Die Erklärung des Buckingham-Palast hätte kaum dramatischer ausfallen können: „Seine Majestät hat heute ein formelles Verfahren eingeleitet, um Prinz Andrew seiner Anrede, Titel und Auszeichnungen zu entheben.“ Andrew werde zukünftig lediglich „als Andrew Mountbatten-Windsor bekannt sein“, heißt es weiter.

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Andrew werde zudem die „Royal Lodge“ verlassen, das stattliche, 30 Zimmer umfassende Anwesen in der Nähe des Schlosses Windsor, in dem er und seine Ex-Frau Sarah Ferguson bislang gewohnt haben. Diese Maßnahmen würden „als notwendig erachtet“, heißt es dann, obwohl Andrew „die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen“ weiterhin bestreite.
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Die Erklärung schließt mit den Worten: „Ihre Majestäten möchten deutlich machen, dass ihre Gedanken und ihr tiefstes Mitgefühl den Opfern und Überlebenden jeglicher Form von Missbrauch gegolten haben und weiterhin gelten.“
Epstein-Opfer Virginia Giuffre soll mit 17 Jahren Sex mit Andrew gehabt haben
König Charles hat sich somit dem öffentlichen Druck gebeugt und seinen Bruder konsequent aus der „Firma“ entfernt, wie das britische Königshaus informell genannt wird. Bereits vor zwei Wochen ließ der Buckingham-Palast wissen, dass Andrew seine Titel und Ehrungen freiwillig nicht länger verwenden würde. Nun soll er sie in Absprache mit der Regierung formell entzogen bekommen. Ob das ausreichen wird, um das Thema zu den Akten zu legen, ist jedoch zweifelhaft.
Seit dem Sommer waren immer neue Vorwürfe gegen Andrew laut geworden. Die meisten von ihnen befassen sich mit seiner Freundschaft zu dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. In ihrer kürzlich posthum veröffentlichten Autobiografie schrieb das Epstein-Opfer Virginia Giuffre, dass sie bei drei Anlässen Sex mit Andrew gehabt habe. Bei dem frühesten Vorfall sei sie gerade einmal 17 Jahre alt gewesen. Andrew, der Giuffre vor drei Jahren im Rahmen einer außergerichtlichen Einigung in den USA Schätzungen zufolge bis zu zwölf Millionen Pfund gezahlt hat, bestreitet die Vorwürfe.

So deutete eine kürzlich aufgetauchte geleakte Email Andrews an Epstein aus dem Jahr 2011 darauf hin, dass Andrew seinen Kontakt zu dem verurteilten Sexualstraftäter länger aufrecht erhalten hat, als er die Öffentlichkeit glauben machen wollte. Zudem wurde bekannt, dass Andrew für die „Royal Lodge“ gemäß Vertrag gerade einmal „ein Pfefferkorn“ im Jahr an Miete zahlt. Dabei nimmt er bereits seit 2019 keine offiziellen Aufgaben im Namen der Monarchie wahr.
König Charles soll für Unterhalt seines Bruders privat aufkommen
Die Politik begann, sich mit dem Thema zu befassen. Einzelne Abgeordnete forderten sogar, Andrew vor einen Parlamentsausschuss zu zitieren und zu befragen. Das war ein schwerer Tabubruch: Denn gemäß den Konventionen des Parlaments dürfen Abgeordnete die Mitglieder der königlichen Familie in Parlamentsdebatten noch nicht einmal erwähnen.
Virginia Giuffre erlebt den Sturz Andrews nicht mehr. Sie hat sich im April das Leben genommen. Ihre Geschwister begrüßten jedoch die Entscheidung des Palasts in einem emotional aufgeladenen Gespräch mit der BBC: „Heute hat ein ganz gewöhnliches amerikanisches Mädchen aus einer ganz gewöhnlichen amerikanischen Familie mit ihrer Wahrheit und ihrem außergewöhnlichen Mut einen britischen Prinzen zu Fall gebracht.“ Sky Roberts, Giuffres Bruder, lobte den König dafür, „einen Präzedenzfall zu schaffen“. Er fügte jedoch hinzu, Andrew gehöre „hinter Gitter“.
Historiker über Prinz Andrew: „Es werden noch viele weitere Enthüllungen folgen“
Britische Medien berichteten am Freitag, dass Andrew in ein Anwesen auf dem Sandringham-Landsitz nordöstlich von London ziehen werde, der sich in Charles‘ Privatbesitz befindet. Der König soll für den Unterhalt seines in Ungnade gefallenen Bruders privat aufkommen. Andrews Ex-Frau Sarah Ferguson soll für sich selbst sorgen.
Der Historiker und Andrew-Biograf Andrew Lownie geht davon aus, dass schon bald weitere Enthüllungen ans Tageslicht kommen werden. In einem Gespräch mit der BBC sagte er: „Ich glaube nicht, dass das das Ende ist. Es werden noch viele weitere Enthüllungen folgen.“ Zumindest ergreife der Palast „jetzt entschlossene Maßnahmen“. Er sei sich nicht sicher, ob das die Unruhe in der Öffentlichkeit besänftigen werde, fügte er hinzu. „Aber es ist immerhin ein Anfang.“ Er hoffe, dass der Skandal um Andrew dazu beitragen werde, die Monarchie zu modernisieren.
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Bereits am Freitagvormittag verschwand Andrews Name aus dem offiziellen Adelsregister. Eigentlich wäre für den Entzug der Herzogwürde ein Parlamentsbeschluss notwendig. Doch offenbar haben sich der Palast und die Regierung auf eine andere Lösung verständigt, die weniger hohe Wellen schlägt: Berichten zufolge hat König Charles die Streichung von Andrews Namen aus dem Adelsregister und den Entzug des Prinzentitels und der Anrede „Königliche Hoheit“ mit einer königlichen Anweisung an den „Lordkanzler“ und Justizminister David Lammy veranlasst.
Beendet ist das Thema damit mit Sicherheit nicht. Wie stark die Skandale um Andrew das Land aufgewühlt haben, wird bei einem Blick auf die aktuelle Titelseite des „New Statesman“ klar: Das einflussreiche linksliberale Magazin fordert darin nichts Geringeres, als die Abschaffung der Monarchie.






