Die Vorwürfe wiegen schwer und sorgten bundesweit für Entsetzen: Collien Fernandes (44) wirft ihrem Ex-Mann, dem Schauspieler Christian Ulmen (50), vor, Fake-Profile unter ihrem Namen erstellt und Männern pornografisches Material geschickt zu haben. Unter dem Eindruck, am anderen Ende der Leitung sei Fernandes, soll es so auch zu Telefonsex gekommen sein. In einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ erzählt die Moderatorin nun, wie sie die vergangenen Wochen seit Bekanntwerden der Vorwürfe erlebt hat.

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„Gerade ist es ein emotionales Auf und Ab“, schildert Fernandes ihr derzeitiges Befinden. Nach eigenen Aussagen versuche sie bereits seit eineinhalb Jahren therapeutisch, das Erlebte aufzuarbeiten. Kaum gehe es ihr besser, würden Leute ihr vorwerfen, dass sie ja gar nicht traumatisiert aussehe. „Ich glaube, dass viele eine falsche Vorstellung davon haben, wie Opfer aussehen“, so Fernandes, die auch von Schlafstörungen berichtet.

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Collien Fernandes: „Vielleicht sollten wir unser Opferbild überdenken?“

Viele Frauen würden sich demnach mit ähnlichen traumatischen Erfahrungen bei ihr melden. Sie berichten, so Fernandes, davon, dass ihr Fall „fallen gelassen wurde, weil sie sich nicht wie ein Opfer verhalten hätten“. „Vielleicht sollten wir unser Opferbild überdenken?“, so Fernandes, die die Dreimonatsfrist bei physischer Gewalt für zu kurz hält. Drei Monate werden Personen bei weniger schweren Straftaten zugestanden, neben einer Anzeige auch einen Strafantrag zu stellen.

Nach Bekanntwerden der Vorwürfe durch einen großen Beitrag im „Spiegel“ etablierte sich im Zusammenhang mit der Berichterstattung schnell das Wort „Deepfake-Videos“. Ulmens Anwalt Christian Schertz schrieb daraufhin, sein Mandant habe „zu keinem Zeitpunkt Deepfake-Videos von Frau Fernandes oder anderen Personen hergestellt und/oder verbreitet“.

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Fernandes sieht darin eine gezielte, öffentliche Kommunikationsstrategie. Tatsächlich sei ihm, so Fernandes, das Herstellen und Verbreiten von Deepfake-Videos nie unterstellt worden. „Das soll wie ein Dementi klingen“, so die Moderatorin. Auf den Kernvorwurf der digitalen Gewalt und des Identitätsdiebstahls habe die Gegenseite bisher nicht reagiert. 

Fernandes: Christian Ulmen hat mir 2024 gestanden, dass er die Fake-Profile angelegt hat

Fernandes zufolge hätte „der Täter“ ihr gestanden, den Männern pornografische Videos geschickt zu haben, „mit der Behauptung, dass es sich dabei um private Sextapes von mir handeln würde“. Dabei habe er Videos von Frauen genutzt, die ihr ähnlich sähen. So hätte es auch in dem Bericht vom „Spiegel“ gestanden. „Jetzt, nach der Pressemitteilung seines Anwalts, glauben einige, mir sei widersprochen worden, damit sei ja klar, dass ich lüge. Ich empfinde das als krassen Psychoterror vonseiten meines Ex-Manns“, so Fernandes weiter.

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Im Dezember 2024 soll Christian Ulmen seiner damaligen Frau gestanden haben, hinter den Fake-Profilen zu stecken. Erst ein Jahr später erstattete Fernandes Anzeige. Auch, so erzählt sie im „SZ-Interview“, weil viele Details erst im Laufe des Jahres an die Oberfläche kamen. „Am Ende war vieles schlimmer als zunächst behauptet“, sagt Fernandes.

Besonders belastet habe sie die Tatsache, dass ihr berühmter Ex-Mann nicht verraten wollte, mit welchen Männern er in ihrem Namen Kontakt hatte. Das habe sie „extrem belastet“. Zumal der Schauspieler genau gewusst habe, wann Fernandes für Dreharbeiten unterwegs gewesen sei und dadurch „die authentischste Fake-Collien von allen sein“ konnte. „Das hat bei mir zu wahnsinniger Angst geführt. Für mich war das eine Zeit der Panikattacken“, so Fernandes.

Erneut darauf angesprochen, dass die Staatsanwaltschaft Itzehoe das Verfahren zunächst eingestellt hatte, spricht Fernandes von „Systemversagen“. Inzwischen wurde das Verfahren an die Staatsanwaltschaft in Potsdam übergeben.

Zur Berichterstattung im Fall Fernandes

Gegen Christian Ulmen stehen schwere Vorwürfe im Raum. Schauspielerin und Moderatorin Collien Fernandes hat Ulmen in Spanien angezeigt, wegen mutmaßlicher Vortäuschung einer Identität, Verletzung von Geheimnissen, Beleidigung mit öffentlicher Verbreitung, fortgesetzter Misshandlung und schwerer Bedrohung. Um die Erstellung von Deepfake-Pornos ging es dabei ausdrücklich nicht. Die spanische Justiz hat die Strafanzeige von Collien Fernandes an Deutschland abgegeben. Die Staatsanwaltschaft Potsdam ermittelt derweil wegen Vorwürfen häuslicher Gewalt gegen Christian Ulmen.

Für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung. Der Schauspieler weist die Vorwürfe zurück. Das Landgericht Hamburg hat Anfang Mai einen Großteil der im März erschienenen „Spiegel“-Berichterstattung für zulässig erklärt. Fernandes hatte darin die Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann öffentlich gemacht. Im Juni urteilte auch das Hanseatische Oberlandesgericht, der „Spiegel“ dürfe weiter über die Gewaltvorwürfe berichten.