Es ist schon eine Zeitlang her. Unsere Enkelin Charlotte kramte aus ihrem kleinen Rucksack ein Papierblatt: „Oma! Opa! Ich habe euch einen Pinkepu gemalt!“ Sie kann ihre Begeisterung nicht für sich behalten, sie hat uns einen Pinguin gemalt! So kennen wir ihre Art, sich freudig mit einer kleinen Malerei mitzuteilen. Meist sind es kleine Zeichnungen, die schon auf dem ersten Blick erkennen lassen, was sie uns damit sagen will. Wesentliches hat sie mit wenigen Strichen geformt. Ihr Malen ist meist abstrahierend, ihre Ausdrucksweise mit Worten und Sätzen hingegen ist blumig und voller ausschweifender Phantasie. Wunderlich sind ihre Wortschöpfungen, die sie in der Vergangenheit entstehen ließ.

Seniorenseite
Gerhard Hörselmann über Kinder, Wort-Akrobaten mit sprudelnder Phantasie. © Funke Medien Thüringen | Ingo Glase

Der Luftballon war für sie der Lüftelong, die Badelatschen waren die Lappe-Datschen und der Lastkraftwagen war der Klaftwastkragen. „Mama, wann gehen wir zum Doggerarz oder zur Füßetapperie (Physiotherapie)“, war eine Frage, wenn sie ein Wehwehchen zwickte.

Weitere Beiträge aus der TA-Seniorenredaktion

Diese Wortschöpfungen haben für mich ein besonderes sprachliches Aroma. Ich kann nicht anders, als diese aufzuschreiben. Diese Notizen wurden im Laufe der Zeit spärlicher. Doch es gibt Hoffnung. Unser Urenkel August begibt sich in das Leben, dass ihn umgibt. Er blickt mit aufmerksamster Neugier in die Gesichter von Mama und Papa, und auch wir können an diesen Freuden teilhaben. Noch ist sein sprudelnd tönendes Allerlei, das er uns mit hellwachem Blicken energisch strampelnd mitteilt, ein Rätsel für uns. Noch kann ich kein Wort aus seinem Silbenallerlei herausfischen. Ich harre auf das erste wunderliche Wörtchen, dass seinem Stimmchen entspringt. Es liegt mit freudiger Erwartung in einer schnell heraneilenden Zukunft.