Von der Ortsumfahrung aus hat man einen guten Blick auf die spektakuläre Baustelle am Gärtnerweg in Bad Langensalza. Der Abriss erfolgt mit einer Methode, welche die Firma BAC aus Bad Tennstedt selbst entwickelt und 2006 beim Abriss des Kinos in der Bahnhofstraße in Erfurt ausprobiert hat. Seitdem hat sie das Abbruch- und Entkernungsunternehmen schon vielfach eingesetzt.

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In luftiger Höhe knabbert derzeit ein Bagger einen Schandfleck in Bad Langensalza ab. Der Schornstein des ehemaligen Heizwerkes der früheren Gärtnerischen Produktionsgenossenschaft (GPG) „Roter Oktober“ wird um 54 Meter gekürzt. Es verbleibt ein acht Meter hoher Stumpf. Er wird bewusst erhalten, um künftig Vögeln und anderen Tieren Unterschlupf und Nistmöglichkeiten zu bieten.

Bad Langensalza: Der spektakuläre Schornstein-Abriss in Bildern
Arbeiter steuern in Bad Langensalza den Bagger per Joystick
Auf einer sogenannten Traverse ist der Abbruch-Roboter installiert. „Er wird über Funk mit einem Joystick bedient“, sagt Abteilungsleiter Patrick Dill. Anfangs wurden Drohnen dabei eingesetzt, was sich aber als nicht ideal herausstellte.

„Man muss sehen, riechen, fühlen, schmecken“, erklärt Dill. Daher schweben jetzt zwei Männer in gut acht Metern Entfernung in einer Kanzel, die an einem Kranhaken hängt. Die zwei Bediener wechseln sich im 30-Minuten-Takt ab. „Denn die Arbeit ist sehr anstrengend, weil man sehr konzentriert sein muss“, so Dill weiter.

Das Baustellen-Gelände gehört der Netze Bad Langensalza GmbH, die Tochterfirma der Bad Langensalzaer Stadtwerke ist. „Das Heizwerk war nur ein einziges Mal zu Testzwecken in Betrieb“, berichtet Geschäftsführer Frank Nickel. Es war erst Ende der 1980er-Jahre aus dem Boden gestampft worden, weil der „Rote Oktober“ eine neue Energiequelle brauchte, um die Gewächshäuser für die bekannten Langensalzaer Rosenzüchtungen zu beheizen. Dann kam die Wende, die GPG war Geschichte – das Heizwerk verfiel mit den Jahren und wurde zur Ruine.
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Das Areal am Gärtnerweg ist für die Firma Netze eine Ausgleichsmaßnahme. Heißt: Das Unternehmen kompensiert damit Eingriffe in Natur und Landschaft, die nicht zu vermeiden sind. So wird unter anderem perspektivisch in Bad Langensalza ein zweites Umspannwerk gebraucht, weil das bisherige laut Nickel irgendwann an seine Kapazitätsgrenzen stößt. Nicht zuletzt, weil die Zahl der Photovoltaikanlagen ansteigt. Die Ausgleichsmaßnahme ist also in mehrfachem Sinne eine Investition in die Zukunft.

Eine Schornstein-Sprengung barg ein zu großes Risiko
Zunächst wurden die technischen Nebengebäude abgerissen. Auch über eine Sprengung des Schornsteins wurde nachgedacht. Diese kam laut BAC-Experte Patrick Dill aber nicht infrage. „Ein Schornstein fällt wie eine Kanone“, sagt er. Das Risiko war zu groß, dass die dort verlaufende Hauptwasserleitung, die das gesamte Neubaugebiet Süd versorgt, Schaden nimmt. Zudem wären Sperrungen der Ortsumfahrung und des Bahnverkehrs nötig gewesen.

Der Rückbau des Schornsteins wurde in drei Etappen eingeteilt. Derzeit arbeiten die Experten bereits im letzten Drittel. „Anfangs haben wir täglich nur einen halben Meter abtragen können“, so Dill. Denn der Schornstein ist sehr hart gebaut, mit viel Stahl. Die Betonwände sind 50 Zentimeter dick. „Jetzt ist die Routine da“, erklärt er. Im Schnitt werden pro Tag nun dreieinhalb Meter abgebaut.
Der Abriss ist dennoch eine besondere Herausforderung. Zuvor wurde festgestellt, dass der Schornstein um bis zu 20 Zentimeter schwankt. Laut Dill muss dieses Bewegungsverhalten vollständig in die Berechnungen einfließen. „Genau das lieben wir an unserem Job“, sagt er.
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Wenn alles nach Plan läuft, soll der Schornstein Mitte Mai die gewünschte Höhe von acht Metern erreicht haben. „Dann wird er zu einem Mehrgenerationenhaus“, sagt Dill mit Blick auf bereits nachgewiesene Tier-Arten wie Mauersegler, Turmfalken und Fledermäuse, die dort einziehen sollen. Zudem wird das Gelände bepflanzt. Und es werden kleine Habitate angelegt, damit neue Lebensräume für Eidechsen, Salamander und andere Kriechtiere entstehen.




























