Von der Großmutterleite bis zur Buttergrube – In Weimar gibt es einige einzigartige Straßennamen, bei deren Anblick Touristen und Zugezogene wohl nur stutzen. Um ihre Herkunft zu erklären, muss man in der Geschichten mitunter Jahrhunderte zurückgehen. Was passiert, wenn man diese Bezeichnungen wörtlich nimmt, zeigt ein Experiment mit der künstlichen Intelligenz Sora.


Die künstliche Intelligenz lässt Ballerinas auf die Schwanseestraße tänzeln. Im Hintergrund gleitet ein Schwan über das Wasser und das Gebäude der Stadtverwaltung verschwindet in einem dichten Wald. Auch wenn die KI den Straßennamen fälschlicherweise von Tschaikowskis Ballett „Schwanensee“ ableitet, ist ein Detail nicht ganz falsch. Denn wo heute viel Verkehr auf dem Weg zum Bürgerbüro, zum Schwanseebad, zum Wimaria-Stadion oder stadtauswärts in Richtung Erfurt herrscht, befand sich vor gut 200 Jahren eine sumpfige Wiesenlandschaft.
In jedem Fall gab es dort viel Wasser und womöglich auch Schwäne. Im Winter konnte man auf den Schwanseewiesen sogar Schlittschuhlaufen, wie auf einem Gemälde von Friedrich Preller dem Älteren zu sehen ist. Bereits 1838 wurde die Straße erstmals Schwanseestraße genannt, 1946 wurde daraus die Stalinstraße. 1961 bekam sie wieder ihren ursprünglichen Namen.


Ein gruseliges Bild zeichnet die KI von der Großmutterleite in der Weimarer Parkvorstadt. Zu einer älteren Dame haben sich Rotkäppchen und ein Wolf gesellt. Die Herkunft des Straßennamens wurzelt offenbar im 18. Jahrhundert und soll sich auf eine tatsächliche Großmutter von jemandem beziehen, die dort lebte. Die Leite weist wiederum darauf hin, dass das Gebiet einst ein bewaldeter Abhang war.
Auch interessant


1911 wurde die Straße Silberblick nach dem schönen Ausblick benannt, den man von der Anhöhe damals noch über Weimar hatte. Doch Silberblick kann man auch anders verstehen: Die künstliche Intelligenz macht daraus eine Straße mit schielenden Bewohnern, immerhin kann Silberblick auch als schielender Gesichtsausdruck verstanden werden.

Täglich
Der Newsletter für Weimar
Alle wichtigen Informationen aus der Klassikerstadt Weimar, egal ob Politik, Wirtschaft, Sport, Kultur oder gesellschaftliches Leben.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Aktuell wird die Anhöhe Silberblick genutzt, um einen Hochbehälter für Trinkwasser zu bauen. Unweit davon, in der Villa Silberblick, verbrachte der kranke Friedrich Nietzsche seine letzten Jahre. Nach seinem Tod ließ seine Schwester, Elisabeth Förster-Nietzsche, das Haus von Henry van de Velde umgestalten. Der belgische Architekt machte daraus eine seiner gelungensten Arbeiten. Neben der Nietzsche-Villa laufen aktuell die Arbeiten zur Sanierung der Sendehalle. Das ehemalige Funkhaus war von den Nationalsozialisten als Nietzsche-Gedächtnishalle angelegt worden.


Seit 2001 gibt es im Ortsteil Legefeld die Straße In der Buttergrube. Der Straßenname scheint in Deutschland einzigartig zu sein. Zu dessen Ursprung ist nicht viel bekannt. Es könnte ein Ort sein, der früher mit der Herstellung oder Lagerung von Milchprodukten verbunden wurde. Die künstliche Intelligenz jedenfalls stellt sich die Buttergrube wie einen Fluss vor, mit Butterwürfeln und Butterkrug. Die Realität in dem Gewerbegebiet ist natürlich eine andere: In der Buttergrube sind etliche Unternehmen ansässig, unter anderem das Immobilienunternehmen Saller, der Automobilzulieferer Desay und Goepfert Werkzeug- und Formenbau.


Regenwetter, Krankheit, Sorgenfalten: Das verbindet die KI offenbar mit dem Straßennamen über der Sorge. Damit hat die Bezeichnung aber wahrscheinlich wenig zu tun. Die kleine Straße Über der Sorge gibt es seit 1931 in Ehringsdorf. Davor gehörte sie zur Straße An der Belvederer Allee.
Weitere aktuelle Beiträge aus Weimar und Umgebung
- Diskussion um Schulschließung in Weimar: Linke wollen Alternativen prüfen lassen
- Weimar auf der Frankfurter Buchmesse: Diese drei Verlage kommen mit Auszeichnungen zurück
- „Ein ganzer Tag, der uns fehlt“: Heldrunger Zwiebelbauern ziehen Bilanz zum Weimarer Zwiebelmarkt
- „Es fühlt sich an wie ein Rausschmiss“: Walter Sachs muss Atelierhaus Weimar verlassen
„Sorge“ hat seinen Ursprung im mittelhochdeutschen „Zarge“ und könnte so viel wie Rand oder Einfassung bedeuten und auf ein Flurstück hinweisen, dass sich am Rand eines Ortes befindet. Möglicherweise geht die Bezeichnung aber auch auf schlechte Bodenverhältnisse und geringen Ertrag dort zurück.





