30 Jahre ist es her: Am Abend des 18. August 1995 brannte das Restaurant „Haus des Handwerks“ am Stadtberg nieder. Arnold Schewior (84) war zwischen 1968 und 1992, als die Gaststätte letztlich geschlossen wurde, der Leiter.

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„Ein Kellner war danach noch übergangsweise angestellt, bis endgültig klar war: Für uns als Gaststätte des Handwerks geht es nicht weiter. Fortan wurde eingebrochen, randaliert. Der Höhepunkt war dann die Brandstiftung am 18. August. Das Feuer wurde an mehreren Stellen gelegt.“

Arnold Schewior (84) war zwischen 1968 und 1992, dem Jahr der Schließung, der Leiter vom „Haus des Handwerks“ in Mühlhausen. 
Arnold Schewior (84) war zwischen 1968 und 1992, dem Jahr der Schließung, der Leiter vom „Haus des Handwerks“ in Mühlhausen. © Funke Medien Thüringen | Claudia Bachmann

Arnold Schewior hatte in diesem Moment den Pinsel in der Hand, um das Häuschen der Kinder in der Altenburgstraße unterhalb des Stadtberges zu streichen. Dann kam die Nachbarin und verkündete schreiend die schlechte Nachricht.

Das „Haus des Handwerks“ am Stadtberg war eines der Vorzeige-Restaurants in Mühlhausen: Der Saal bot Platz für 300 Menschen, das Panorama-Restaurant für 120 Gäste. Es gab eine Tanzbar mit dem Namen „Zur Windmühle“ für 80 Personen und dazu noch sieben Hotelzimmer.

Handwerksbetriebe gründen Kulturgenossenschaft für Gasthaus

Die Tradition als Gasthaus reicht weit länger zurück als 1968, als das Haus nach Erweiterung und Renovierung erneut eingeweiht wurde. Das Gebäude wurde laut Arnold Schewior etwa 1876 errichtet, gehörte später der Mühlhäuser Brauerei, die es für den Gaststättenbetrieb verpachtete. In den 1950er-Jahren übernahm die HO das Haus, zehn Jahre später die Kreishandwerkerschaft. Sie richtete den „Stadtberg“ neu her und bewirtschaftete das große gastliche Haus. Etwa 20 Handwerksbetriebe hatten sich zu einer Kulturgenossenschaft des Handwerks zusammengeschlossen, die schließlich Träger des Betriebes war. Arnold Schewior war bei dieser Genossenschaft angestellt.

Hubertusfest in Mühlhausen setzt neue Maßstäbe für regionale Feste

In dieser Zeit wurden viele neue Feste etabliert, etwa das Hubertusfest. „Es war ein Fest und nicht nur eine Veranstaltung; das machte den Unterschied zu vielen anderen Festen in der Region aus“, erklärt Schewior. Als eine der wenigen Gaststätten im Bezirk Erfurt gelang es, rentabel zu wirtschaften.

15 Angestellte plus einige Aushilfen kümmerten sich um die Gäste.

Tagungen, Empfänge, Konferenzen, Hochzeiten sowie private Feiern und das reguläre Restaurantangebot sorgten dafür, dass das Haus einen guten Ruf hatte. In einem Zeitungsbeitrag ist zu lesen, dass das Haus des Handwerks jährlich eine halbe Million Besucher empfing. Einer der Höhepunkte waren die Sonntags-Gartenkonzerte, die laut Schewior 500 Gäste anzogen.

Zwei moderne Mehrfamilienhäuser stehen jetzt am Goetheweg, wo früher das Gelände vom Haus des Handwerks war.
Zwei moderne Mehrfamilienhäuser stehen jetzt am Goetheweg, wo früher das Gelände vom Haus des Handwerks war.© Funke Medien Thüringen | Claudia Bachmann

Arnold Schewior prägt Mühlhäuser Gastronomie seit 1964

Arnold Schewior stammt aus Schlesien, wuchs in Mühlhausen auf, besuchte hier die Schule und lernte drei Jahre lang Koch und Kellner im „Thuringia“ am Steinweg und in der „Grünen Linde“ an der Persiluhr. Er studierte Gastronomie und Hotellerie in Leipzig und kehrte 1964 nach Mühlhausen zurück, um Chef im „Thuringia-Haus“ am Steinweg zu werden. „Im Thuringia haben wir gelernt, wie eine Großküche funktioniert, schließlich wurden von uns aus mehrere Gaststätten in der Stadt beliefert, auch die am Stadtberg.“

Dort war er nicht nur Chef, sondern arbeitete auch an der Theke, in der Küche oder im Garten – je nachdem, wo er gebraucht wurde. „Und fast jedes Jahr haben wir gebaut.“

Investitionen nach der Wende bringen nur kurzen Erfolg

Mit der Wende wurde kräftig investiert. „Auch wenn es noch gar keine D-Mark gab: Ich habe in Kassel auf Vertrag eingekauft – einen neuen Geschirrspüler, den ersten in der Geschichte des Hauses des Handwerks überhaupt, eine Fritteuse, Metallküchentische und sogar Farbfernseher für die Hotelzimmer.“

Doch der Erfolg währte anschließend nur noch zwei Jahre.

In unserer Serie „Wussten Sie’s?” stellen wir Persönlichkeiten und spannende Fakten aus dem Unstrut-Hainich-Kreis vor, die in Vergessenheit geraten sind oder nicht jedem bekannt sind. Dies ist Teil 16.