„Wir haben die Ergebnisse vom Zukunftsatlas der Prognos AG erhalten und sie im Vorstand analysiert“, berichtet Niels Neu, Chef des Nordthüringer Unternehmerverbandes (NUV). Dieser Atlas ermittelt die Zukunftschancen und -risiken aller 400 Kreise und kreisfreien Städte in Deutschland. Seit 2004 wird alle drei Jahre die Zukunftsfestigkeit anhand ausgewählter vergleichbarer Indikatoren bewertet und in einem Ranking dargestellt. Erfreut sei der NUV einzig und allein über die begonnene und öffentlich geführte Diskussion, die aber an den kommunalen Spitzen bislang scheinbar vorbeigegangen sei, meint Neu.

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Aus Sicht der Wirtschaft sei es aber gerade Aufgabe der öffentlichen Verwaltung und der Politik, auch die der kommunalen Ebene, die Rahmenbedingungen für eine wirtschaftliche Entwicklung zu schaffen und ständig auszubauen. Enttäuschend ist aus Sicht des NUV-Vorstandes, dass die Existenz einer Hochschule in Nordhausen überhaupt keine Auswirkungen auf die Wirtschaftskraft der Region habe, obwohl ein Hochschulstandort oder andere Forschungseinrichtungen laut Prognos starken Einfluss auf ein positives Ranking haben sollten.

Nach der aktuellen Auswertung belegt der Kreis Nordhausen den Platz 396 (von 400) und erreicht somit den letzten Platz alle drei Nordthüringer Landkreise. Für den NUV-Vorstand ist die „Zeit der Wohlfühlmeldungen“ nun endgültig vorbei.

Der NUV erwartet eine Fehler-Analyse in den entsprechenden Gremien der kommunalen Verwaltung und Politik. Zum Beispiel im Nordhäuser Rathaus und im Stadtrat. Der Status eines Oberzentrums scheine für den gesamten Landkreis nicht wie ein Motor zu wirken, sondern hänge wie eine Bleikugel am „Bein des Landkreises“.

Die politische Stadtspitze muss für neue Impulse sorgen

Noch ärgerlicher sei aus Sicht des NUV die Tatsache, dass sich am Gesamteindruck, die die Rathaus-Politik vermittelt, in den zurückliegenden Jahren nichts geändert hat. „Hier fordern wir endlich personelle Konsequenzen im Stadtentwicklungsamt, das auch schon mal den Titel Amt für Zukunftsfragen trug. Seit der Wende sind in diesem Amt die gleichen Personen verantwortlich, und aus unserer Sicht sollten hier Veränderungen erfolgen, um neue Impulse zu generieren. Verantwortlich hierfür sind der Oberbürgermeister und die Bürgermeisterin gleichermaßen“, betont Niels Neu.

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Hier sei aber auch der Stadtrat gefragt, der neue und vor allem machbare Konzepte von der Verwaltung einfordern muss und sich nicht jährlich mit teuren Entwicklungskonzepten, die nachweislich nicht erfolgreich gewirkt haben, beschäftigen lässt.

Es sei kein Spielraum mehr für politische Schönredereien vorhanden, meint Neu. „Die bisherigen Versuche, das Fachkräfteproblem auch nur annähernd in den Griff zu bekommen, sind gescheitert.“ Der NUV betont: Die Nordhäuser Region braucht „qualifizierte Fachkräfte und keine Einwanderung in die sozialen Systeme ohne Gegenleistung“. Niels Neu unterstreicht: „Wir sollten uns in unseren Bemühungen auf jene Länder konzentrieren, die einen annähernd gleichen Kulturkreis und annähernd gleiche Vorstellungen von geregelter Arbeit an sich besitzen und mit uns auch teilen.“ Seiner Meinung nach haben die Syrer-Klasse im Autohaus Peter oder die Marokkaner im Hotel Fürstenhof der Wirtschaft Kraft gekostet, aber im Ergebnis nicht den gewünschten Erfolg gebracht.

Niels Neu sieht aber auch selbstkritisch den Wirtschaftsverband in der Pflicht. Die Zeit des diplomatischen Umgangs mit der Politik ist vorbei. Da werde zum Beispiel die Wiedereröffnung einer öffentlichen Toilette wie eine Firmenansiedlung gefeiert, während in der Stadt 50 Mitarbeiter eines Unternehmens ihre Kündigung erhalten.

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Der NUV fordert verstärkte Bemühungen um eine Großansiedlung in der Goldenen Aue. Hier sei der Unternehmerverband in den zurückliegenden Jahren vor allem von der lokalen Politik, aber auch von der Landespolitik allein gelassen worden. red