Vor dem kleinen Yoga-Studio in San Francisco hat sich bereits eine Menschentraube gebildet. Manche drücken ihre Nasen an die Glasfront, andere diskutieren aufgeregt. Durch die Scheiben können sie erahnen, worauf sie alle warten: Drinnen toben sieben junge Corgi-Welpen über ausgerollte Yogamatten. Sie springen übereinander, schlittern über den Boden, zerren an herumliegendem Hundespielzeug – und heben ab und an ihr kurzes Beinchen. Die Aufregung ist hinter der Tür genauso groß wie davor.
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Menschen und Hunde sind heute hier, um gemeinsam Puppy Yoga zu machen – eine Stunde Yoga, während die Hundewelpen durch den Raum flitzen. Für den Menschen soll diese Auszeit vom Alltag Glückshormone ausschütten und Stress abbauen. Auch für die Hunde, so wird gesagt, sei die Erfahrung wertvoll: Die Interaktion mit Menschen diene der Sozialisierung. Die freien Bewegungen und sanften menschlichen Berührungen sollen den Welpen helfen, sich auf ihre zukünftigen Familien vorzubereiten.
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Puppy Yoga ist inzwischen ein Trend, der vor allem durch soziale Medien bekannt wurde und weltweit an Popularität gewonnen hat. Doch ist das wirklich alles so toll, wie es klingt?

Puppy Yoga: Vom Züchter der Hundewelpen fehlt jede Spur
Als sich die Türen öffnen, strömen die Menschen in den Raum. Es gibt eine schnelle Einweisung der Mitarbeiter: Schuhe aus, Hände desinfizieren, Welpen nicht hochheben. Viel Spaß! Alle Teilnehmer nicken brav, befolgen die Anweisungen und klettern dann in den mit einem kniehohen Welpengitter abgetrennten Bereich.
Schnell verteilen sich alle auf den Matten und verfallen in verzückte „Aaah!“s und „Ooooh!“s, denn die Corgis stürzen sofort los: Einer kämpft mit einem herumliegenden Handtuch, während ein anderer neugierig an der Trinkflasche einer Teilnehmerin schnuppert. Ein Dritter hat es auf ein lockeres Armband abgesehen und beginnt daran zu ziehen. Besonders angetan sind die Welpen von langen Haaren und so mischt sich zwischen alle Ausrufe der Begeisterung auch öfter ein schmerzhaftes „Au!“.
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Laut Webseite des Veranstalters sind die Welpen zwischen acht und zwölf Wochen alt. Die Mitarbeitenden können vor Ort keine Angaben zum Alter der Tiere machen, sagen jedoch, dass sie „so um die zwei Monate“ alt sind. Die Hunde sollen bereits vermittelt worden sein, heißt es im Vorfeld. Doch vor Ort wird mehrfach darauf hingewiesen, dass einzelne Welpen noch eine Familie suchen. Während der ganzen Zeit ist vom Züchter selbst nichts zu sehen.

Puppy Yoga: Hat überhaupt jemand Interesse an Yoga?
Die Idee, Yoga mit Welpen zu kombinieren, scheint auf den ersten Blick wie eine perfekte Mischung aus Wohltat für Körper und Geist. Doch wie viel Yoga ist wohl möglich, wenn die Ablenkung so groß (und zweifellos) süß ist?
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Der Yogalehrer gibt sich gar nicht erst viel Mühe, die Konzentration der Yogis auf sich zu ziehen. Er beginnt einfach mit seinem Programm – ob die Teilnehmer es mitbekommen oder nicht, ist ihm augenscheinlich egal. Krieger, Cobra, Katze-Kuh, lustlos spult er ein Standardprogramm ab. Er weiß: Yoga findet hier höchstens zweitrangig statt. Gegen die Welpen hat er keine Chance. Aber niemanden stört diese lustlose Yoga-Einheit, denn maximal zwei der Teilnehmer versuchen ernsthaft ihren Fokus auf Atmung und Körperbalance zu legen. Der Rest? Ist mehr mit den tapsigen Corgis als mit Yoga-Positionen beschäftigt.
Tierschützer kritisieren Puppy Yoga als zu stressig für die Tiere
Je weiter die Stunde voranschreitet, desto mehr flauen die Aktivitäten der Hunde ab. Sie suchen sich langsam ruhige Ecken, legen sich hin und schließen die Augen – erschöpft vom Toben, den Menschen und vom Leben im Allgemeinen. Als die Tiere zur Ruhe kommen, neigt sich die Yoga-Einheit ihrem Ende zu, und die Teilnehmer freuen sich nun auf die versprochene Kuschelzeit. Schlechter kann das Timing nicht sein.

Die Mitarbeitenden sind nicht zimperlich, versprochen ist schließlich versprochen. Sie nehmen die schlafenden Welpen hoch und verteilen sie an die Anwesenden – eine Praxis, die nicht nur Hundebesitzer alarmieren sollte. Ein Welpe in diesem Alter braucht 20 Stunden pro Tag Schlaf. Und diese kleinen Corgis haben heute fünf (!) Yoga-Sessions vor sich. Und am nächsten Tag noch einmal dasselbe Programm.
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Italien hat Puppy Yoga bereits verboten
Puppy Yoga ist daher nicht erst umstritten, seitdem es dafür bei Instagram unglaublich viele Likes gibt. Laut Tierschutzorganisationen wie PETA sind die Welpen in diesem Alter in einer entscheidenden Phase ihrer sozialen Entwicklung, die durch ständige Berührungen und die Stressfaktoren eines Kursraums nachhaltig gestört werden können.
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Italien hat Puppy Yoga generell untersagt. In Deutschland ist Puppy Yoga noch erlaubt. Das Stuttgarter Veterinäramt hat die Bedingungen dafür aber bereits erschwert und argumentiert damit, dass es sich um die „gewerbsmäßige Zurschaustellung von Welpen“ handele. Damit Welpen bei einer kostenpflichtigen Yogastunde dabei sein dürfen, braucht es in Stuttgart eine bestimmte Erlaubnis. Tierschützer betonen, dass Welpen zu empfindlich sind, um wie Unterhaltungsobjekte behandelt zu werden.









