In unserer beneideten Altersgruppe kennen wir die Sprüche aus der Familie, wenn die Frau des Hauses zu ihrem Lebensbegleiter sagt: Morgen muss ich mal wieder zum Friseur! Das Verständnis des Mannes ist dann je nach Temperament gedämpft: Muss das schon wieder sein? Diese Reaktion ist für die heutigen jungen Leute kaum noch verständlich, stammt sie doch aus einer Zeit, in der die Frauen stark auf ihre Rolle in der Familie reduziert wurden.

Jeden 2. Sonntag

Ein FUNKE Liebe

Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.

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Das soll aber nicht mein Thema sein, sondern vielmehr die Gespräche am Friseurstuhl. Diese sind seit langer Zeit legendär und immer aktuell; sie sind in die Literatur und Musik eingegangen, wie der berühmte „Figaro“ von Mozart oder der „Barbier von Sevilla“ von Rossini. Und die großartigen Meister mit ihren Bildergeschichten Wilhelm Busch und Heinrich Zille sollen auch nicht vergessen sein.

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Kürzlich erzählte mir mein Weggefährte Oskar, Mitte 50, von seinem letzten Friseurbesuch. Er war im Salon eines eingebürgerten Meisters, der nicht aus Frankreich oder Italien, sondern aus der Türkei kam und hier in Thüringen schon runde 15 Jahre seine Dienste den zufriedenen Kunden anbietet. Worüber spricht man beim Friseur? Wie zu allen Zeiten, als diese noch Barbiere hießen, über die Gesundheit, den Tratsch im Ort, die große und kleine Politik und natürlich über die gewünschte Frisur, bei Damen intensiver als bei Herren. Oskars Figaro erzählte, er lebe gern in Deutschland, habe aber den Eindruck, dass die deutsche Gesellschaft die Probleme der Gegenwart nicht mehr beherrsche. Deshalb wünsche er sich eine energische Regierung mit guten, neuen Ideen zum Wohle der Menschen, die hier jeden Tag ihrer Arbeit nachgehen, um ihren erlangten kleinen Wohlstand zu sichern, der auch mal ein Urlaub an der türkischen Riviera sein kann, natürlich mit Mutti!