Torre Flavia ist ein kleines Naturparadies im Küstengebiet nördlich von Rom – ein geschütztes Reservat direkt am Tyrrhenischen Meer. Das Feuchtgebiet mit Lagunen, Dünen und Strandabschnitten bietet zahlreichen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum, insbesondere Zugvögeln, Amphibien und Reptilien. Besucher können das Gebiet über angelegte Wege und Holzstege erkunden.

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Doch die beliebte Naturoase für Spaziergänger, Vogelbeobachter und Naturfotografen hat immer mehr unliebsame Bewohner: Im Gebiet breiten sich Schnappschildkröten (Chelydra serpentina) aus – eine invasive Art, die als eine der gefährlichsten Schildkröten der Welt gilt. Ursprünglich im Norden der USA beheimatet, wird sie in Italien immer häufiger gesichtet, vor allem im Raum Rom – begünstigt durch das milde Klima. Zwei dieser Exemplare wurden zuletzt im Naturreservat Torre Flavia entdeckt.
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Die Tiere sind leicht zu erkennen: ein robuster Panzer, ein langer, gezackter Schwanz und ein äußerst flexibler Hals, mit dem sie blitzschnell zuschnappen. Ihr spitzer, schnabelartiger Kiefer ermöglicht kräftige Bisse, die schwere Verletzungen verursachen können. Aus Sicherheitsgründen ist die Haltung dieser Art für Privatpersonen verboten.
Der lange, elastische Hals erlaubt schnelle und kraftvolle Angriffe. Im Extremfall kann ein Tier einem Menschen einen Finger abbeißen – ein erhebliches Risiko, zumal die Art oft mit harmlosen einheimischen Schildkröten verwechselt wird. Die auch als „Killer-Schildkröte“ bekannten Tiere können bis zu 15 Kilogramm wiegen.
Eingeführt, dann ausgesetzt: So kommen die Tiere nach Italien
In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Exemplare eingefangen. Experten gehen davon aus, dass sich die Tiere inzwischen in freier Wildbahn vermehren. „Im Laufe der Jahre habe ich mehr als 25 Exemplare geborgen. Sie wurden vor allem im Umland von Rom, aber auch in zentraleren Gebieten gefunden“, berichtet der Reptilien-Experte Andrea Lunerti.
„Diese Schildkröten sowie andere exotische Tierarten werden oft im Ausland gekauft. Häufig werden sie von Touristen nach Aufenthalten in fernen Ländern nach Italien gebracht. Wenn man dann merkt, wie anspruchsvoll diese fleischfressenden Tiere sind, versucht man, sie auf verschiedenste Weise loszuwerden“, so der 56-Jährige, der seit vielen Jahren mit Wildtieren arbeitet, insbesondere mit gefährlichen oder invasiven Arten. „Oft werden sie in der Natur ausgesetzt. Man bedenkt aber nicht die Schäden, die sie frei anrichten können.“
Zu Lunertis Einsätzen gehörte ein Fall im römischen Stadtteil Monteverde: Dort war eine große Schnappschildkröte in einem Brunnen einer Wohnanlage ausgesetzt worden. „Das Tier hatte einen Panzerdurchmesser von etwa 65 Zentimetern und war in der Lage, ein menschliches Fingerglied abzutrennen“, berichtet Lunerti. Ein Kind, das regelmäßig am Beckenrand spielte, habe sich unwissentlich in Gefahr gebracht – der Vorfall ging glimpflich aus, da der Vater rechtzeitig Alarm schlug. Die Schildkröte wurde aus dem Becken entfernt.
Italien erwägt Maßnahmen gegen die Schnappschildkröte
Auch in Torre Flavia wurden die Tiere zunächst von Parkaufsehern entdeckt. Während ein Exemplar von den Carabinieri eingefangen wurde, tauchte in unmittelbarer Nähe entlang eines Pfades ein weiteres auf. Vermutlich haben die Tiere mit steigenden Temperaturen ihre Verstecke im dichten Schilf verlassen, um sich in wärmeren Bereichen aufzuhalten. Sie sollen nun in eine spezielle Auffangstation bei Sabaudia gebracht werden, in der gefährliche und verbotene Tierarten untergebracht sind.
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Schutzgebietsleiter Corrado Battisti meint, es sei möglich, dass die Tiere bereits in freier Wildbahn geboren wurden – womöglich als Nachkommen eines ausgesetzten Weibchens. In diesem Fall könnte es sich um die erste Generation handeln, die sich eigenständig im Reservat vermehrt hat. Als invasive Art ohne natürliche Feinde konkurriert sie mit heimischen Arten um Nahrung und Lebensraum.
Schnappschildkröten sind zudem geschickte Jäger: Mit ihrer Zunge können sie Beutetiere wie Fische, Vögel oder andere Reptilien anlocken, um sie dann blitzschnell zu packen. Behörden warnen daher eindringlich vor Annäherung. „Diese Arten gelten als gefährlich für den Menschen und die öffentliche Sicherheit, deshalb ist ihre Haltung für Privatpersonen verboten“, warnt Battisti. Wer eine Schildkröte findet, wird aufgerufen, dies sofort bei den Behörden zu melden.






