- Ein Brand im April 2024 zerstörte Arnstadts historischen Neutorturm
- Zwei Beschuldigten wurde der Prozess gemacht – so fiel das Urteil aus
- Unser Rückblick zeigt, wie sich die Ereignisse in der Stadt nach dem Feuer überschlugen
Es ist ein düsterer Moment in der Geschichte Arnstadts. Dunkle Rauchschwaden steigen am Morgen des 14. April 2024 aus dem Neutorturm auf. Der Dachstuhl des historischen Baus aus dem 15. Jahrhundert steht in Flammen. Der Anblick sorgt bei den Einwohnern für Entsetzen – ist der Turm doch ein geschichtsträchtiges Wahrzeichen ihrer Stadt. Die Nachricht vom Brand verbreitet sich rasant und findet thüringenweit Eingang in die Medienberichterstattung.
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Wir schauen zurück auf die Nacht des Feuers, geben Einblicke in den Wiederaufbau, erkunden die Pläne zur künftigen Nutzung des Turmes und richten unsere Aufmerksamkeit auch auf den anstehenden Gerichtsprozess, in dem sich zwei Männer wegen Brandstiftung, Sachbeschädigung und der Verwendung verfassungswidriger Kennzeichen verantworten müssen.

Der Neutorturm in Arnstadt steht im Flammen – nicht das einzige Feuer
Kurz nach 8 Uhr am 14. April wird die Arnstädter Feuerwehr über den Brand informiert. Wenige Minuten später sind die ersten Einsatzkräfte vor Ort und beginnen mit den Löscharbeiten. Die Feuerwehren Rudisleben, Ichtershausen und Marlishausen rücken zur Verstärkung an, zeitweise sind 55 Feuerwehrleute im Einsatz. Nach einer guten halben Stunde brennt der Turm kontrolliert ab.

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Es ist nicht der einzige Brand an diesem Sonntag in der historischen Altstadt. Laut Polizei hatte es im Bereich Neutorturm und Hohe Mauer in der Nacht vor dem Feuer bereits andere Brände gegeben. Zudem wird an der Stadtmauer in der Nähe des Turms eine Schmiererei mit rechtsradikalem Hintergrund entdeckt.
Nicht mehr zu retten: Die Turmspitze kracht in die Tiefe
Gegen 10 Uhr kracht die Turmspitze in die Tiefe. Unterstützt von zwei Spezialkränen und vom Technischen Hilfswerk versucht die Höhenrettung Großbreitenbach die Reste des Turmdaches und der Kuppel abzutragen. Doch die Konstruktion ist instabil und stürzt ebenfalls ab. Nach Ende der Löscharbeiten kommen Wärmebildkameras und eine Drohne zum Einsatz, um sicherzustellen, dass es keine versteckten Glutnester im Turm mehr gibt. Unter dem Dachstuhl liegende Räume und angrenzende Häuser bleiben vom Feuer verschont.

Noch am Tag des Brandes wird die Wohnung eines 24-jährigen Tatverdächtigen aus Arnstadt durchsucht. Eine Sammelaktion auf dem Marktplatz hat unterdessen schon mehrere Hundert Euro an Spenden für den Wiederaufbau des Neutorturmes eingeworben. Auch in den sozialen Netzwerken wird rege diskutiert, wie Spendenaktionen auf die Beine gestellt werden können.
Rettung: Provisorische Plane soll das Gemäuer vor Nässe schützen
Bauhofmitarbeiter stellen am Montag, 15. April, große Bauzäune rund um den Neutorturm auf. Der Bereich ist für Fahrzeuge, Fußgänger und Radfahrer gesperrt. Die Stadt hat ein Spendenkonto für den Wiederaufbau eingerichtet. Bis dato sind 2000 Euro von Bürgern und Unternehmen aus der Region eingegangen.

Währenddessen beginnt die Notsicherung des Turmes. Im Laufe des Montags wird eine provisorische Plane auf die Turmdecke aufgebracht, der eine temporäre Dachkonstruktion folgen wird. Sie soll sicherstellen, dass der Turm be- und entlüftet wird, damit die mit Löschwasser durchfeuchteten Mauern vor dem eigentlichen Wiederaufbau austrocknen können.
Auch Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) besucht Arnstadt und sichert Bürgermeister Frank Spilling (parteilos) zu, dass der Turm mit Unterstützung des Landes wieder aufgebaut wird. Der Bürgermeister hat zudem eine Taskforce ins Leben gerufen, um den Wiederaufbau zu koordinieren.
Verbot von Feuerwerk in der Altstadt im Gespräch
Drei Tage nach dem Brand sind rund 8000 Euro auf dem städtischen Spendenkonto eingegangen. Parallel dazu laufen viele weitere Spendenaktionen. Zudem soll im Stadtrat diskutiert werden, ob ein Verbot für Feuerwerk im Gebiet der Altstadt sinnvoll wäre, um die empfindlichen Baudenkmäler vor weiteren Bränden zu schützen.

