André Röthig aus dem Kreis Sömmerda ist fünf Wochen lang alleine durch Taiwan gereist. Er schreibt:

Während in Deutschland der Winter alles fest im Griff hat und die Schulen teilweise schließen, weil der ÖPNV nicht fährt, mache ich mich am 9. Januar mit dem Flieger auf Richtung Osten nach Taiwan. Auch unter dem Namen Formosa – die schöne Insel – bekannt, mache ich mir eine berufliche Auszeit zunutze und bereise die Insel alleine für 5 Wochen mit Rad und auf Schusters Rappen. Nachdem ich bereits 2009 das Nordkap erradelt hatte, bot sich nun die nächste Gelegenheit für einen Solo-R(o)ad-Trip.

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Taiwan ist mit ca. 36.200 Quadratkilometern etwas mehr als zweimal so groß wie Thüringen und liegt im tropischen/subtropischen Klima. Hier sind die Tage alle ziemlich gleich lang. Während es im Sommer ständig regnen kann und zum Teil Taifune aufziehen, herrscht im Winter Trockenzeit mit milden Temperaturen. Die optimale Reisezeit also, wenn man wie ich plant, vor Ort im Zelt zu übernachten.

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Vorbereitung ist hier alles – das gesamte Gepäck muss mit in die vier Fahrradtaschen. Nicht nur Anziehsachen für alle Wetterlagen. Auch Kochgeschirr, Flickzeug, die Kameraausrüstung und nicht zuletzt Zelt und Schlafsack gehören dazu. Das Ganze in einem Fahrradkarton zusammengepackt, samt auseinander montiertem Bike, so kann es im Flieger direkt von Frankfurt nach Taipeh in dreizehn Stunden mitreisen.

Die ersten Tage dienen der Anpassung an Zeit und Wetter: 20 Grad und Sonnenschein. Ausschlafen ist angesagt, so hat die erste Unterkunft ein Zimmer ohne Fenster, was bei der Buchung so nicht ersichtlich war. Die ersten Tage in der Hauptstadt werden für Wanderungen genutzt, auf den Elefant Hill mit Blick auf das einst höchste Gebäude der Welt – Taipei 101 – und zu den Teefeldern im Maokong-Gebiet. Da hier Montag Ruhetag ist, fährt keine Seilbahn, aber das war auch nicht der Plan, sondern ein erster Test für das Material von leichten Wanderschuhen und dem kleinen Rucksack.

Reise durch Taiwan
Nach dreizehn Stunden Flug landet André Röthig in Taipeh.© André Röthig | André Röthig

Auch die Anreise mit der Metro gestaltet sich hier spannend. Zum Glück ist man hier zweisprachig in Mandarin und Englisch unterwegs. Später hilft nur noch die Übersetzungs-App auf dem Handy. Eine passende SIM-Karte für 30 Tage mit unbegrenztem Datenvolumen ist da in jedem Fall von Vorteil, die habe ich mir gleich am Flughafen geholt.

Mit dem Rad zum Sonne-Mond-See

Nach 3 Tagen geht es auf das Rad, auf den Rundweg Nummer 1, der vor ein paar Jahren ausgebaut wurde. Markierung ist ganz klar – eine weiße Eins auf braunem Kreis. Es geht entgegen dem Uhrzeigersinn an der Küste lang, erst im Westen nach Süden mit ein paar Abstechern und im Osten nach Norden durch die Gebirgsketten zurück. Ein erstes Ziel ist der Sonne-Mond-See, wobei ich auch auf den öffentlichen Bus zurückgreife. Der nimmt das Fahrrad nur in Einzelteilen mit, aber immer noch leichter, als die 700 Höhenmeter mit 40 Kilogramm Gepäck hochzuradeln.

Reise durch Taiwan
Der Rundweg Nummer 1 führt an der Küste Taiwans entlang. Das erste Ziel von André Röthig ist der Sonne-Mond-See.© André Röthig | André Röthig

Um den See geht ein idyllischer Radweg und die Touristen haben hier die Möglichkeit, Fahrräder auszuleihen. Fast hundert Prozent elektrisch, so ist meine Beobachtung. Immerhin kann ich hier das Gepäck mal im Zelt zurücklassen und entspannt die Hotspots um den See genießen – die Pagode, das Besucherzentrum und die kleinen Dörfer mit ihrem lokalen Essensangebot.

Nationalpark Yushan: Wanderung zum Jade-Berg

Vom Sonne-Mond-See geht es weiter in den Nationalpark Yushan mit den höchsten Bergen der Insel. Hier liegt die Basis auf knapp 2500 Metern, sodass es diesmal heißt: Daumen raus und warten. Mit selbstgemaltem Schild geht es per Anhalter mit einer netten Familie und guten Gesprächen über die Handy-App weiter bergauf. Die nächsten vier Tage verbringe ich hier in der Höhe, um auf den höchsten Berg, den Jade-Berg (Yushan), zu wandern. Der Termin wurde vorher fixiert und auch eine Hütte musste vorab gebucht werden.

Reise durch Taiwan
Im Nationalpark Yushan gibt es die höchsten Berge Taiwans - und einen beeindruckenden Ausblick zum Sonnenaufgang.© André Röthig | André Röthig

Waren es im Tal noch 25 Grad, sind es in der Höhe immerhin noch 14 Grad und auf der Hütte ganze 7. Da hier gerade Winter ist, gibt es kaum Niederschlag, was die Wanderwege gut begehbar macht. Alle Flüsse sind ausgetrocknet. Kaum vorzustellen, was hier im Sommer los ist, wenn der ganze Regen runterkommt. Dann werden sicher auch die Fixseile und Sicherungen am Wegesrand benötigt. Ebenso kann ich auf den Eispickel und meine Steigeisen verzichten, liegt hier oben doch kaum Schnee.

Den Helm vom Fahrradfahren habe ich sowieso dabei. Das war Bedingung bei der Buchung der Genehmigung für den Nationalpark im Vorfeld. Mit dem Gesamtpaket aus Abendessen, Hüttenschlafsack und Frühstück lässt es sich auf der Paiyun-Hütte auf 3402 Metern gut aushalten und es gibt ein herrliches Panorama zum Abend.

Früher Start für tolles Panorama

Gute Gespräche und nette Kontakte werden hier oben ausgetauscht, und nachdem die Sonne gegen 18:00 Uhr verschwindet, verschwinden auch wir in unseren Schlafsäcken. Wecken ist um 2:00 Uhr zum Frühstück, die Asiaten starten um 3:00 Uhr mit ihren Gruppen und ich starte mit meinem Begleiter Hanno, den ich gestern kennengelernt habe, gegen 4:00 Uhr. Etwas Grundfitness vorausgesetzt, haben wir die anderen Teams bald wieder eingeholt.

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Der Wind peitscht die Wolken über die Berge, der Gipfel auf 3952 Metern bietet ein tolles Panorama und gegen 6:40 Uhr schaut auch mal die Sonne kurz durch. Auf dem Rückweg ist alles mit einer dünnen Eisschicht überzogen, so auch mein Gesicht, was hier spektakuläre Bilder bietet. Ein Frühstück und einen Abstieg später im Sonnenschein frage ich mich, wozu ich die dicke Jacke und zwei Paar Hosen überhaupt gebraucht habe. Jetzt verschwinden sie für die nächsten drei Wochen wieder ganz unten in der Tasche.

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Aufgrund der Länge des Berichts wird dieser in zwei Teilen veröffentlicht.