Der Strukturwandel ist auch in der Tourismusbranche spürbar. Die Welt ist digital. Aber der Faktor Mensch bleibt wichtig. In dem Punkt ist sich Steffen Hahnemann (58) aus Niedersachswerfen ganz sicher. Seit 35 Jahren behauptet er sich als Unternehmer auf diesem hart umkämpften Markt. Mit „Harztor Reisen“ hat er sich einen Namen gemacht.

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Trotz starker Konkurrenz durch Reiseportale im Internet: Viele Südharzer bevorzugen die kompetente Beratung hiesiger Ansprechpartner. „Online-Anbieter locken mit Preisen, aber unser Mehrwert ist der Service“, betont Steffen Hahnemann. Nicht jedes Schnäppchen ist risikofrei. Die Fallstricke sind oft unsichtbar. Aber geschulte Mitarbeiter eines Reisebüros kennen alle Tücken und sind versierte Problemlöser. Kein Kunde wird in misslichen Situationen alleingelassen. „Wir kümmern uns um alles.“
Mit dieser Einsatzbereitschaft – gepaart mit Fleiß und Zuverlässigkeit – hat Steffen Hahnemann seinen bisherigen Weg gemeistert. Schon jetzt ist es ein Lebenswerk, das sich sehen lassen kann. So abenteuerlich seine Anfänge aus heutiger Sicht wirken, sind sie dennoch das solide Fundament einer beeindruckenden Erfolgsgeschichte.
Ein Maschinenbau-Ingenieur ohne berufliche Perspektive
Als die DDR im Sterben liegt, gerät auch die Berufswelt aus den Fugen. Steffen bekommt es 1990 zu spüren. An der Ingenieurschule für Landtechnik in Nordhausen beendet er sein Maschinenbau-Studium. Doch als Frischling stehen ihm hier in den wankenden Betrieben keine Türen mehr offen. Er könnte seine Chance im Westen suchen – in München oder Stuttgart. Aber wenn alle gehen: Was wird dann aus unserer Heimat? Steffen will bleiben.
Er versucht sich als Lehrer für Polytechnik und findet Gefallen an dem Job. Doch am Horizont zeichnen sich die Umbrüche schon ab. Der Arbeitsplatz ist ein Schleudersitz.
Steffen ergreift die Flucht nach vorn und wagt den Schritt in die Selbstständigkeit. Die ersten Goldgräber aus dem Westen sind schon da. „Wir dürfen denen nicht alles überlassen und müssen uns auch was aufbauen“, denkt sich Steffen. Er hat viele Ideen – vom Wohnwagen-Vermieter bis zum Reifencenter.
Im Taxi-Gewerbe sieht er großes wirtschaftliches Potenzial. Die frisch gewonnene Reisefreiheit kurbelt den Markt an. Steffens erster Fuhrpark ist sein Wartburg (Baujahr 1971) und ein VW-Bus, den er sich schon vor der Währungsunion für Westgeld kaufen kann – dank eines Kredits, der ihm bei der Deutschen Bank in Niedersachsen gewährt wird.
Ohne Arlett Plaschke ist das Reisebüro nicht mehr vorstellbar
Der Wartburg wird sein erstes Taxi. Mit dem Kleinbus bietet er Harzrundfahrten an sowie Ausflüge in Freizeitparks oder auf den Hamburger Fischmarkt. Sein Gewerbe betreibt er in den ersten zwei Jahren ohne eigenes Telefon. Die Zelle im Postamt ist sein Stützpunkt.
Sein Mut wird belohnt. Das Geschäft läuft gut. Der nächste Schritt ist das Reisebüro, das er 1992 an der Nordhäuser Straße in Niedersachswerfen eröffnet. Bereits fünf Jahre später folgt der Neubau und damit der Wechsel auf die andere Straßenseite, wo er noch heute zu finden ist.
Parallel führt Steffen seine beiden Unternehmen. Im Taxi-Betrieb beschäftigt er acht Fahrer. Sein Fuhrpark wächst auf fünf Kleinbusse an. Starke Säulen tragen sein Geschäft. Da ist die mehr als 25-jährige Kooperation mit Brauer-Reisen, für die er den Haustür-Transfer übernimmt. Krankentransporte zählen gleichfalls zum Alltag. Und er unterstützt das ÖPNV-Angebot der Nordhäuser Verkehrsbetriebe mit Linienfahrten nach Ellrich oder Benneckenstein.

Stolz ist Steffen auch auf sein Reisebüro. Dessen gute Seele ist Arlett Plaschke, die aus Ellrich stammt. „Sie hat das Büro zu dem gemacht, was es heute ist“, sagt Steffen. Als Arlett vor einem Vierteljahrhundert erstmals an die Tür klopft, ahnt noch niemand, wie schicksalhaft diese Begegnung ist. Ihre Lehrzeit zur Reiseverkehrskauffrau beginnt Arlett 2001. Vom ersten Tag an ist sie mit Herzblut dabei. Zahllos sind die Kunden, die ihre Kompetenz zu schätzen wissen.
Als bewährtes Team überstehen Arlett und Steffen ihre größte Krise: die Corona-Pandemie. „Eine harte Zeit“, blickt Steffen zurück. Auch nach dem Lockdown, weil der für ein Reisebüro so wertvolle Vorlauf verschwunden ist. „Aber wir haben es geschafft, uns aus dem Tal wieder nach oben zu kämpfen.“
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Weitere gute Jahre sollen folgen. Und auch die Zukunft ist vielversprechend. Denn mit Sohn Albert ist die nächste Generation schon in Sicht. „Er ist in diesem Reisebüro groß geworden“, sagt Papa Steffen. „Bei ihm wird es einmal in guten Händen liegen.“




