„Oberhof ist die Metropole des Wintersports!“ So hat es Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, nach der Weltmeisterschaft im Rennrodeln und Biathlon 2023 auf den Punkt gebracht. Die Wintersporthochburg am Rennsteig war schon Anfang des 20. Jahrhunderts unter Herzog Carl Eduard von Sachsen-Coburg und Gotha ein angesagter Treff für betuchte Gäste aus aller Welt.

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In der DDR investierte SED-Chef Walter Ulbricht nach umfangreichen Enteignungen ins „St. Moritz des Ostens“. Zum Wahrzeichen wurde das 1969 eröffnete Hotel Panorama in Form zweier Sprungschanzen, das höchstgelegene Hotel Thüringens. Der ASK Vorwärts Oberhof betrieb eine erfolgreiche Medaillenschmiede. Auch den Umbruch 1989/90 konnte die Stadt mit ihren 1700 Einwohnern bewältigen und ist heute der meistbesuchte Ferienort im Thüringer Wald sowie nach Weimar und Erfurt das zugkräftigste Tourismusziel im Freistaat.

Für die medienträchtigen Meisterschaften 2023 waren gut 80 Millionen Euro in den Oberhofer Sportkomplex investiert worden: die Schanzen im Kanzlersgrund, die Skisport-Halle, die Bob- und Rennschlittenbahn und die Biathlon-Arena am Rennsteig. Dabei möchte man die Stadt für ganzjährigen Tourismus fit machen. All dies verdankt sich nicht zuletzt den populären Spitzensportlern – voran im Biathlon, seit den 1980er-Jahren die beliebteste Wintersportart.
Wintersport in Oberhof und Erfurt prägt Thüringens Sportgeschichte
In Oberhof mit seiner einzigartigen Stimmung in der 13.000-Zuschauer-Arena feiert man gern die Lokalmatadoren, wie Katrin Apel, Benedikt Doll, Sven Fischer, Andrea Henkel, Franziska Hildebrandt, Philipp Horn, Erik Lesser, Frank Luck, Arnd Peiffer, Peter Sendel, Frank Ullrich, Vanessa Voigt, Kati Wilhelm und Alexander Wolf. Auch Legenden wie die Skiläufer Victoria Carl, Axel Teichmann und Jens Filbrich, Bobfahrer Wolfgang Hoppe und Andre Lange, Rennrodler Susi Erdmann, Silke Kraushaar, David Möller und Max Langenhan oder Skispringer Hans-Georg Aschenbach, Stephan Hocke und Gerd Siegmund haben den Ruf Oberhofs in die Welt getragen.
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Die Landeshauptstadt Erfurt gilt dagegen eher nicht als Wintersporthochburg. Die aktuelle Sonderausstellung im Stadtmuseum „Liebe – Leistung – Leidenschaft. Sportstadt Erfurt“ beweist jedoch das Gegenteil. Zwar ragen andere Disziplinen mit ihren zahlreichen Spitzenathleten samt 29 Olympia-Medaillengewinnern heraus: Leichtathletik, Schwimmen, Radsport und „König Fußball“. Aber auch eine Wintersportart hat den Ruf Erfurts maßgeblich befördert: das Eisschnelllaufen. Aus dem seit Langem betriebenen Eislaufen auf Flüssen und Seen entstand eine moderne Sportart. Hieraus entwickelte sich in der DDR-Zeit beim SC Turbine Erfurt echter Spitzensport.

Erfurter Eisschnellläuferinnen dominieren über Jahrzehnte den Medaillenspiegel
Die Athletinnen des Nachfolgevereins ESC Erfurt um Gunda Niemann-Stirnemann, Franziska Schenk, Sabine Völker, Daniela Anschütz-Thoms und Stephanie Beckert erlebten von den 1990er- bis 2010er-Jahren ein „Goldenes Zeitalter“. Bei Olympischen Winterspielen fügte die „Thüringer Allgemeine“ den Freistaat stolz in den Medaillenspiegel ein, wo er dank der Erfurter Eisschnellläufer und ihrer Oberhofer Sportkameraden an der Weltspitze rangierte. Ist die Leistungsdichte mittlerweile auch geringer, so gibt es etwa mit Jugend-Olympiasieger Finn Sonnekalb auch Hoffnung für die Zukunft.
Gastautor Dr. Steffen Raßloff ist Historiker und Kurator der Ausstellung „Sportstadt Erfurt“ im Stadtmuseum Erfurt.







