Die Nacht zuvor ist beinahe schlaflos. Die letzten Stunden vor dem historischen Festumzug sind qualvoll. Denn Christel Kondziella ist sehr aufgeregt. Hinter ihr liegen acht Monate Vorbereitung. Dieser Umzug soll ein Höhepunkt der 1075-Jahr-Feier in Sülzhayn werden. Die Messlatte liegt hoch.

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Sonnabend, 12.08 Uhr. Der letzte Wagen rollt am Haus des Gastes vorbei. Und es scheint, als lache nicht nur die Sonne. Alle Anwesenden – ob Besucher, Zaungäste, Beteiligte oder Organisatoren – schauen glücklich aus. Dieser Umzug ist eine Wucht. Der dürfte allen in bester Erinnerung bleiben.

Festumzug Sülzhayn
Weil sich ihre Urahnen einst ein wenig abseits niederließen – dort, wo der Pfeffer wächst –, werden die Sülzhayner heute noch „Pfefferländer“ genannt.© Jens Feuerriegel

Die Pfefferländer haben nicht zu viel versprochen. Das ganze Dorf ist auf den Beinen. Sämtliche Vereine wirken mit. Der Umzug zeigt Sülzhayn in allen Facetten: von jung bis alt, von sportlich bis musikalisch, von historisch bis derzeitig. Rund 100 Teilnehmer gestalten ihn und präsentieren 30 Themen.

Festumzug Sülzhayn
Das ganze Dorf ist geschmückt. Auch Günter Michael Tesch (76) hat sein im Jahr 1824 erbautes Haus festlich dekoriert.© Jens Feuerriegel

Günter Michael Tesch blickt zufrieden auf das Geschehen. Der 76-Jährige wohnt an der Dr.-Kremser-Straße – in einem Haus, das 1824 erbaut worden ist. „Damals floss hier noch die Sülze“, zeigt der Senior auf die Straße. Das Haus seiner Vorfahren bewohnt er in vierter Generation. Selbstverständlich hat er es festlich geschmückt und auf einem riesigen Plakat sogar die Geschichte seines Bauwerkes dargestellt.

Festumzug Sülzhayn
Die Sülzhayner Mädchen waren schon immer hübsch.© Jens Feuerriegel

Sülzhayn atmet an diesem Sonnabend viel Historie aus. So sehenswert und informativ kann Heimatkunde sein. Schon 350 nach Christus sollen die Germanen durch das Tal der Sülze gezogen sein. Im Jahre 950 lassen sich die ersten Siedler nieder. Das ist Sülzhayns Geburtsstunde. Aus der resultiert die 1075-Jahr-Feier.

Der Festumzug zeigt alles, was das Dorf geprägt hat. Vom Bergbau bis zum Handwerk.

