Eine schlimme Krankheit, eine Mauschelei im Rathaus, ein seltenes Hobby oder eine ungewöhnliche Nachbarschaft – die Lokalreporter unserer Zeitung spüren Tag für Tag spannende Geschichten auf, die sonst kaum jemand erfahren würde. Denn Lokaljournalismus lebt von den Geschichten und den Menschen vor Ort, die den Zusammenhalt in der Gemeinschaft so lebenswert machen, dass es sich lohnt, dafür zu kämpfen.
Julia Vetter meistert Schicksalsschlag mit Unterstützung
So wie Julia Vetter aus dem Ilm-Kreis: Sie ist durch eine schwere Krankheit an den Rollstuhl gefesselt. Doch Freunde und Nachbarn lassen sie nicht im Stich. Ihr mussten infolge einer Virusgrippe die rechte Hand und beide Füße amputiert werden. Das stellte ihr ganzes Leben auf den Kopf – doch die Familie, Freunde, Kollegen und auch ganz viele Fremde halfen durch tatkräftige Hilfe oder Spenden. So konnten ihre Wohnung umgebaut und Hilfsmittel angeschafft werden.

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Mit einem großen Fest hat sich Julia Vetter bei ihren Helfern bedankt: „Es war wie eine große türkische Hochzeit: Es waren wahnsinnig viele, gut gelaunte Menschen da. Alle haben mit mir gesprochen. Aber wie wahnsinnig toll das war, habe ich erst hinterher realisieren können.“
Familienunternehmen trotzt Umbrüchen und Enteignung
Der Greizer Unternehmer Hugo Frank, in Teichwolframsdorf geboren und gelernter Kaufmann sowie Webmeister, gründete am 1. April 1921 seine Weberei und produzierte vor allem Wollstoffe für Kleider und Herrenanzüge. Das Unternehmen wuchs stark und beschäftigte 1946 nahezu 300 Mitarbeitende. Frank galt als zugewandter Chef, engagierte sich mit einer Stiftung für seine Beschäftigten im Alter und wirkte zudem im Schul- und Gemeinderat mit.

Sein Urenkel Mark Müller, der 1962 nach Kanada auswanderte, recherchierte die Familiengeschichte und stieß neben Wohlstand, Villa und Fabrik auch auf die Brüche durch NS-Regime und SED-Herrschaft: Unterlagen zur Zwangsenteignung und Briefe zeigen Franks vergebliche Gegenwehr. Müller veröffentlichte ein Buch über den Urgroßvater im Eigenverlag; die erste Auflage ist vergriffen, Exemplare liegen in der Greizer Bibliothek. Eine Lesung in Greiz würde er gerne halten.
Kinderreiche Familie erfüllt Wünsche bedürftiger Kinder
Auch über die Familie Weidner aus dem Kreis Sömmerda haben die Lokaljournalisten eine wunderbare Geschichte geschrieben. Denn obwohl selbst kinderreich – Melanie und Mario Weidner haben zehn Kinder zwischen vier und 22 Jahren sowie vier Enkelkinder – hat die Familie eine Weihnachtsspendenaktion für bedürftige Kinder initiiert.
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Seit Jahren schon sammeln sie die Wünsche sozial benachteiligter Kinder ein und erfüllen sie mithilfe von Spendern und Unterstützern. Im vergangenen Jahr waren es 162 Wunschzettel. Beschert wurden vor allem Kinder aus Heimen in Heldrungen, Oberheldrungen, Seehausen und Bad Frankenhausen. Alle Wünsche konnten erfüllt werden.
Handyverbot an Schule sorgt für Ermittlungen
Viel ernster war eine Geschichte aus dem Weimarer Land: An der Regelschule „Anna Sophia“ in Kranichfeld rumorte es gewaltig: Es gab vier Ermittlungsverfahren, es ging um Versuche des Lehrpersonals, das an der Schule geltende Handyverbot durchzusetzen. Die Anzeigen stammen laut Polizei von besorgten Eltern. Um das Verbot durchzusetzen, seien Schülerinnen und Schüler mutmaßlich auf eine Weise kontrolliert worden, die in ihre Intimsphäre eingreife – darunter Körperdurchsuchungen und Kontrollen selbst auf der Toilette.
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Nach Darstellung der Elterninitiative herrsche an der Schule ein „Klima der Angst“, das von bestimmten Lehrkräften geduldet oder verursacht werde. Beschwerden der Eltern fänden aber kein Gehör. Durch eine große Veröffentlichung in der Zeitung kommt nun hoffentlich Bewegung in die Sache.
Der Tag des Lokaljournalismus
- Der Tag des Lokaljournalismus am 5. Mai würdigt die Bedeutung lokaler Medien für Vertrauen, Orientierung und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
- Lokaljournalismus erklärt konkrete Alltagsfragen vor Ort – etwa politische Entscheidungen, Ausfälle im Nahverkehr oder lokale Projekte.
- Er stärkt die Demokratie, indem er kommunale Prozesse sichtbar macht, Macht kontrolliert und Beteiligung ermöglicht.
- Verlässliche lokale Berichterstattung wirkt Desinformation entgegen, prüft Fakten und korrigiert Gerüchte.
- Menschen vertrauen lokalen Medien eher, weil sie die Absender kennen; das fördert Dialog und gesellschaftliche Teilhabe.
- In Krisenzeiten unterstützt Lokaljournalismus resiliente Gemeinschaften durch praktische, geprüfte Informationen und Transparenz.
Valentinstag verbindet Valentin und Valentina
Welche schönen Überraschungen das Leben bereithält, zeigt diese Geschichte: Im Standesamt Apolda im Weimarer Land wurde jüngst eine ungewöhnliche Hochzeit gefeiert. Am Valentinstag, dem 14. Februar, traten der 27-jährige Valentin Mohring und seine Valentina Hentrich um 14 Uhr vor den Traualtar (zudem feierte die Braut an diesem Tag ihren 24. Geburtstag). Der Bräutigam aus Apolda und die Braut aus Gernrode im Eichsfeld hatten sich im Winter 2020 in Tschechien bei einer Jugendreise kennengelernt.