Etwa eine Woche nach dem Unglück gibt es gute Nachrichten: Die Statik des Turmes hat nicht gelitten. Zur Ermittlung der Schadenshöhe werden alte Baupläne eingesehen. Letztendlich wird der durch den Brand entstandene Sachschaden mit 500.000 Euro beziffert.
Am 22. April beginnt mit der Einrüstung des Neutorturmes die Phase des Wiederaufbaus. Auch werden Schuttteile vom Plateau beräumt und mit der Brandsanierung und Brandreinigung begonnen. Zur Entfernung der Restnässe werden Raumtrockner und Raumentfeuchter eingesetzt.
Vogel-Präparate kommen im Naturkundemuseum Gera unter
Vorab wird jedoch die ornithologische Sammlung ausgeräumt, denn seit mehr als 50 Jahren ist der Neutorturm Heimstatt der örtlichen Fachgruppe Ornithologie und Vogelschutz. Viele Präparate haben Wasserschäden. Sie werden im Naturkundemuseum Gera getrocknet, gereinigt und vorübergehend verwahrt. Auch Turmknopf, Wetterfahne und Zeitkapsel können gesichert werden.

Die Spendenbereitschaft ist weiterhin groß. So kommen bei einem Benefizkonzert am 13. Mai in der Bachkirche, das Stadt und Landkreis gemeinsam mit der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde, der katholischen Kirchengemeinde und der Kreismusikschule veranstalten, knapp 3500 Euro zusammen.
Ab Mitte Mai können Fußgänger die Neutorgasse dank eines 50 Meter langen Fußgängertunnels wieder sicher passieren. Für den Autoverkehr bleibt der Bereich weiter gesperrt. Die Staatsanwaltschaft Erfurt ermittelt währenddessen gegen fünf Tatverdächtige. Anfang Juli wird ein 24-Jähriger vorläufig festgenommen. Auf dem Spendenkonto der Stadt sind rund 90.000 Euro eingegangen.
Turm soll künftig für Besucher geöffnet werden
Mitte Juli wird das Notdach zur vorläufigen Belüftung des Neutorturmes installiert. Die Kosten für die Dachkonstruktion mit Montage liegen bei 16.500 Euro. Im Laufe des Sommers wird außerdem ein neues Nutzungskonzept erarbeitet, mit dem der Turm künftig für Besucher geöffnet werden kann.

Mittlerweile ist das Gerüst am Turm abgebaut und sämtliche durch Löschwasser durchnässte Bauteile entfernt. Eine Spezialfirma hat die Brandspuren, den Ruß sowie den unangenehmen Geruch beseitigt, wodurch der Turm wieder in einen stabileren Zustand versetzt wurde. Die Brandsanierung im Inneren ist vollständig abgeschlossen. Eine Durchfahrt oder Öffnung des Turmes ist aber weiterhin nicht möglich. Bisher belaufen sich die Kosten der Sanierung nach Angaben der Stadtverwaltung auf 190.000 Euro. Die Spendensumme liegt bei mehr als 100.000 Euro.
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Es mag wie ein schlechter Scherz klingen, dass auf dem Neutorturm bis Ende des 19. Jahrhunderts der Feuerwächter von Arnstadt stationiert war und der Turm nun Opfer von Brandstiftern wurde. Gegen insgesamt sechs Männer wurde ermittelt, zwei von ihnen müssen sich vor dem Amtsgericht Arnstadt verantworten. Ein 24-Jähriger ist wegen Brandstiftung angeklagt, ein 38-Jähriger unter anderem wegen Sachbeschädigung und Verwendung verfassungswidriger Kennzeichen.

„Jede Beschädigung städtischen Eigentums wird durch die Stadtverwaltung verfolgt. Dies gilt erst recht für die Zerstörung eines der Wahrzeichen der Stadt“, macht ein Sprecher der Stadtverwaltung deutlich und ergänzt. „Dass es den Ermittlungsbehörden im Fall des Neutorturms gelungen ist, Tatverdächtige festzustellen und ein Prozess stattfinden kann, ist bereits ein Erfolg und gleichzeitig ein wichtiges Zeichen an die Bürgerinnen und Bürger, die über ihre Spendenbereitschaft in beeindruckender Weise ihre Unterstützung zum Ausdruck gebracht haben.“
Zum Prozessauftakt wird geleugnet
Ende Oktober 2024 begann am Amtsgericht der Prozess gegen zwei 24 und 38 Jahre alte Männer. Dem Jüngeren werden Brandstiftung, Verwendung verfassungswidriger Kennzeichen, Nötigung und vorsätzliche Körperverletzung vorgeworfen. Gegen den Älteren wird wegen Verwendung verfassungswidriger Kennzeichen, Sachbeschädigung und Missbrauch von Notrufen verhandelt.
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Der 24-Jährige leugnet, an der Brandstiftung beteiligt gewesen zu sein, und beschuldigt einen Bekannten. Mehrere Zeugen widersprechen dieser Darstellung, machen aber teils widersprüchliche Angaben. Der Haftbefehl gegen den 24-Jährigen wird aufgehoben. Der Prozess ging im November weiter. Der Ausgang enttäuscht jedoch: Die Brandstiftung ist den Beschuldigten nicht nachzuweisen, verurteilt werden sie wegen anderer Delikte.









