Mit etwa 5.400 Kilometern pro Stunde könnte künftig das japanische Mach-5-Flugzeug fliegen. Ein Flug von Tokio nach Los Angeles würde demnach 2 statt etwa 10 Stunden dauern. Wie die japanische Zeitung „The Mainichi“ berichtet, haben die Forscher der japanischen Raumfahrtagentur JAXA im April einen ersten Test eines neuen experimentellen Triebwerks durchgeführt, das eine neue Ära des Überschall-Passagierflugs einläuten soll.
Hyperschallflugzeug soll sechsmal schneller als heutige Jets fliegen
Die Concorde flog bis zu 2.400 Kilometer pro Stunde und galt bis zu ihrer Außerdienststellung im Jahr 2003 als schnellstes Passagierflugzeug der Welt. Ihr Betrieb endete nach einem tödlichen Absturz im Jahr 2000. Das japanische Konzept übertrifft sie deutlich: Mach 5 entspricht etwa 5.400 Kilometern pro Stunde. Das ist sechsmal so schnell wie ein heutiges Verkehrsflugzeug.
Auch interessant
Das Flugzeug soll in 25 Kilometern Höhe fliegen, mehr als doppelt so hoch wie heutige Passagiermaschinen, schreibt „The Mainichi“ weiter. Mit einem zusätzlichen Raketenantrieb könnte es sogar bis in den Weltraum steigen, der offiziell bei 100 Kilometern Höhe beginnt. Starten und Landen wäre auf normalen Flughafenpisten möglich.
Die Technik dahinter ist allerdings enorm anspruchsvoll. Bei solchen Geschwindigkeiten entstehen starke Stoßwellen rund um das Flugzeug. Die Triebwerke müssen dabei trotzdem zuverlässig funktionieren, auch wenn die Luftströmungen sehr turbulent sind. Dazu kommt, dass sich durch die starke Verdichtung der Luft Teile des Flugzeugs auf bis zu 1000 Grad Celsius erhitzen, weshalb auch hohe Hitzebeständigkeit erforderlich ist.
- Raumfahrtmode: Warum Nasa-Astronauten bald Luxus-Unterwäsche von Prada tragen
- Raketen sollen von der Nordsee starten: Hier wird Realität, was in Deutschland undenkbar schien
- Verrückt oder genial? Diese Firma will Fabriken im All hochziehen
- Nasa & Esa jagen Asteroiden: Ab wann ein Brocken gefährlich wird
Statt herkömmlichem Kerosin verbrennt das Triebwerk flüssigen Wasserstoff und stößt dabei kein CO₂ aus. Den nötigen Sauerstoff für die Verbrennung saugt es dabei einfach aus der Umgebungsluft. JAXA setzt zudem auf ein Kombinationstriebwerk, das einen Turbojet und einen Scramjet in sich vereint. Beide Antriebsarten arbeiten zusammen, um das Flugzeug auf die enormen Geschwindigkeiten zu bringen.
Mach-5-Experimentalflugzeug besteht Härtetest – was folgt?
Seit 2013 arbeitet ein Forschungsteam an einem solchen Experimentalflugzeug. Beim jüngsten Test im Kakuda-Raumfahrtzentrum der japanischen Raumfahrtbehörde JAXA in Miyagi wurden die Bedingungen eines echten Mach-5-Flugs in 25 Kilometern Höhe nachgestellt. Getestet wurde ein zwei Meter langes Modell, also etwa ein Fünfzigstel der geplanten Originalgröße. Das Ergebnis: Triebwerk und Hitzebeständigkeit funktionierten nahezu exakt wie vorgesehen. Als nächster Schritt ist nun ein erster echter Demonstrationsflug geplant.
Tetsuya Sato, Professor an der Waseda-Universität und Mitglied des Forscherteams, sagte: „Dieses Ergebnis ist erst ein erster Schritt. Unser Traum ist es, es mit einer Flugdemonstration zu verbinden.“ Die Forscher wollen die Technologie in den 2040er-Jahren in die Praxis bringen.




