Die Arktis gilt seit Langem als empfindlicher Teil des globalen Klimasystems. Was dort geschieht, hat oft Auswirkungen weit über die Polarregion hinaus. Eine neue Studie aus Indien zeigt nun, wie stark Veränderungen am Nordpol sogar das Wetter in Südasien beeinflussen können – genauer gesagt den Sommermonsun, von dem Hunderte Millionen Menschen abhängig sind.

Indien: Der Monsunregen als Lebensader

Der Sommermonsun bestimmt das Klima auf dem indischen Subkontinent maßgeblich. Zwischen Juni und September fallen dort rund 80 Prozent des jährlichen Niederschlags. Für Landwirtschaft, Wasserversorgung und Wirtschaft ist diese Regenzeit entscheidend.

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In den vergangenen Jahrzehnten haben Forscher jedoch eine Veränderung beobachtet: Zwar ist die Gesamtmenge des Monsunregens leicht gestiegen, gleichzeitig hat sich der Schwerpunkt der Niederschläge zunehmend nach Westen verschoben. Besonders Regionen im Westen und Nordwesten Indiens erhalten heute häufiger mehr Regen als früher.

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Ein Forschungsteam des Indian Institute of Tropical Meteorology wollte verstehen, ob diese Entwicklung mit Veränderungen in der Arktis zusammenhängt, insbesondere mit dem dortigen Rückgang des Meereises.

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Klimawandel: Weniger Eis, mehr Regen

Für ihre Analyse werteten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Beobachtungs- und Reanalysedaten aus den Jahren 1979 bis 2022 aus. Das Ergebnis: Zwischen der Ausdehnung des arktischen Meereises und der Intensität des Monsunregens besteht ein deutlicher Zusammenhang.

Wenn die Meereisfläche in der Arktis im Frühsommer – also im Juni und Juli – besonders klein ist, fällt der Monsunregen später im Jahr stärker aus. Vor allem in der zweiten Hälfte der Regenzeit, im August und September, verstärken sich die Niederschläge. Gleichzeitig zeigen die Daten, dass in solchen Jahren mehr Regen im Westen und Nordwesten Indiens fällt.

Die Forscher sprechen von einer „negativen Korrelation“: Je weniger Eis vorhanden ist, desto intensiver wird der Monsun.

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Atmosphärische Fernwirkungen

Als möglichen Mechanismus beschreiben die Forscher Veränderungen in der großräumigen Zirkulation der Atmosphäre. Schmilzt arktisches Meereis, verändert sich die Energiebilanz der Erdoberfläche: Dunkleres Wasser absorbiert mehr Sonnenenergie als die zuvor reflektierende Eisfläche. Dadurch verstärkt sich die Erwärmung in der Arktis.

Diese Temperaturänderungen beeinflussen wiederum den Temperaturunterschied zwischen Äquator und Pol. Laut Studie können dadurch sogenannte stationäre Rossby-Wellen entstehen – großräumige Wellenbewegungen in der Atmosphäre, die entlang des Jetstreams Energie über große Entfernungen transportieren.

Solche Wellen können bis nach Südasien reichen und dort die Temperaturverteilung in der oberen Troposphäre verändern. Genau diese Temperaturgradienten spielen in der späteren Phase des Monsuns eine wichtige Rolle für Stärke und Position der Regengebiete.

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Klimamodelle bestätigen den Effekt

Um die Zusammenhänge besser zu verstehen, führte das Team zusätzlich Simulationen mit gekoppelten Klimamodellen durch, die Atmosphäre, Ozean, Landoberflächen und Meereis gleichzeitig berücksichtigen.

Die Modelle reproduzierten zentrale Muster aus den Beobachtungsdaten: Wenn weniger arktisches Meereis vorhanden ist, verstärken sich die Niederschläge im Spätsommer über Nordwestindien, und der Monsun verlagert sich nach Westen.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der langfristige Rückgang des Meereises systematische Veränderungen in der atmosphärischen Zirkulation auslösen kann – mit spürbaren Folgen für das Monsunsystem.

Forschung geht weiter

Sollte das Eis weiterhin in diesem Tempo zurückgehen, könnte der südasiatische Sommermonsun künftig stärker werden und sich noch weiter nach Westen ausdehnen. Für Regionen, die ohnehin stark von extremen Niederschlägen betroffen sind, könnte das neue Risiken bedeuten, etwa häufiger auftretende Überschwemmungen.

Die Forschenden betonen allerdings, dass weitere Analysen nötig sind. Längere Datensätze und zusätzliche Klimamodelle sollen helfen, die physikalischen Mechanismen noch genauer zu verstehen und Unsicherheiten zu reduzieren.