Im zweiten Teil seiner Tour besucht André Röthig aus dem Kreis Sömmerda mehrere Nationalparks Taiwans. Er schreibt:
Mein nächstes Ziel ist der Alishan Nationalpark. Per Anhalter geht es bergauf. Das einheimische Pärchen sitzt vorn und ich samt Hund und Fahrrad hinten auf der Pritsche ihres kleinen Pickups. Im Alishan Nationalpark erwartet mich eine Kulisse aus grünen, urwüchsigen und riesigen Bäumen. Mit Glück kann man hier zum Sonnenaufgang über den Wolken ein tolles Panorama finden. Eine kleine Bahn fährt zum Sunrise-Point. Diese ist vollbepackt mit Menschen und ich bewege mich zu Fuß durch die wolkenverhangene Nacht.
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Der Aussichtspunkt ist voll, die Sonne leider nicht zu sehen. Insbesondere die Mianyue-Line, eine alte Eisenbahnstrecke, mit der früher Holz transportiert wurde, ist das Highlight. Erneut wird ein Permit zum Betreten der gesamten Route benötigt. Nach den letzten Erdbeben, die die Tunnel und Schienen teilweise haben einstürzen lassen, fährt hier kein Zug mehr und der Wanderweg hat ein besonderes Flair. Klettern und Kraxeln auf allen Vieren durch die Tunnel sowie trittsicher über die alten Brücken ohne Geländer – das erfordert einiges an Geschick und Schwindelfreiheit.

Insel Liuqui: Felsen und Karibik-Strände
Nach den Abenteuern in der Höhe geht es wieder auf den Rundweg Richtung Meer – 2000 Höhenmeter bergab auf über 50 Kilometer. Ein weiterer Abstecher führt mich auf die kleine Insel Liuqui (etwa so groß wie Sömmerda). Hier gibt es zahlreiche geologische Besonderheiten zu entdecken. Vase Rock – ein Fels wie eine Vase im Wasser – Höhlen und enge Schluchten auf kleinstem Raum. Alles basierend auf alten Korallenablagerungen. Ein Konzert eines Jugend-Streichorchesters der indigenen Bevölkerung sowie ein paar Karaokeklänge der Einheimischen am Strand runden den Besuch ab.
Der südlichste Punkt der Insel lässt nicht lange auf sich warten. Hier ist Karibik-Feeling angesagt. Weiße Strände, einsame Buchten und kaum Menschen. So bin ich zum Teil der einzige Gast bei über hundert Stellplätzen und radle einsam durch palmengesäumte Straßen. Es sind Winterferien, was sich am Verkehr bemerkbar macht – kaum Autos auf den Straßen trotz drei paralleler Spuren pro Richtung. Dafür sind die Ampeln umso witziger – animierte Fußgänger und Radfahrer, die kleine Beziehungsgeschichten darstellen.

Schlucht im Taroko Park hat geschlossen
Der Rückweg nach Norden durch das innere Gebirge bietet mir nun den Gegenwind, den ich auf dem Weg nach Süden als Rückenwind so geliebt habe. Die Suche nach Campingplätzen ist nicht so einfach, kleine Hostels bieten da eine Abwechslung und die Polizei ist immer mit einem guten Rat zur Seite. Der kleine Stellplatz hinter einer Eisenbahnbrücke im Windflattern der Dachplanken ist einer der unangenehmsten Plätze. Ganz im Gegenteil zu den heißen Quellen im Osten, wo ich direkt neben dem Pool schlafen kann.

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Der nächste Teil führt mich zum Taroko Nationalpark, einer großen Schlucht mit der höchsten befahrbaren Straße auf über 3275 Metern. Aufgrund eines Erdbebens vor zwei Jahren ist die Schlucht leider geschlossen und viele Wanderwege noch gesperrt. Statt mit dem Rad zu fahren, erkunde ich einen schönen Weg zu einem verlassenen Dorf. Das heißt, mal eben 1500 Treppenstufen bergauf und wieder bergab laufen. Meine Oberschenkel danken es mir am nächsten Tag. Irgendwann ist aber Schluss und so schiebe ich gemütlich gegen Wind und teilweise Regen bergauf. Zeit habe ich ja hier genug.
Kultur zum Abschluss in Taipeh
Die geologischen Formationen im Yehliu Geopark runden die Reise ab. Felsformationen wie Pilze, Köpfe, Kerzen und weitere Fantasiefiguren stehen hier Seite an Seite. Auch die anderen Wanderwege mit tollen Blicken auf das Meer und über die Insel sind spektakulär. Angekommen am Nordkap der Insel geht es wieder Richtung Hauptstadt. Ein herzliches Willkommen und Anerkennung finde ich bei den Radfahrern, die hier wieder zahlreicher werden.
Die letzten 3 Tage verbringe ich noch mal in Taipeh, wo mein Fahrradkarton auf mein Rad und mich wartet. Eine Wanderung im Regen durch die heißen Quellen im Yangmingshan, ein Besuch auf der Aussichtsplattform des Taipei 101 und der Chiang-Kai-Shek-Gedächtnishalle runden die Reise mit etwas Kultur ab.

Wilde Hunde als größte Gefahr
Über die Unterkünfte und das Essen lässt sich sagen: Absolut vielfältig. Von kleinen Campingplätzen über Hostels und günstige Hotels war das Highlight das Motel mit Jacuzzi. Wildzelten ist hier nicht erlaubt, aber auch das ließ sich nicht ganz vermeiden, gerade um in der Dunkelheit keine Gefahr darzustellen. Das Essen – von asiatisch (Hot Pot und Nudeln) über europäisch (Sandwiches und Pizza) bis amerikanisch (Burger) – war alles dabei. Insbesondere die Convenience-Stores wie 7/11 waren beliebte Anlaufpunkte auf meiner Route. Hier gab es auch Geldautomaten und die Tickets für Bus und Bahn.
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Die größte Gefahr waren die wilden Hunde, die sich überall auf den Straßen herumtrieben. Da hilft nur die gute Ballonhupe, die ich vorsorglich dabei hatte, um die anderen Radler zu grüßen. Die Menschen sind mir immer freundlich und hilfsbereit begegnet, um mein Fahrrad brauchte ich mir nie Sorgen zu machen. Hier fährt jeder Moped, selbst zu dritt und viert dient es als Autoersatz, und Transportmittel für alles, vom Einkauf bis hin zu Gasflaschen.
Am Ende stehen über 1370 Kilometer mit dem Rad und 133 Kilometer zu Fuß auf der Uhr bei in Summe fast 15.000 Höhenmetern. Mit gepackten Sachen geht es nach fünf Wochen im Flieger wieder für fünfzehn Stunden direkt zurück nach Frankfurt, wo schon meine Familie, der ich für dieses Abenteuer sehr dankbar bin, auf mich wartet. Die Erlebnisse haben mich nachhaltig beeindruckt und die Arbeit an einem Diavortrag ist in vollem Gang.
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