Ewiges Eis und Orte mit großer Geschichte: Das macht die Marmolada zur Gletscherkönigin der Dolomiten. Gleich darunter liegen Dörfchen wie Arabba und Sottoguda: Sie gelten als Paradies für alle, die dem Bergsport verfallen sind. Doch der Traum der Schneeidylle sieht ausgerechnet zu Beginn der Winterzeit ganz anders aus. Was als perfekter Start in die Skisaison Italiens gedacht war, endete am vergangenen Wochenende in Frust und Wut.

Italien-Urlaub endet im Chaos: Skifahrer müssen anderthalb Stunden anstehen

Am Sessellift Antecrep in Arabba bildeten sich auf 2.100 Metern Höhe massive Warteschlangen. Wegen Schneemangels blieb eine zentrale Piste nach Arabba gesperrt. Die Temperaturen lagen zu hoch für Kunstschnee. Skifahrer waren gezwungen, knapp anderthalb Stunden in der Schlange auszuharren. Als Notlösung mussten sie auf den Sessellift ausweichen – normalerweise mit sechs Plätzen bergauf, für die Talfahrt auf drei reduziert. Da Chaos war perfekt: Denn bei gleichzeitig gesperrten Alternativrouten führte das zum Kollaps der Anlage, die als Verbindung zwischen Marmolada und dem beliebten Sellaronda-Rundkurs dient.

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In der Facebook-Gruppe „Dolomiti Superski“ mit rund 105.000 Mitgliedern entlud sich die Wut der Betroffenen: Veröffentlicht wurden Fotos der Menschenmassen, die sich vor dem Sessellift drängen. Einige Nutzer kritisierten „katastrophale Zustände“, andere forderten ihr Geld für die Skipässe zurück. Sie beklagten, dass Temperaturen über dem Gefrierpunkt und anhaltende Trockenheit viele Pisten unbefahrbar machen würden.

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Die Präsidentin der italienischen Seilbahnbetreiber ANEF, Valeria Ghezzi, sieht die Lage anders. Nach mehreren warmen Tagen müsse jedem klar sein, dass mit gesperrten Pisten zu rechnen sei. „Wenn die Betreiber der Seilbahn in Arabba die Piste geschlossen haben, heißt es, dass sie nicht befahrbar und nicht sicher war. Sie hatten keine andere Wahl: Kein Pistenbetreiber schließt gern seine Pisten. Skifahrer müssen akzeptieren, dass es bei hohen Temperaturen wie in diesen Fällen zu Engpässen kommen kann“, sagt Ghezzi gegenüber unserer Redaktion.

Tipp für Skifahrer: Weniger überlaufene Orte wählen

Dass die Natur nicht planbar sei und Wartezeiten zum Bergtourismus dazugehören können, dürfe niemand vergessen. Klimawandel und zunehmende Temperaturen seien natürlich ein Problem, der Wintertourismus sei laut Ghezzi jedoch keineswegs zu Tode verurteilt. „Bisher haben wir die Lage gut meistern können. Im November haben wir eine längere Kältephase erlebt. Die Buchungslage ist sehr positiv: Wir rechnen mit Weihnachtsfeiertagen mit guten Resultaten“, meint die gebürtige Trentinerin. Sie verweist auf die Notwendigkeit, weniger überlaufene Orte zu suchen, in denen man gut und billiger Ski fahren könne, abseits des Gedränges.

Doch der Vorfall in Arabba wirft eine grundsätzlichere Frage auf: Wie viel Bequemlichkeit können und müssen Touristen erwarten? Overtourism trifft auf steigende Erwartungshaltungen. Skigebiete stehen unter enormem Druck, möglichst viele Pisten zu öffnen und maximale Kapazitäten bereitzustellen – unabhängig von Wetter und Naturgegebenheiten. Gleichzeitig erwarten Gäste perfekte Bedingungen, kurze Wartezeiten und reibungslose Abläufe.

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Manche Kuriosität war auch zu beobachten: Ein 66-jähriger lombardischer Unternehmer landete kurzerhand mit seinem Hubschrauber direkt auf der Piste im Manivia-Skigebiet in der Lombardei – nur wenige Monate, nachdem er für genau dasselbe Vergehen bereits eine Rekordstrafe kassiert hatte. Gestoppt wurde er von den Carabinieri. Er rechtfertigte sich damit, dass er sehr beschäftigt sei und der Hubschrauber es ihm ermögliche, sich viel Zeit zu ersparen.

Skifahrer: Diese neuen Regeln gehen ins Geld

Während viele Skifahrer noch enttäuscht sind über den Saisonstart, sind Beamte der Staatspolizei in Italiens Skigebieten unterwegs, um die Sicherheit der Wintersportler zu gewährleisten. Denn der Massentourismus bringe reichlich Sicherheitsprobleme mit sich, so die Behörden. Ein Skifahrer ist im Veltlin an einem Tag zweimal ohne Helm angehalten worden. Das ging nicht ohne Strafe aus: Wer auf Italiens Skipisten ohne Helm erwischt wird, muss ab dieser Wintersaison mit hohen Strafen rechnen. Es werden dann 150 Euro fällig – zudem droht der Entzug des Skipasses.

Ski Chaos Dolomiten Italien
Ein perfekter Skitag sind anders aus: An manchen Ski-Liften in den Dolomiten gab es lange Wartezeiten. © Facebook | Dolomiti Superski

Bereits seit 2021 waren Personen unter 18 Jahren verpflichtet, einen Kopfschutz zu tragen. Zu Beginn der Wintersaison wurde die Helmpflicht auf alle italienischen Ski- und Snowboardfahrer ausgeweitet. Nach Angaben des Skilehrerverbandes AMSI halten sich die meisten Skifahrer an die neue Helmpflicht. Bereits vor der Gesetzesänderung hätten viele Wintersportler freiwillig einen Helm getragen. Vor allem Urlauber aus dem Ausland müssen jedoch darauf hingewiesen werden, dass sie einen Helm mitbringen oder ausleihen müssen - im Unterschied zum Skiurlaub in Nachbarländern wie Österreich, der Schweiz oder Frankreich.

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Was zudem für großen Unmut bei den Skifahrern sorgt, ist, dass das weiße Vergnügen immer teurer wird. In den 37 untersuchten italienischen Skigebieten reicht der Preis für den Tages-Skipass von 36 Euro in Champorcher im norditalienischen Aostatal bis zu 86 Euro im Südtiroler Dolomiti-Superski-Gebiet. Konkret ist der durchschnittliche Preis des Tagestickets für die Wintersaison 2025-2026 um vier Prozent gestiegen. Noch ungünstiger fällt die Entwicklung beim Fünf-Tage-Pass aus – dem Skipass für die klassische Skiurlaubswoche –, der ein Plus von 4,4 Prozent verzeichnet.