Die Nacht zuvor ist beinahe schlaflos. Die letzten Stunden vor dem historischen Festumzug sind qualvoll. Denn Christel Kondziella ist sehr aufgeregt. Hinter ihr liegen acht Monate Vorbereitung. Dieser Umzug soll ein Höhepunkt der 1075-Jahr-Feier in Sülzhayn werden. Die Messlatte liegt hoch.

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Sonnabend, 12.08 Uhr. Der letzte Wagen rollt am Haus des Gastes vorbei. Und es scheint, als lache nicht nur die Sonne. Alle Anwesenden – ob Besucher, Zaungäste, Beteiligte oder Organisatoren – schauen glücklich aus. Dieser Umzug ist eine Wucht. Der dürfte allen in bester Erinnerung bleiben.

Die Pfefferländer haben nicht zu viel versprochen. Das ganze Dorf ist auf den Beinen. Sämtliche Vereine wirken mit. Der Umzug zeigt Sülzhayn in allen Facetten: von jung bis alt, von sportlich bis musikalisch, von historisch bis derzeitig. Rund 100 Teilnehmer gestalten ihn und präsentieren 30 Themen.

Günter Michael Tesch blickt zufrieden auf das Geschehen. Der 76-Jährige wohnt an der Dr.-Kremser-Straße – in einem Haus, das 1824 erbaut worden ist. „Damals floss hier noch die Sülze“, zeigt der Senior auf die Straße. Das Haus seiner Vorfahren bewohnt er in vierter Generation. Selbstverständlich hat er es festlich geschmückt und auf einem riesigen Plakat sogar die Geschichte seines Bauwerkes dargestellt.

Sülzhayn atmet an diesem Sonnabend viel Historie aus. So sehenswert und informativ kann Heimatkunde sein. Schon 350 nach Christus sollen die Germanen durch das Tal der Sülze gezogen sein. Im Jahre 950 lassen sich die ersten Siedler nieder. Das ist Sülzhayns Geburtsstunde. Aus der resultiert die 1075-Jahr-Feier.
Der Festumzug zeigt alles, was das Dorf geprägt hat. Vom Bergbau bis zum Handwerk.
Heimatliebe und Lebensfreude: 30 Bilder vom historischen Festumzug in Sülzhayn
Als der Kurbetrieb 1898 beginnt, gewinnt Sülzhayn eine Strahlkraft, die weit über die Grenzen des Harzes reicht. Vor allem für lungenkranke Menschen ist das Dorf fortan ein Ort der Hoffnung und Genesung. Die Spuren dieser Vergangenheit sind hier bis heute zu finden.

Das Miteinander im Dorf haben stets Vereine verstärkt und untermauert. Deshalb spielen sie auch zum Jubiläum eine wichtige Rolle: ob Schützen, Karnevalisten, Taubenzüchter oder Sportler.

Die gute Laune der Jecken ist nicht nur mit Jubiläumsgefühlen zu erklären – denn hier wird schon seit 1965 Karneval gefeiert. Nein, es gibt auch gute Nachrichten für die Zukunft: Die Narren dürfen sich und ihr Publikum ab kommender Saison in der Mehrzweckhalle vergnügen (und nicht mehr im Haus des Gastes) – mit neuer Bühne. Die Vorfreude ist bereits spürbar.
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Der historische Festumzug ist rundum gelungen. Die Augen von Bürgermeisterin Inga Kalbitz strahlen mit der Sonne um die Wette. Auch Johanna Stosiek vom Festkomitee lacht herzergreifend. Und Christel Kondziella atmet hörbar auf: „Geschafft!“ Sie freut sich enorm und betont zugleich: „Das war eine großartige Teamarbeit.“ Ja – so ist Sülzhayn.
































