Die Hoffnung wächst: Die Parkinson-Forschung steht kurz davor, das Unmögliche möglich zu machen. Zum Weltparkinsontag am Samstag blickt die Fachwelt so optimistisch wie selten in die Zukunft. Neue Wege in der Frühdiagnose und gezieltere Therapien bringen die Wissenschaft nah an einen echten Durchbruch. Das erklärten Vertreterinnen und Vertreter der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen.

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Parkinson ist eine der am schnellsten zunehmenden neurologischen Erkrankungen weltweit. Allein in Deutschland sind aktuellen Zahlen zufolge fast 400.000 Menschen betroffen, weltweit über zehn Millionen. Bei der Krankheit wird im Gehirn zu wenig Dopamin hergestellt. Das führt dazu, dass Nervenreize schlechter übertragen werden. Neben Bewegungsstörungen treten oft schon früh Schlafstörungen, Geruchsverlust, Verdauungsprobleme oder kognitive Veränderungen auf.

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Morbus Parkinson: Zittern als erstes Warnzeichen der Erkrankung

Typische Symptome sind unkontrollierbares Zittern, verlangsamte Bewegungen und Gleichgewichtsstörungen. Meist tritt die früher auch als Schüttellähmung bezeichnete Krankheit erst im Alter auf. Doch Morbus Parkinson ist tückisch: Die Hirnveränderungen beginnen oft Jahrzehnte vor dem ersten Zittern. Bei der Diagnose sind bereits viele Neuronen zerstört.

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Die Präsidentin der Fachgesellschaft, die Tübinger Neurologin Kathrin Brockmann, betont, die Forschung sei dem großen Ziel einer Therapie, die den Krankheitsverlauf verlangsamt oder sogar stoppt, deutlich nähergekommen. „Es könnte aktuell nicht spannender sein. Die Forschung ist sehr nah dran an krankheitsmodifizierenden Therapien“, verbreitet Brockmann Zuversicht.

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Genetische Faktoren und Umwelteinflüsse begünstigen Parkinson-Erkrankung

Die Forschung geht davon aus, dass die Erkrankung durch eine Kombination aus genetischen und umweltbedingten Einflüssen entsteht. Die Zahl der Menschen, die an Parkinson erkranken, steigt schneller, als es der demografische Wandel allein erklären kann. Neben Luftverschmutzung und dem Einfluss von Pflanzenschutzmitteln rückt nach Angaben der Experten zunehmend auch die Ernährung in den Fokus. Studien deuten darauf hin, dass fehlgefaltetes Alpha-Synuclein, ein zentrales Protein bei der Parkinson-Erkrankung, im Darm entsteht und sich ins Gehirn ausbreitet – ein Mechanismus, der als Hirn-Darm-Achse beschrieben wird.

Vor diesem Hintergrund richten sich neue wissenschaftliche Ansätze verstärkt auf die Rolle der Darmflora und die Auswirkungen der Ernährung bei der Parkinson-Entstehung. Studien zeigen, dass eine mediterrane Ernährung mit einem geringeren Risiko für Parkinson sowie einer besseren Befindlichkeit bei bereits Erkrankten einhergeht. Mediterrane Ernährung basiert auf viel Obst und Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Olivenöl und Fisch, während Fleisch sowie stark verarbeitete, zuckerreiche Lebensmittel nur selten auf dem Speiseplan stehen.

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Bewegung und gesunder Schlaf senken Parkinson-Risiko deutlich

Bis Medikamente gefunden werden, die die Erkrankung an der Wurzel bekämpfen können, empfehlen Mediziner auch regelmäßige Bewegung und gesunden Schlaf als wichtigste Strategien, das Risiko und den Verlauf der Erkrankung zu beeinflussen. „Immer mehr aktuelle Studien deuten darauf hin, dass ein gesunder Lebensstil Entzündungen, Stoffwechselprozesse und die Regeneration des Gehirns positiv unterstützt“, betont die Neurologin Brit Mollenhauer, dritte Vorsitzende der Deutschen Parkinson Gesellschaft.

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Verstärkt in den Blick der Wissenschaftler ist auch der Schlaf geraten. Schlafstörungen seien nicht nur ein frühes Warnsignal für eine mögliche Parkinson-Erkrankung, sagt der Leipziger Neurologe Joseph Claßen. Sowohl REM-Schlaf als auch Tiefschlafphasen seien entscheidend für die Reinigung des Gehirns von Ablagerungen, so der stellvertretende Vorsitzende der Parkinson-Gesellschaft. Wenn etwa die Tiefschlafphasen durch wiederholte nächtliche Atemaussetzer immer wieder gestört würden, beeinflusse dies das Risiko und möglicherweise auch den Verlauf einer Parkinson-Erkrankung.

Guter Schlaf sei „ein essenzielles therapeutisches Ziel“, betonte Claßen. Um dies zu erreichen, würden derzeit vor allem sogenannte CPAP-Masken gegen Schlafapnoe eingesetzt. Erprobt würden aber auch neue Techniken wie nichtinvasive Hirnstimulation. Denkbar sei auch, dass Sensoren bald nicht nur in Schlaflaboren, sondern auch zu Hause genug Daten sammeln könnten, um neurologische Erkrankungen besser einzuschätzen.

pau/kna