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2020 beim Skiurlaub? Ja. Es war eine Woche, bevor Corona zum bestimmenden Thema wurde. Wenn die Jugendreise nur eine Woche später gewesen wäre, dann hätte sich das Paar gar nicht kennengelernt. So war es das Schicksal im besten Sinne, das sie zusammengeführt hat. Am Wochenende darauf besuchte Valentina ihren Valentin in Apolda, dann kam der Lockdown. Die Reise hätte dann nicht mehr stattfinden können.
Annette schreibt täglich Briefe an verstorbenen Ehemann
Während die einen zusammenfinden, trauern andere um ihren Partner, oft jahrelang. Da ist zum Beispiel Annette aus dem Saale-Orla-Kreis. Sie ist 90 Jahre alt, vor fünf Jahren ist ihr Ehemann gestorben. 63 Ehejahre haben sie miteinander verbracht. Jetzt lebt sie ganz allein. Zwar trifft sie sich regelmäßig mit anderen Senioren, fährt mehrmals im Jahr in den Urlaub.
„Aber wie schlimm die Einsamkeit ist, merkt man erst, wenn man selbst betroffen ist. Wenn ich mal mit jemandem reden will, ist niemand da. Mir fehlt das so. Auch die Nähe.“ Deshalb schreibt sie ihrem verstorbenen Mann jeden Tag Briefe. „So unterhalte ich mich mit ihm. Das hilft mir sehr“.
Volker Radig gestaltet seinen Garten kreativ
Ruhe und Entspannung findet Volker Radig aus Pößneck in seinem Garten. Er ist Imker, Asien-Fan und liebt es, seinen Garten in einen durchdachten Landschaftspark zu verwandeln. „Das ist eine richtige Philosophie, die da dahintersteckt“, sagt der Hobbygärtner. Niwaki heißt die japanische Kunst, Bäume durch Formschnitt skulptural zu gestalten, um eine bestimmte Ästhetik, Harmonie und Ausstrahlung im Garten zu schaffen. Dazu kommen noch Hühner und Bienen. Für die Honigsammler hat der 71-Jährige Klotzbeuten angefertigt, die ältesten vom Menschen geschaffenen Bienenwohnungen, bestehend aus einem ausgehöhlten Baumstamm. Sie gelten als Vorläufer der modernen Bienenkästen. „Man hat sie mit grimmigen Gesichtern verziert, um Honigdiebe abzuschrecken“, erklärt der Bienenmann.

Aus einer Klotzbeute hat der Imker einen Schaukasten gemacht, durch den man in das Innere blicken kann. „Das beeindruckt jeden, vor allem Kinder“, sagt Volker Radig. Ihm gehe immer das Herz auf, wenn Kinder zum ersten Mal Honig direkt aus der Wabe naschen würden. So etwas bleibe in den Köpfen.
Gasleck löst Großeinsatz und Evakuierung aus
Bestimmt lange nicht vergessen werden die Bewohner der Stadt Greußen diesen Dienstag, als die Sirenen der Stadt kurz nach der Mittagszeit aufheulten. Bauarbeiter hatten versucht, mit einer Erdrakete eine Straße zu untertunneln, um ein Kabel zu verlegen. Doch die Rakete traf eine Gasleitung und schlug ein beachtliches Loch in das Rohr, aus dem sofort Gas ausströmte.
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Was folgte, war einer der größten Einsätze, die Greußen in den vergangenen Jahren erlebt hat: Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst rückten mit über 100 Leuten an, rund 300 Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen. Der Strom wurde abgestellt, damit kein Funkenflug ein großes Unglück auslösen konnte. Beim Gas war es schwieriger: Das konnte nämlich nicht vor Ort abgeschaltet werden, vielmehr nutzten die Einsatzkräfte eine riesige Klemme an der Schadstelle des Rohres, um das weitere Ausströmen zu unterbinden. Erst am Abend war das Leck geschlossen.
Baumfäll-Aktion: Stiftung entschuldigt sich öffentlich
Manche Vorgänge bekommen erst durch die Veröffentlichung in der Zeitung eine große Dimension: So berichtete die Redaktion in Jena über eine innerstädtische Baumfäll-Aktion, die für großen Unmut sorgte. Danach hat sich der Geschäftsführer der dafür zuständigen Stiftung öffentlich entschuldigt: „Wir wollten einen Pflegemangel auf dem Grundstück nachholen und sind dabei über das Ziel hinausgeschossen.“
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Doch nicht nur die großen Katastrophen, auch die kleinen Geschichten des Alltags machen den Lokaljournalismus so spannend und abwechslungsreich. Sie können sich jeden Tag davon überzeugen – in Ihrer Tageszeitung.







