Das ging fix. Ohne jede Nachfrage hat Kölledas Stadtrat binnen weniger Minuten die Jahresbilanz 2024 der kommunalen WWG Wohnungswirtschaft Kölleda festgestellt, beschlossen, was mit dem Bilanzgewinn passieren soll sowie erst Geschäftsführerin Christina Otto und dann den Aufsichtsrat (die Mitglieder enthielten sich der Stimme) entlastet. Formsache.

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„Wir sind ein gesundes Unternehmen“, sagt Otto im Nachgang. Schon in der Sitzung hatte sie sich für die (“Egal in welcher Zusammensetzung!“) stets konstruktive und zielführende Zusammenarbeit mit dem Stadtrat bedankt. David Uschmann (CDU) übernahm es, das Lob zu erwidern.
Einige große Projekte und viele kleine Aufgaben
Die Zahlen sprechen für Ottos Einschätzung. Die WWG hat 2024 eine Bilanzsumme von 32.037.747,34 Euro ausgewiesen und einen Bilanzgewinn von 495.432,82 Euro gemacht. Dieser soll, so der Stadtratsbeschluss, auf künftige Rechnungen vorgetragen werden.

Die WWG ist ein Unternehmen der Stadt Kölleda und der Gemeinde Großneuhausen. Sie bewirtschaftet nach eigenen Angaben 729 Wohnungseinheiten.
Zurzeit freut sich Otto, dass das aktuell größte Projekt der WWG, der Umbau des alten Bahnhofs der Stadt Kölleda zu einer Wohnanlage für Menschen mit Autismus-Spektrumsstörung, auf die Zielgerade eingebogen ist. Am 30. September soll das Objekt mit vier Zweier- und vier Einzelwohnungen an den künftigen Betreiber, die Stiftung Finneck, übergeben werden. Am 27. Mai hatten Finneck-Vorständin Silke Kösling sowie Prokurist Kai Vollrath und Christina Otto für die WWG den langjährigen Mietvertrag unterschrieben.
Derzeit werden unter anderem noch die Außenanlagen, der Bahnhofsvorplatz, gestaltet. Vorgesehen sind auch eine Grünanlage, eine Ruheinsel und ein Bouleplatz. „Es wird Zeit, dass das ,Tor zur Stadt`ein ansehnliches Gesicht bekommt“, sagt Otto.

Für das ebenfalls geplante kleine öffentliche Ladencafé, 48 Quadratmeter mit vorgelagerter Terrasse, stehe man gerade in Verhandlungen mit einem interessierten Betreiber.
Fünf Bürgermeister auf dem Cover: Wer ist wer?
Begleitet wird das Bahnhofs- mit einem Buchprojekt. „Das befindet sich gerade in der zweiten Lektoratsphase“, weiß die Geschäftsführerin. Sie konnte den bekannten Karikaturisten Nel (Joan Cozacu) dafür gewinnen, ein besonderes Cover für das Buch zu gestalten. Er setzt das historische Gebäude als Zug auf die Gleise und lässt die letzten fünf Pfefferminzstadt-Bürgermeister wie auf eine Modelleisenbahn draufschauen. Helmut Zirnik, Frank Zweimann, Udo Hoffmann, Lutz Riedel und Uwe Kraneis haben eingewilligt, ihre Konterfeis dafür herzugeben.
Im Buch werden auch per Aufruf eingesammelte Bahnhofsgeschichten Platz finden. Das Projekt scheint einen Nerv getroffen zu haben. „Ich werde ständig danach gefragt“, so Otto.
Wie gut es der WWG wirtschaftlich geht, mag ein Detail illustrieren. Das Unternehmen nimmt am 13. September erstmals am Tag des offenen Gewerbegebiets auf der Kiebitzhöhe teil. Es werde einen eigenen Stand geben, an dem Kinder unter anderem Häuser gestalten könnten. In die Tombola gibt das Unternehmen sogar ein E-Auto als Preis. Es ist allerdings eines in Kindergröße.
Geringer Leerstand trifft Fördernotstand
Die WWG-Immobilien verzeichnen zum 31. Dezember 2024 einen Leerstand von 8,3 Prozent. Bereinigt, also wenn der bewusste Leerzug der für eine Sanierung vorgesehenen Eingänge 30 bis 34 in der Feistkornstraße außer Acht gelassen wird, sind es sogar nur 3,95 Prozent. „Das ist verschwindend wenig“, so Otto.
Wann das Feistkorn-Vorhaben in Angriff genommen werden kann, steht allerdings noch in den Sternen. Derzeit ist es nicht finanzierbar. Geringen Mieteinnahmen stünden immense Kosten und eine quasi nicht vorhandene Förderkulisse gegenüber. Otto: „Ich würde das Projekt gerne noch in den Startlöchern sehen.“
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Vorerst begnügt sich die WWG neben dem Bahnhof mit kleineren Modernisierungsaktivitäten. Vielfach würden zurzeit auf Mieterwunsch oder bei Mieterwechsel die Badewannen durch bodentiefe Duschen ersetzt. Auch erfolge sukzessive die sogenannte „Strangerneuerung“ und der Einbau neuer Reglerstationen, um Einsparpotenziale zu nutzen. Alle WWG-Wohnungen seien inzwischen für einen Glasfaseranschluss vorbereitet. Otto: „Phase 4 ist erfolgt. Die Hausanschlüsse sind da. Jetzt muss sich nur noch jemand finden, der die Kabel in die Straße bringt.“
Mehr Geld für mehr Sanierung
In einem weiteren Beschluss hat der Stadtrat einstimmig einem Nachtrag zu einer Verwaltungsvereinbarung mit dem Abwasserzweckverband „Finne“ zugestimmt. Es geht um die Beteiligung als Straßenbaulastträger an den Sanierungskosten für die Straßen Unter den Linden und Zwirnsgasse. Die Vereinbarung galt zunächst nur für die kleinere Zwirnsgasse. Die im Haushalt 2026 zu planenden Kosten erhöhen sich dadurch von rund 23.000 Euro auf nunmehr 318.778 Euro.





