Der Verein VSR-Gewässerschutz hat auf dem Rathausplatz in Nordhausen Brunnenwasseranalysen durchgeführt. 58 Bürger gaben Wasserproben aus ihren Gartenbrunnen am Labormobil ab. „Wir erstellten für jede Probe ein Gutachten zur Nutzungsmöglichkeit des jeweiligen Brunnenwassers. Damit möchten wir dazu beitragen, dass im Garten das oberflächennahe Grundwasser genutzt wird und die Trinkwasservorräte geschont werden“, erklärt Harald Gülzow, der das Projekt koordiniert.

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Inzwischen hat die gemeinnützige Organisation die Nitratergebnisse aus Nordhausen und Umgebung ausgewertet, um die Entwicklung der Nitratbelastung im Grundwasser zu beobachten. Das Ergebnis ist ernüchternd. „Die bisherigen Messwerte zeigen, dass die ständigen Änderungen bei den Düngeregelungen auf den Feldern nicht dazu beigetragen haben, die Nitratbelastung erfolgreich zu reduzieren“, so Harald Gülzow.

Es gibt eine EU-Richtlinie, die nicht umgesetzt wird

Aus Sicht der gemeinnützigen Organisation fehlt eine Planungssicherheit für die Landwirte. Diese ist aber dringend notwendig, damit landwirtschaftliche Betriebe aktiv dazu beitragen, durch eine Kombination von Maßnahmen die Nitratkonzentration im Grundwasser zu verringern.

Die 1991 verabschiedete EU-Nitratrichtlinie besagt, dass die Nitratbelastung von 50 mg/l im Grundwasser nicht überschritten werden darf. Die nationalen Regierungen sind aufgefordert, diese Forderung mittels Gesetzgebung umzusetzen. In Deutschland zeigt sich dem Verein zufolge annähernd keine wirkliche Orientierung auf dieses Ziel hin.

Wir sind fassungslos, wie schlampig die Umsetzung der Nitratrichtlinie angegangen wird.

Harald Gülzow, VSR-Gewässerschutz

Auch hier in der Region sind die negativen Folgen dieser Landwirtschaftspolitik sichtbar. „In jeder fünften Probe aus den privat genutzten Brunnen stellten wir eine Überschreitung von 50 mg/l Nitrat fest“, erklärt Harald Gülzow. Besonders kritisch sieht er die hohen Belastungen in den Gartenbrunnen in Uthleben mit 170 mg/l, in Auleben mit 107 mg/l, in Heringen mit 78 mg/l und in Kleinwechsungen mit 70 mg/l.

Andere Brunnen sind nicht so stark belastet, überschreiten aber trotzdem deutlich den Grenzwert der Nitratrichtlinie. So fand der VSR-Gewässerschutz in Niedersachswerfen 60 mg/l Nitrat und in Nordhausen 58 mg/l.

Der Verein ist besorgt, dass die Belastung nicht sinken wird

Um die Nitratrichtlinie umzusetzen, gehörten viele landwirtschaftlichen Flächen mit hoher Nitratbelastung im Grundwasser von 2022 bis 2025 zu den „Roten Gebieten“ in denen strengere Düngeauflagen galten. Diese Auflagen sind aber aktuell ausgesetzt worden. Der VSR-Gewässerschutz ist besorgt, dass sich die Nitratbelastung in den nächsten Jahren auch nicht verringern wird, weil keine zusätzlichen Maßnahmen in diesen nitratbelasteten Gebieten mehr erfolgen.

„Wir sind fassungslos, wie schlampig die Umsetzung der Nitratrichtlinie angegangen wird“, erklärt Harald Gülzow. Er fordert möglichst schnell eine Nachbesserung. Die Pflicht zum Anbau von Zwischenfrüchten in den „Roten Gebieten“ bewertet er als sehr zielführend. Diese verhindern, dass die übriggebliebenen Stickstoffe bei Regenfällen ins Grundwasser ausgewaschen werden.

Besonders hoch ist die Nitratverlagerung im Winter unter Feldern, die keine Bodenbedeckung aufweisen. Weiterhin darf es im Winter keine Felder ohne Bewuchs geben.

Bürger können sich die Auswertung auf der Homepage vsrgewaesserschutz.de anschauen. Dort erfahren Brunnenbesitzer auch, wie sie bis Ende November eine Wasserprobe zusenden können.

red