Vom Zahnarzt-Stuhl auf die Opernbühne. Diesen Schritt muss man sich erst mal wagen. Stefan Vogt verfügt über den Mut. Und den Arzt aus Nordhausen trennt jetzt nur noch eine Woche von seiner großen Premiere.

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Schuld ist ein Nachbar. Ausgerechnet Operndirektor Benjamin Prins wohnt im selben Haus wie Stefan Vogt. Die beiden haben Freundschaft geschlossen. Und der Kunstschaffende lockt den Arzt ins Theater.

Die erste Produktion, in die Prins seinen Nachbarn führt, ist Mozarts Don Giovanni. Vogt ist begeistert. Er hat Blut geleckt. Jetzt gibt es kein Halten mehr. Fortan besucht er regelmäßig das Theater in Nordhausen. Vor allem bei den Inszenierungen von Prins sitzt er im Publikum, aber auch bei den Ballett-Aufführungen.

Der spontanen Zusage folgen wochenlange Proben

Daheim lauscht Vogt ebenso gern guter Musik. Dort sind es aber eher die Beatles oder Rolling Stones. Mit dem „Opernvirus“ infiziert ihn erst Prins.

Und dann kommt der Moment, der ganz neue Welten öffnet. Der Operndirektor fragt den Zahnarzt für Kieferorthopädie, ob er Lust hat, auch mal in einer Produktion mitzuwirken. Stefan Vogt zögert nicht und sagt zu.

Es folgen wochenlange Proben. Vogt packt es. Und es ist wieder Mozart. In dessen Oper Idomeneo schlüpft Vogt in die Rolle des Arbace, der ein Vertrauter des Königs Idomeneo ist. Arbace ist der Einzige, den Idomeneo in die verzwickte politische Situation einweiht und dessen Rat er befolgt.

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Gemeinsam mit Julia Ermakova (als Elektra) steht Stefan Vogt  in der Arbace-Rolle auf der Bühne.© Julia Lormis

Wenn es einen Superstar der klassischen Musik gibt, dann ist es Wolfgang Amadeus Mozart. Seine „Zauberflöte“ kennt jeder, der schon mal ein Theater von innen gesehen hat. Aber Mozart hat noch andere geniale Werke komponiert und mit „Idomeneo“ der Welt eine der aufregendsten Opern geschenkt.

Die Story ist aktuell und hochspannend – eigentlich ein Krimi und radikal gesellschaftspolitisch. Vier Figuren und deren Leidensgeschichten bestimmen die Handlung. Das ist die titeltragende Figur Idomeneo, der aus dem Krieg gegen die Trojaner heimkehrende König von Kreta (in Nordhausen verkörpert von Kyounghan Seo), sein Sohn Idamante (Annika Westlund), die auf Kreta gefangene trojanische Prinzessin Ilia (Yuval Oren) sowie Elektra (Julia Ermakova), die Tochter des griechischen Königs Agamemnon und Asylantin auf Kreta.

Der Mensch ist des Menschen größter Feind

Im historischen Kontext werden gegenwartsnahe Konflikte beschrieben: Kriegstraumata über Generationen hinweg, eine komplizierte Vater-Sohn Beziehung, eine Natur, die sich an den Menschen rächt, sowie Selbstentfremdung und Abhängigkeiten von Macht und Gewalt treiben die Handlung voran. Es geht um Vergebung, um Hoffnung und das Ringen um Menschlichkeit.

Der Mensch, nicht eine Religion oder eine Weltanschauung, ist des Menschen größter Feind. So lautet das Fazit dieser Mozart-Oper.

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Stefan Vogt ist voller Eifer bei den Theaterproben.© Renate Liedtke

Regisseur Benjamin Prins katapultiert die Geschichte ins Heute. Aber „mit dem Geschmack des antiken Griechenlands auf der Zunge“, meint Kostümbildnerin Birte Wallbaum, deren Figurinen dies widerspiegeln. Im Bühnenbild von Wolfgang Kurima Rauschning wird es eine krasse Mischung aus Antik und Heute geben: Theatrale Barockmaschinerie trifft auf moderne Videotechnik.

Prins‘ Fassung ist exklusiv nur in Nordhausen zu erleben

Die Sprechrolle des Erzählers hat Prins extra eingeführt, um die Handlung kurz, knackig und gut verständlich zu machen. Diese Fassung ist exklusiv nur in Nordhausen zu erleben. In der Funktion des Erzählers wird Thomas Kohl als Dreh- und Angelpunkt das Geschehen zusammenhalten.

Am Freitag, 24. Januar, feiert die Oper ihre Premiere im Theater-Anbau. Stefan Vogt blickt dieser besonders angespannt entgegen. Diese Aufführung wird sein Bühnendebüt.

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