilitierung und Wiedereinstellung an. Beim Gütetermin vor Gericht gibt keine Einigung.

Ende Dezember 2023: Oberbürgermeister Andreas Bausewein beruft Carola Hettstedt zur neuen Gleichstellungsbeauftragten. Diese soll das Amt zusätzlich zu ihrer Position als kommunale Beauftragte für Menschen mit Behinderungen bekleiden.

2024

4. Januar 2024: Der Bericht der Berliner Anwaltskanzlei wird der Erfurter Stadtverwaltung vorgelegt. Es geht um mehrere Fälle sexueller Belästigung und Machtmissbrauchs der letzten Jahre. Auch mehrere Fälle schwerer finanzieller Unstimmigkeiten.

17. Januar 2024: Der Werksausschuss des Theaters erhält Einsicht in den Bericht. Katja Maurer (Linke) fordert Bausewein auf, Montavon aufgrund der Schwere und Zahl der im Bericht dargelegten Fälle zu beurlauben. Stadträte äußern ihr Entsetzen über den Bericht.

Kommentare zum Thema

18. Januar 2024: Generalindendant Guy Montavon wird freigestellt.

26. Januar 2024: Generalindendant Guy Montavons Freistellung wird durch den Oberbürgermeister wieder aufgehoben. Am 31. Januar soll eine Sondersitzung des Stadtrats eine Entscheidung im Fall Montavon bringen.

31. Januar 2024: Der Stadtrat lehnt Deal mit Montavon ab. Der bisherige stellvertretende Generalintendant Malte Wasem und eine bisherige Mitarbeiterin der Erfurter Stadtwerke sollen stattdessen die Werkleitung übernehmen, wie Kulturdezernent Tobias Knoblich nach der Sitzung sagte. Die zweite bisherige Werkleiterin, Verwaltungsdirektorin Angela Klepp-Pallas, hatte laut Stadt zuvor bereits einer Abberufung zugestimmt. Sie soll einen neuen Posten in der Stadtverwaltung erhalten. Der Stadtrat lehnte zudem einen Aufhebungsvertrag ab, den die Stadt zuvor mit dem Generalintendanten Guy Montavon verhandelt hatte. Stattdessen solle Montavon laut Stadtratsbeschluss zunächst freigestellt bleiben und ein weiterer Aufhebungsvertrag mit anderen Bedingungen verhandelt werden. 

12. April 2024: Das Arbeitsgericht, wo Witzmanns Klage gegen ihre Entlassung am Freitag, den 12. April, zum ersten Mal verhandelt wurde, vertagte die Entscheidung auf den 12. Juni. Zugleich regte Richterin Hofmann an, eine gütliche Einigung in Erwägung zu ziehen. Das hatten Witzmann und ihre Anwälte bislang abgelehnt.

31. Juli 2024: Erfurter Stadtrat macht Weg frei für Kündigung des Generalintendanten Guy Montavon.

6. September 2024: Der angesetzte Termin vor dem Arbeitsgericht wurde aufgehoben, keine Gründe genannt.

16. September 2024: Bei der 28. Bundeskonferenz der kommunalen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten Deutschlands wurde Witzmann für ihre Arbeit vor den versammelten Kongressteilnehmerinnen und -teilnehmern, darunter Bundesministerin Lisa Paus (Grüne), der besondere Respekt ausgesprochen.

25. September 2024: Der Personalrat der Landeshauptstadt Erfurt hat einer Wiedereinstellung der ehemaligen Gleichstellungsbeauftragten Mary-Ellen Witzmann nicht zugestimmt.

27.September: Der Vergleichsentwurf war bereits dem Arbeitsgericht vorgelegt worden. Dieses hatte am 3. September entschieden, dass der Rechtsstreit mit dem vorgelegten Vergleich beendet wäre. Bis zum 27. September gilt allerdings die Widerspruchsfrist, die OB Horn nun wahrnehmen muss. Andreas Horn dazu: „Leider konnte sich die Personalvertretung dem Ergebnis unseres angestrebten Vergleiches nicht anschließen. Den Vergleich zu vereinbaren, war kein leichter Weg. Umso mehr bedauere ich die Entscheidung, werde diese jedoch respektieren.“

Auch interessant

6. November 2024: Eine große Mehrheit der Stadtratsmitglieder will sich damit nicht abfinden und kritisiert die Entscheidung der Personalvertretung scharf. In einer Aktuellen Stunde zu Beginn der jüngsten Stadtratssitzung am Mittwochabend machten die Abgeordneten ihrem Ärger Luft.

18. November 2024: Es wird bekannt, dass der Termin für den Arbeitsgerichtsprozess frühestens im April 2025 ansteht.

2025

Auch interessant

24. März 2025: Im Arbeitsgerichtsfall des früheren Generalintendanten des Theaters Erfurt, Guy Montavon, muss das Bundesarbeitsgericht über die Zuständigkeit entscheiden. Dies teilt das Arbeitsgericht in einer kurzen Erklärung mit. Hintergrund sind die unterschiedlichen Auffassungen der Stadt Erfurt und jene von Montavon, ob das Arbeitsgericht Erfurt oder das Landgericht für die Verhandlung der Klage Montavons zuständig ist. Der Ex-Theaterchef wehrt sich gegen drei außerordentliche Kündigungen.

3. April 2025: Die Stadt hat parallel zu den laufenden Gerichtsverfahren neue Vergleichsverhandlungen begonnen. Darüber soll der seit März für das Theater zuständige Dezernent Steffen Linnert (SPD) am Mittwochabend in nicht-öffentlicher Sitzung den Theater-Ausschuss des Stadtrates informiert haben. Der Stadtrat hatte im Vorjahr einen noch unter dem damaligen Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) ausgehandelten Vergleich abgelehnt, der den im Januar 2024 als Generalintendanten abberufenen Guy Montavon 450.000 Euro zugesprochen hätte. In die neue Verhandlungsrunde soll die Stadt Erfurt nach Informationen unserer Zeitung mit rund 200.000 Euro eingestiegen sein. Montavon soll um die 900.000 Euro fordern.

Mehr zu den neuesten Entwicklungen in der Theater-Affäre

Dokumentiert von Kathleen Kröger

red