Die Pläne der Regionalen Planungsgemeinschaft Nordthüringen, zusätzliche Vorranggebiete für Windkraftanlagen im Kreis Nordhausen auszuweisen, stoßen in der Kreispolitik auf deutliche Kritik. Sowohl die AfD- als auch die CDU-Fraktion im Kreistag Nordhausen haben sich in Stellungnahmen an die Regionale Planungsstelle in Sondershausen dagegen ausgesprochen.
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Während die AfD vor wirtschaftlichen und gesundheitlichen Risiken warnt, fordert die CDU eine stärker an den regionalen Bedarf angepasste und technologieoffene Energiepolitik.
AfD: „Nordthüringen darf keine Industriezone werden“
Die AfD-Fraktion im Kreistag Nordhausen lehnt den weiteren Ausbau der Windenergie entschieden ab. „Unser Landkreis darf nicht zur Industriezone für Windkraftkonzerne werden“, erklärte Fraktionsvorsitzender Jörg Prophet. Die Region lebe von ihrer Kulturlandschaft, dem Tourismus und einer intakten Umwelt. Der Bau neuer Anlagen gefährde laut Prophet genau das, was Nordthüringen lebenswert mache.
„Unser Landkreis darf nicht zur Industriezone für Windkraftkonzerne werden“
Jörg Prophet, AfD
Zudem stellt die AfD die Wirtschaftlichkeit vieler Standorte infrage. Angesichts schwankender Windverhältnisse und hoher Wartungs- sowie Netzkosten sei der Nutzen zweifelhaft. „Diese Anlagen rechnen sich nur mit massiven Subventionen – auf Kosten der Bürgerinnen und Bürger“, so Prophet. Auch die gesundheitlichen Auswirkungen von Lärm, Infraschall und Schattenwurf seien laut Fraktion nicht hinnehmbar.
Faktencheck: Wirtschaftlichkeit, Subventionen und Windkraft
Nach Angaben der Bundesnetzagentur und des Fraunhofer-Instituts sind viele neue Windkraftanlagen inzwischen ohne direkte Subventionen wirtschaftlich. Seit 2017 erfolgt die Förderung über Ausschreibungen mit Marktmechanismen.
Die Windverhältnisse in Nordthüringen gelten laut Deutschem Wetterdienst als mäßig bis gut geeignet – die tatsächliche Rentabilität hängt vom konkreten Standort ab.
Faktencheck: Gesundheitliche Auswirkungen
Laut Umweltbundesamt (UBA) gibt es bislang keine wissenschaftlichen Belege, dass Infraschall von Windkraftanlagen gesundheitsschädlich ist. Hörbarer Lärm und Schattenwurf können jedoch als störend empfunden werden, weshalb gesetzliche Abstands- und Lärmgrenzen gelten.
CDU: „Von Hektar zu Megawatt – weniger Fläche, mehr Leistung“
Auch die CDU-Fraktion lehnt eine Ausweitung der Vorranggebiete im Landkreis Nordhausen ab. Allerdings mit einer differenzierten Begründung. „Wir bekennen uns zu einer sicheren und nachhaltigen Energieversorgung, in der Windkraft ein Bestandteil sein kann – vorausgesetzt, sie findet vor Ort Akzeptanz“, erklärte René Fullmann, Fraktionsvorsitzender der CDU.
Wir unterstützen den Vorschlag der Thüringer Landesregierung, von Flächenzielen auf technologieunabhängige Erzeugungsmengenziele umzusteigen – also von ‚Hektar‘ zu ‚Megawatt‘. Einen weiteren Eingriff in unsere Südharzer Landschaft lehnen wir klar ab.
René Fullmann, CDU
Der Ausbau müsse „technologieoffen und am tatsächlichen regionalen Energiebedarf orientiert“ sein, nicht an pauschalen Flächenvorgaben. Bestehende Vorranggebiete seien laut CDU ausreichend. Statt neuer Flächen setze die Partei auf Repowering – also den Ersatz älterer Windräder durch moderne, leistungsstärkere Anlagen.
„Dadurch kann auf kleinerer Fläche deutlich mehr Energie produziert werden, was Landschaft und Natur schont“, so Fullmann. Als Beispiel nennt er den Windpark Bucha bei Jena, wo acht alte Anlagen durch drei neue ersetzt wurden, die mehr als die dreifache Energieausbeute erzielen. Auch im Windpark Uthleben werde bereits ein Repowering-Projekt umgesetzt.
Faktencheck: Repowering als Alternative
Das Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz (TMUEN) bestätigt, dass Repowering eine zentrale Rolle in der zukünftigen Windkraftplanung spielt. Neue Anlagen liefern oft zwei- bis dreimal mehr Strom bei weniger Flächenverbrauch.
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Politische Fronten bleiben verhärtet
Bereits in der Kreistagssitzung am 16. September hatte die CDU einen Antrag zum Thema eingebracht, der jedoch nur Unterstützung durch die Bürgerliste Südharz fand. AfD und CDU teilen zwar die Ablehnung neuer Flächen, unterscheiden sich aber in der Strategie: Während die AfD grundsätzlich den Ausbau der Windenergie infrage stellt, fordert die CDU eine gezieltere, akzeptanzorientierte Planung und einen Energiemix mit unterschiedlichen Technologien.

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„Ein einseitiger Fokus auf Windkraft widerspricht unserem Ansatz“, fasst Fullmann zusammen. „Zugleich wissen wir, dass eine Rückkehr zu fossilen Energieträgern weder ökologisch noch dauerhaft realistisch ist.“
Hintergrund: Regionale Planungsgemeinschaft Nordthüringen
Die Regionale Planungsgemeinschaft Nordthüringen ist zuständig für die Flächenausweisung von Windvorranggebieten in den Landkreisen Nordhausen, Eichsfeld, Unstrut-Hainich und Kyffhäuserkreis.
Bis 2026 soll ein neuer Regionalplan vorliegen, der den Landeszielen für erneuerbare Energien entspricht.
Vom 1. September bis 3. November 2025 wird die Öffentlichkeit beteiligt, indem der 3. Entwurf des Sachlichen Teilplanes Windenergie Nordthüringen öffentlich einsehbar ist. Gleichzeitig können in dem Zeitraum Stellungnahmen abgegeben werden. Sie werden im Rahmen der Abwägung berücksichtigt.
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