Ha! Nimm das, Chef! Ich buckel‘ mich nicht mehr krumm. Nein, ich lehne mich jetzt zurück. Schließlich bin ich jetzt reich. Stinkreich sogar! Denn ich steige jetzt in das Erfolgsmodell der High Society auf: Erben.

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Da ist er nun, der langersehnte wohlhabende Onkel, von dem keiner in der Familie mehr etwas weiß. Seit Jahren spekuliere ich auf eine solche Freudenbotschaft. Und nun ist sie da: Ganze 5,2 Millionen US-Dollar vererbt mir jemand mit demselbem Nachnamen, dessen nächster Angehöriger ausgerechnet ich sein soll.

Betrüger wollen Reporter in Gotha um letzten Cent bringen

In Euro sind das bei derzeitigem Wechselkurs 4.769.023,36 Euro. Doch leider ist die umgerechnete Zahl das einzige, was an der Geschichte wahr ist. Pfiffige Betrüger wollen mir nämlich nichts schenken, sondern mich auch noch um meinen letzten Cent bringen.

„Haben Sie meine E-Mail erhalten?“, fragt der Absender der E-Mail, ohne mir auch nur einen guten Tag zu wünschen. Viel mehr als das oben genannte ist nicht enthalten. Der Absender nennt sich schlicht „Isla de Terranova“.

Tobias Leiser Porträt Autorenbild
Tobias Leiser ist Reporter in der Lokalredaktion Gotha.© Archiv | Malte Hahs

Leider ist das nicht der Name einer Kanzlei, bei der ich nachfragen könnte. Dabei handelt es sich lediglich um die spanische Bezeichnung für die kanadische Insel Neufundland. Dass jemals ein Verwandter dorthin ausgewandert ist, wäre mir neu.

Die Hoffnung stirbt in Gotha zuletzt

Nicht neu hingegen ist mir das Internet. Eine schnelle Google-Suche zeigt: Weder die E-Mail-Adresse noch die Internetseite ist echt. So unseriös wie die Nachricht aufgebaut ist, brauche ich diese Bestätigung zwar nicht; in so einem Fall ist es aber ratsam, auf Nummer Sicher zu gehen. Schließlich will ich mir nur ungern rund fünf Millionen Euro durch die Lappen gehen lassen.

Während nun die Freude über den spontanen Geldsegen abklingt, gehe ich im Kopf meinen Stammbaum durch. Nicht, dass ich doch irgendeinen entfernten Verwandten in Kanada hatte. Oder vielleicht taucht doch noch ein reicher Onkel oder eine Tante in Mexiko auf. Das wäre mir auch lieber als Neufundland. Ich gebe die Hoffnung jedenfalls nicht auf.

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