Nur Mut! Welch passender Ausruf. Er begleitete die Künstlerin Eva Bruszis ihr ganzes Leben lang. Mut brauchte es für die Familie 1945 bei der Flucht aus Oberschlesien und beim schwierigen Neuanfang in der Nähe von Eilenburg. Mut brauchte es in den Jahren eines Pädagogik- und eines Grafik-Studiums an verschiedenen DDR‑Hochschulen. Während schwerer Krankheit. Und beim Erproben neuer künstlerischer Themenfelder. Auf der Stelle treten oder immer wieder Neues beginnen? Nur Mut!
Künstlerinnen sollen im Angermuseum mehr Raum erhalten
Wann hat das Angermuseum zum letzten Mal einem Erfurter Künstler eine komplette Etage freigeräumt – abgesehen vom berühmten Friedrich Nerly? Da muss Kuratorin Cornelia Nowak überlegen. Und erst recht, wenn es um Künstlerinnen geht. „Das waren im Lauf der vielen Jahrzehnte vielleicht eine Handvoll.“ Es werde Zeit, den Künstlerinnen größeren Raum einzuräumen, sagt auch die Professorin Elke Anna Werner, die Chefin der Erfurter Kunstmuseen. Das Museum sei sehr froh, dass Eva Bruszis die Einladung angenommen habe, hier auszustellen. Eine Grafikerin von Rang, weit über Thüringen hinaus bekannt.

Sie füllt mühelos die oberste Etage des Hauses mit ihren vielfältigen und sehr unterschiedlichen Werken. Die 150 Arbeiten bilden nur einen Bruchteil dessen ab, was Eva Bruszis, heute 82, im Lauf ihres Lebens geschaffen, gezeichnet, gemalt, gedruckt, gebaut und konstruiert hat. Ein Multitalent, dem Erfurt, wo sie seit 1972 lebt, endlich einen großen Teppich ausrollt. Inklusive eines repräsentativen Katalogs, der Lebens-und künstlerische Positionen abbildet, Weggefährten zu Wort kommen lässt und der auch die Kunstschule am Hügel würdigt, wo Eva Bruszis mehrere Generationen von Kunststudenten unterrichtet hat.
Manche Werke waren Eva Bruszis selbst nicht mehr präsent
Sie selbst ist „unendlich dankbar“ für diese Werkschau. Und sie freut sich, Arbeiten wiederzutreffen, die vor mehr als 50 Jahren entstanden sind und die sie nicht mehr auf dem Schirm hatte. So sind fast naiv gemalte Miniaturen ihrer Kinder zu sehen, Selbstporträts aus DDR-Zeiten, denen die Zweifel im Gesicht stehen. Landschaften, in denen frisch stationierte SS‑20-Raketen den Hintergrund bilden. Fein ziselierte Holzskulpturen und zahlreiche abstrakte Arbeiten, die durch das Zerschneiden, Neu-Zusammenfügen und Bearbeiten früherer Drucke entstanden.
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Wie setzt sich ein Mensch mit Angst, Selbstzweifeln, mit Brüchen, mit Krankheit wie Krebs auseinander? Was machen Fluchterfahrungen mit einer Biografie? Wie bringt man sich an einem neuen Ort ein? Und wie schaut man im Alter auf die gelebten Jahre? All das zeigen die Werke. Eva Bruszis schreibt seit fast 40 Jahren Tagebuch, auch davon erzählt die Ausstellung.
Führungen, Gespräche und Mitmachangebote zur Ausstellung
„Wir möchten Besucher hineinziehen“, sagt Elke Anna Werner. „Ihnen zeigen, wie und wo Kunst entstehen kann. Was künstlerisches Handwerk bedeutet. Und warum wir Kunst als Impuls für ein Miteinander verstehen. Das ist eine sehr wichtige Ausstellung für unser Haus.“ Deshalb gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm, Führungen, Gespräche und Mitmachangebote. Auch zu der Frage, ob Kunst heilen kann.
„Diese Ausstellung ist das größte Dankeschön, das ich je für meine Arbeit bekommen habe“, freut sich Eva Bruszis.
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Die Ausstellung wird am Samstag, 22. August, 16 Uhr, eröffnet und ist bis 10. Januar 2027 zu sehen. Zur Vernissage spielt der Musiker Falk Zenker.






