Nur auf den ersten Blick ist alles wie immer an einem warmen Freitagabend in der Erfurter Innenstadt: Die Straßen, Kneipen und Restaurants sind proppevoll. Touristen schieben sich durch die Stadt, vorbei an einheimischen Flaneuren. Doch steht manche Tür offen, die sonst geschlossen ist. Einmal im Jahr ist lange Nacht der Museen. Und wer zwölf Monate darauf wartet, weil er sonst keine Zeit findet, der weiß: Es wird anstrengend.

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29 Ausstellungshäuser, Galerien und historische Orte beteiligten sich dieses Jahr an dem Spektakel, das Neugierige zunächst vor schwierige Entscheidungen stellt. So verlockend das Angebot ist, die kompakte Vielfalt der Erfurter Museumslandschaft zu erkunden: Alles schafft niemand. Die Veranstalter versuchen, mit einem Farbschema zu helfen: Sonnengelb, grasgrün, himmelblau oder abendrot sind die Tour-Empfehlungen gekennzeichnet, jeweils mit einem bunten Fahrplan aus Geschichte, Kunst und Natur.

Die Strecken sind immens, der Fahrstuhl zum Petersberg kaputt
Generell gilt: Es gibt einiges an Strecken zurückzulegen. Vom Erinnerungsort Topf & Söhne im Sorbenweg bis zur Ega mit dem Denkort Bücherverbrennung und dem Geburtstag feiernden Gartenbaumuseum, vom Wächterhaus in der Nordhäuser Straße bis zum Petersberg, vom Volkskundemuseum bis zum Benaryspeicher im Brühl, vom Margaretha-Reichardt-Haus in Bischleben ganz zu schweigen. Immerhin fahren Shuttle-Busse und vom Fischmarkt – das ist neu in diesem Jahr – kann die Fahrradrikscha genutzt werden, zumindest zum Fuß des Petersbergs. Der Aufstieg muss aus eigener Kraft bewältigt werden. Ausgerechnet in diesen Tagen ist der Fahrstuhl zum Plateau kaputt.

Neue Ausstellung verknüpft Schauplätze jüdischen Lebens
Dort oben, immerhin, lockt eine Neuheit dieser Museumsnacht. Nach langem Disput sind die städtischen Ausstellungsräume in der Defensionskaserne in Betrieb, „Def:inition“ heißen sie nun, genutzt werden sie zurzeit von Erfurter Künstlern der Ateliegemeinschaft Saline 34. Es riecht noch ein wenig frisch saniert, ein DJ legt auf, es gibt Führungen. Das lockt doch eine große Zahl jüngerer und älterer Kunstinteressierter.
Neu präsentiert sich das Erfurter Welterbe. Die neue Ausstellung „Inter Judeos“ verknüpft die Schauplätze mittelalterlich-jüdischen Lebens, macht sie mit einer Mischung aus Stadtführung, Informationstafeln und Schaustücken erfahrbar. Zur langen Nacht feiert das Konzept Premiere, mit ersten Führungen und einer Party an der Kleinen Synagoge hinter dem Rathaus, wo musiziert und getanzt wird.
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Großes Engagement, gewaltiger Aufwand
Einige Tausend Erfurter und Gäste der Stadt dürften auch dieses Jahr wieder auf abendliche Ausstellungstour gegangen sein. Publikumsmagnet war einmal mehr das Naturkundemuseum, das traditionell einzigartige Einblicke in seine Sammlungsräume und Präparationswerkstätten bot. Viele zusätzliche Führungen leben vom Engagement der Mitarbeiter, nicht nur hier. Der Aufwand für die Museumsnacht ist immens. Deshalb muss es wohl dabei bleiben: Es gibt die lange Nacht nur einmal im Jahr, auch wenn es vor allem im Sommer wünschenswert wäre, wenn neben Kneipen und Restaurants auch die ein oder andere Museumstür abends offen stünde.







