Alterskontrollen im Netz gelten den einen als überfälliges Schutzinstrument für Kinder und Jugendliche. Für die anderen sind sie ein Einfallstor für Überwachung – und ein weiterer Schritt hin zu einem Internet, in dem Anonymität zur Ausnahme wird. Wie schnell aus gut gemeintem Jugendschutz ein ganz praktisches Alltagsproblem werden kann, zeigt nun Apple in Großbritannien.

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Wie die „BBC“ berichtet, hat der Konzern mit iOS und iPadOS 26.4 im Vereinigten Königreich eine Altersverifikation eingeführt. Nutzerinnen und Nutzer sollen damit ihre Volljährigkeit nachweisen, um auf bestimmte Inhalte und Dienste zugreifen zu können. Während die Regulierungsbehörde Ofcom von einem „echten Gewinn für Kinder und Familien“ sprach, warnte Silkie Carlo von Big Brother Watch, Apple nehme die Freiheit der Britinnen und Briten, im Netz zu suchen, „in einen Würgegriff“.

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Altersnachweis mit Kreditkarte oder Ausweis: So funktioniert Apples Verifikation

Laut Apple-Support gibt es für die Altersverifikation zwei Wege: entweder über eine Kreditkarte oder über einen Lichtbildausweis. Wer die Kreditkarten-Methode wählt, gibt seine Daten ein und kann sie auf Wunsch zugleich als Zahlungsmittel im Apple-Konto hinterlegen. Debitkarten reichen dafür nicht aus. Alternativ lassen sich Führerschein oder Ausweis scannen. Reisepässe werden nach Apples Angaben nicht akzeptiert.

Apple kann außerdem prüfen, ob bereits ein bestehendes Konto oder eine hinterlegte Zahlungsmethode vorliegt, um das Alter einer Nutzerin oder eines Nutzers zu bestätigen. In manchen Fällen soll auch die Dauer berücksichtigt werden, seit der ein Konto besteht. Kinder unter 13 Jahren können laut der Support-Seite zudem kein Konto mehr ohne eine erziehungsberechtigte Person erstellen.

In der praktischen Umsetzung wirft das Verfahren jedoch Fragen auf. Großbritannien verfügt über kein einheitliches nationales Ausweissystem. Zugleich besitzt nicht jeder Erwachsene die Nachweise, die Apple für die Verifikation vorsieht. Viele haben keinen gültigen Führerschein oder nutzen keine Kreditkarte. Manche können keine beantragen, andere verzichten bewusst darauf, etwa um Schulden zu vermeiden, wie die „BBC“ berichtet.

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iPhone Kindermodus nach Update: Was für Betroffene passiert

Für diese Nutzerinnen und Nutzer bleiben die Folgen nicht abstrakt. Können sie ihren 18+-Status nicht bestätigen, aktiviert Apple den Webinhaltsfilter. Das bedeutet: Bestimmte Websites werden in Safari und auch in anderen Browsern gesperrt. Hinzu kommt die sogenannte Kommunikationssicherheit. Dabei handelt es sich um eine Funktion, die Bilder und Videos in Nachrichten und FaceTime auf Nacktheit prüft.

Das Gerät wechselt damit in eine Art Kinderschutzmodus. Funktionen, die zuvor ohne Einschränkungen verfügbar waren, lassen sich dann nur noch begrenzt nutzen. In der Update-Mitteilung heißt es: „Das britische Recht verlangt, dass Sie bestätigen, erwachsen zu sein, um Inhaltsbeschränkungen zu ändern.“

Online Safety Act: Warum Kritiker Apples Begründung infrage stellen

Gemeint ist der Online Safety Act 2023, aus dem seit 2025 schrittweise strengere Vorgaben für Online-Dienste umgesetzt werden. So müssen Dienste, die Pornografie zulassen, seit dem 25. Juli 2025 wirksame Altersprüfungen einsetzen, damit Minderjährige keinen Zugang erhalten. Ofcom hat auf Grundlage des Gesetzes zudem Regeln und Leitlinien veröffentlicht, die Online-Dienste zu stärkeren Schutzmaßnahmen für Kinder verpflichten.  

Datenschutzaktivistinnen und Datenschutzaktivisten bestreiten allerdings genau diese Darstellung. Der Online Safety Act verlange derzeit keine Altersprüfung auf Geräteebene, sagen sie. Die Gruppe Reclaim the Net wirft Apple vor, über die gesetzlichen Vorgaben hinauszugehen und zugleich den Eindruck zu erwecken, das Gesetz habe dem Unternehmen dabei keine andere Wahl gelassen.

Ähnlich äußern sich auch Bürgerrechtsorganisationen. Silkie Carlo bezeichnet Apples Altersverifikation gegenüber „BBC“ als „praktisch Ransomware“. Millionen Britinnen und Briten säßen nach dem Update auf einem „Kinder-Gerät“, obwohl sie dafür Hunderte oder gar Tausende Pfund bezahlt hätten, sagt sie. Zudem kritisiert Carlo, Apple habe vor der Installation nicht klar genug darauf hingewiesen, dass das Update für manche Nutzerinnen und Nutzer zu genau dieser Hürde werden könnte.

iPhone-Update in Großbritannien: Wie Nutzer auf Apples Altersprüfung reagieren

Auch online wächst deshalb der Ärger. Wie Reaktionen in sozialen Netzwerken zeigen, fühlen sich manche Nutzerinnen und Nutzer bevormundet, andere ausgeschlossen. Der frühere BBC-Produzent Colin Hughes schrieb auf X, er sei 60 Jahre alt, habe seit dem Update aber Schwierigkeiten, Apple davon zu überzeugen, dass er über 18 sei. Ein anderer 33-jähriger Nutzer erklärte dort, er stecke im Kindermodus fest, weil er weder einen Führerschein noch eine Kreditkarte habe. Wer automatische Updates aktiviert hatte, sah sich damit teils ohne Vorwarnung mit den neuen Vorgaben konfrontiert.

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Viel Spielraum bleibt Betroffenen nicht. Sie können das Update meiden und auf einer älteren iOS-Version bleiben. Das wiederum kann Folgen für die Sicherheit des Geräts haben, wenn künftige Schutz- und Sicherheitsupdates nicht mehr oder nur eingeschränkt verfügbar sind.