Heimatliebe und Lebensfreude: 30 Bilder vom historischen Festumzug in Sülzhayn

Festumzug Sülzhayn
Die Kameraden der freiwilligen Feuerwehr helfen tatkräftig beim Festumzug. Sie sperren die Strecke ab und sorgen für Sicherheit.© Jens Feuerriegel
Festumzug Sülzhayn
Weil sich ihre Urahnen einst ein wenig abseits niederließen – dort, wo der Pfeffer wächst –, werden die Sülzhayner heute noch „Pfefferländer“ genannt.© Jens Feuerriegel
Festumzug Sülzhayn
Das ganze Dorf ist geschmückt. Auch Günter Michael Tesch (76) hat sein im Jahr 1824 erbautes Haus festlich dekoriert.© Jens Feuerriegel
Sülzhayn Festumzug
Der Umzug bietet so manchen Blickfang.© Jens Feuerriegel
Festumzug Sülzhayn
Schon etwa 350 Jahre nach Christus sollen die Germanen durch das Tal der Sülze gezogen sein.© Jens Feuerriegel
Festumzug Sülzhayn
So stellen sich die Sülzhayner die alten Germanen vor.© Jens Feuerriegel
Festumzug Sülzhayn
Im Jahre 950 haben sich auf dem Boden des heutigen Sülzhayns die ersten Siedler niedergelassen.© Archiv | Jens Feuerriegel
Festumzug Sülzhayn
Die Sülzhayner Mädchen waren schon immer hübsch.© Jens Feuerriegel
Festumzug Sülzhayn
Auch König Otto I. und Königin Mathilde lassen sich den Festumzug zur 1075-Jahr-Feier nicht entgehen.© Jens Feuerriegel
Festumzug Sülzhayn
Als sich im 12. Jahrhundert das Kloster Walkenried gegründet hat, sollen Mönche auch im Tal der Sülze gewesen sein.© Jens Feuerriegel
Festumzug Sülzhayn
Für das leibliche Wohl sollen die Klosterbrüder auch schon immer gesorgt haben.© Jens Feuerriegel
Festumzug Sülzhayn
Beste Stimmung herrscht beim Festumzug. © Jens Feuerriegel
Festumzug Sülzhayn
Der Bergbau prägte den Ort im 19. Jahrhundert.© Jens Feuerriegel
Festumzug Sülzhayn
Um 1900 bildete sich in Sülzhayn eine erste bürgerliche Mittelschicht.© Jens Feuerriegel
Festumzug Sülzhayn
Im Jahre 1898 begann in Sülzhayn der Kurbetrieb.© Jens Feuerriegel
Festumzug Sülzhayn
Zur DDR-Nostalgie gehört unbedingt die Gemeindeschwester auf der Schwalbe. Hier ist es nicht Schwester Agnes, sondern Katrin.© Jens Feuerriegel
Sülzhayn Festumzug
Dieses Bild könnte auch vor 40 Jahren entstanden sein: Schwester Katrin auf ihrer Schwalbe, der W 50-Lkw und ein Schulgebäude im Hintergrund.© Jens Feuerriegel
Sülzhayn Festumzug
Diese zwei Jungen in Pionier- und FDJ-Hemd erinnern an die Schulzeit der Sülzhayner in der DDR.© Jens Feuerriegel
Festumzug Sülzhayn
Sülzhayn kann nicht nur heilen, sondern auch feiern. Der Karnevalsverein beweist dies jedes Jahr.© Jens Feuerriegel
Festumzug Sülzhayn
Man sieht's den jungen Damen nicht an: Aber Karneval wird schon seit 1965 in Sülzhayn gefeiert.© Jens Feuerriegel
Festumzug Sülzhayn
Die LPG Rotes Banner wird nicht vergessen.© Jens Feuerriegel
Sülzhayn Festumzug
Vor vielen Jahren wäre eine echte Kuh im Festumzug mitgelaufen. Doch diese Zeiten sind vorbei. Stattdessen muss ein tapferer Statist diesen Part in der Mittagssonne übernehmen. Zumindest seine Begleiter haben ihren Spaß.© Jens Feuerriegel
Sülzhayn Festumzug
Dieser Robur-Bus soll in Sülzhayn einen Kultstatus haben, sagt man.© Jens Feuerriegel
Festumzug Sülzhayn
Sympathische Erinnerung an die Wäscherei Kühnemund.© Funke-Medien Thüringen | Jens Feuerriegel
Sülzhayn Festumzug
Diese Moped-Bande im Umzug sorgt nicht nur für Motorrad-Nostalgie, auch ihre Auspuffgase erinnern an längst verflogene Gerüche.© Jens Feuerriegel
Festumzug Sülzhayn
Selbstverständlich hat Sülzhayn auch einen Sportverein.© Jens Feuerriegel
Festumzug Sülzhayn
Groß und Klein gestalten den eindrucksvollen Umzug.© Jens Feuerriegel
Festumzug Sülzhayn
Bürgermeisterin Inga Kalbitz (links) und Johanna Stosiek vom Festkomitee (rechts) freuen sich auch über den Besuch einiger Lokal- und Regionalpolitiker – wie zum Beispiel die Landtagsabgeordnete Carolin Gerbothe aus Obersachswerfen.© Jens Feuerriegel
Festumzug Sülzhayn
Keine Frage: Sie sind die Zukunft des Dorfes.© Jens Feuerriegel
Sülzhayn Festumzug
Vor dem Haus des Gastes erreicht der Umzug sein Finale.© Jens Feuerriegel

Als der Kurbetrieb 1898 beginnt, gewinnt Sülzhayn eine Strahlkraft, die weit über die Grenzen des Harzes reicht. Vor allem für lungenkranke Menschen ist das Dorf fortan ein Ort der Hoffnung und Genesung. Die Spuren dieser Vergangenheit sind hier bis heute zu finden.

Festumzug Sülzhayn
Bürgermeisterin Inga Kalbitz (links) und Johanna Stosiek (rechts) vom Festkomitee freuten sich auch über den Besuch einiger Lokal- und Regionalpolitiker - wie zum Beispiel die Landtagsabgeordnete Carolin Gerbothe aus Obersachswerfen.© Jens Feuerriegel

Das Miteinander im Dorf haben stets Vereine verstärkt und untermauert. Deshalb spielen sie auch zum Jubiläum eine wichtige Rolle: ob Schützen, Karnevalisten, Taubenzüchter oder Sportler.

Festumzug Sülzhayn
Sülzhayn kann nicht nur heilen, sondern auch feiern. Der Karnevalsverein beweist dies jedes Jahr.© Jens Feuerriegel

Die gute Laune der Jecken ist nicht nur mit Jubiläumsgefühlen zu erklären – denn hier wird schon seit 1965 Karneval gefeiert. Nein, es gibt auch gute Nachrichten für die Zukunft: Die Narren dürfen sich und ihr Publikum ab kommender Saison in der Mehrzweckhalle vergnügen (und nicht mehr im Haus des Gastes) – mit neuer Bühne. Die Vorfreude ist bereits spürbar.

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Der historische Festumzug ist rundum gelungen. Die Augen von Bürgermeisterin Inga Kalbitz strahlen mit der Sonne um die Wette. Auch Johanna Stosiek vom Festkomitee lacht herzergreifend. Und Christel Kondziella atmet hörbar auf: „Geschafft!“ Sie freut sich enorm und betont zugleich: „Das war eine großartige Teamarbeit.“ Ja – so ist Sülzhayn.