Helmut Pfahlbusch nimmt den fragenden Blick freundlich auf. Der Mann, zu fit, um als Senior bezeichnet zu werden, lächelt, zeigt auf seinen Bizeps und sagt: „Ich bin nicht hier, um den aufzupumpen wie die Jüngeren. Mir geht es um Gesundheit und Beweglichkeit.“ Der Best-Ager, so nennt man das wohl heute, besucht deswegen ein Fitnessstudio. Er macht das nicht allein. Seine Frau Renate begleitet ihn. Sie kommen dafür extra regelmäßig aus Büchel nach Sömmerda. Renate Pfahlbusch sitzt schon an einem Trainingsgerät, während ihr Mann, ein Handtuch im Nacken, den Raum mit den „Folterinstrumenten“ erst betritt und Trainerin Sabine Jöck mit einem Nicken begrüßt.

Geräte machen es leichter und die Trainerin motiviert

Die Übungsgeräte sind allerdings in diesem Bereich des Studios in der Rheinmetallstraße andere als anderswo in einer „Muckibude“. Sabine Jöck erklärt: „Wir haben uns erweitert, die Fläche fast verdoppelt und unser Angebot in diesem Teil auch gezielt auf die ältere Generation zugeschnitten.“ Jöck ist Studioleiterin und Coach bei der Zierenner Sportbetreuung. Deren neues Angebot richtet sich bewusst an die Generation 50 plus. Nach oben sind altersmäßig keine Grenzen gesetzt. Die demografische Entwicklung betrachtet, sollte das Potenzial haben... Sabine Jöck spricht von der „Goldenen Generation“.

Die Studioleiterin aus Kölleda zeigt sogenannte Bewegungsliegen, die die Aktivitäten ihrer Nutzer unterstützen, Mobilität und Beweglichkeit fördern. Andere Trainingsgeräte, die die Muskulatur stärken, lassen sich, hydraulisch unterstützt, stufenlos regulieren. „Sie sind selbsterklärend, ganz einfach in der Handhabung. Es gibt nur zwei Knöpfe, einer mit einem Plus, der andere mit einem Minus.“

Fitness
Helmut und Renate Pfahlbusch aus Büchel nutzen das Senioren-Fitnessangebot der Zierenner Sportbetreuung in Sömmerda.© Funke Medien Thüringen | Armin Burghardt

Besonders eindrücklich erscheinen die Vakuumtrainer (Unterdruckkabinen). „Die sind gut zur Fettverbrennung, aber auch zur Lymphdrainage oder bei Lipödemen“, sagt Sabine Jöck. Die 42-Jährige hat die Fitnesstrainer-A-Lizenz, arbeitet auch als Personaltrainerin und Ernährungsberaterin und gibt Kurse für Erwachsene (Fitnessboxen) und Kinder (Koordination, Ausdauer, Fitness).

Sie und ihre Trainerkollegen haben jedes einzelne der Geräte und jedes Programm selbst getestet, sich eigens weiterbilden und schulen lassen. Ihre Hauptaufgabe bleibt es, zu motivieren.

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An die Geräte sind sie günstig gekommen, haben sie vom früheren Fitnessstudio A & P 2000 übernommen, den bisherigen Eigentümer unter anderem mit einer lebenslangen Mitgliedschaft im neuen Studio „entgolten“.

Rund um die Uhr Zugang zu Räumen und Geräten

Ein Großteil der dortigen Nutzer ist mit aus dem Stadtzentrum an die Peripherie gewechselt. „Das ist sicher nicht für alle einfach, aber die Parkplatzsituation bei uns ist doch deutlich günstiger“, weiß Sabine Jöck. Zeitliche Probleme kann ohnehin niemand als Hinderungsgrund ins Feld führen. Die Geräte und Räumlichkeiten stehen 24/7 zur Verfügung. Den freien Zugang ermöglichen eine App auf dem Handy oder Schlüsseltransponder.

Letztere sind den Seniorenfitnessfreunden lieber, hat Sabine Jöck erkannt. Die Neulinge sollen sich wohlfühlen, ihre Wünsche wurden abgefragt. Im Ergebnis hätten sie zum Beispiel Schlüsselkästchen für die Spinde eingeführt, eines für die Damen, eines für die Herren.

SÖM 2025
Regionalmesse in der Sömmerdaer Unstruthalle. Fitnesstrainerin und Bodybuilding-Weltmeisterin Sabine Jöck (links) an ihrem Messestand.© Funke Medien Thüringen | Armin Burghardt

Den fitten Senioren sei zudem das Gemeinschaftserlebnis wichtig. Sie kommen oft in Gruppen, im regelmäßigen Turnus, um miteinander im Gespräch zu bleiben. „Dem kommt die familiäre Atmosphäre bei uns entgegen“, ist Sabine Jöck überzeugt. Mit rund 500 Mitgliedern sei das Studio keines der großen, wachse aber. „Ich kenne gefühlt alle“, sagt sie. Damit ist sie eine Ausnahme. Die unterschiedlichen Tagesabläufe sorgen eher dafür, dass sich viele überhaupt nicht begegnen. Es schon gar nicht müssen.

Weltmeisterin im Bodybuilding
Weltmeisterin im Bodybuilding ist Sabine Jöck aus Kölleda im Juni 2024 in Linz geworden.© Stephan Jöck | Stephan Jöck

„Wir haben viel Zulauf und wenig Abgänge“, schätzt sie ein. Dabei könne jeder jederzeit gehen.

Weltmeisterin nimmt im Frühjahr einen neuen Anlauf

Sie selbst genießt in ihrer sportlichen Aktivität gerade eine Pause. Aus gesundheitlichen Gründen hat die Bodybuilding-Weltmeisterin von 2024 (Kategorie Toned Figure der World Fitness Federation) diese eingelegt. Im Frühjahr will sie wieder loslegen. In sechs Wochen ist „Diätstart“. Bis dahin gönnt sie sich, wie zuletzt auf der SÖM-Messe, noch das eine oder andere Extra. Sie naschte dort Eis, Stollen, Erdbeereierlikör. „War alles extrem lecker“, sagt sie lachend.

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Den ganz großen Stress macht sie sich aber (noch) nicht. Sie hat den Verband gewechselt, tritt nun im Deutschen Bodybuilding und Fitness-Verband an. Ihr Ziel: „Ich starte ja praktisch bei Null. Mir kommt es darauf an, die Form vom letzten Jahr wieder zu erreichen, ein paar Feinheiten zu verbessern.“

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