Mit der ungewöhnlichen Geschichte einer ehemaligen Schülerin ihrer Schule haben vier Schüler der Kooperativen Gesamtschule „Herzog Ernst“ in Gotha den 23. Geschichtswettbewerb der Stiftung Ettersberg gewonnen. Ihre Arbeit „Frei sein ist genau das, was ich immer wollte“ erzählt auf 240 Seiten von Ines Wagner, die in den 1980er Jahren zwischen die Mühlsteine staatlicher Umerziehung in den berüchtigten Jugendwerkhöfen und der Staatssicherheit geriet.

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Die Arbeit gliedert sich in zwei Teile: Erst schildert Ines Wagner selbst ihre traumatischen Erlebnisse, dann rekonstruieren die Schüler auf Grundlage unzähliger Akten und anderer historischer Quellen deren Biografie. „Sie stellen dadurch die Aussagen der Zeitzeugin in einen größeren Zusammenhang, untersuchen etwa die Schriftstücke, Einschätzungen und Beurteilungen der Schule oder befragen ehemalige Mitschülerinnen, wie sie die gemeinsame Schulzeit und das Verschwinden ihrer Mitschülerin erlebt haben“, erklärt der Juryvorsitzende Björn Berggold bei der feierlichen Preisverleihung am Dienstagnachmittag in der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße in Erfurt.

Geschichte
Antonia Preuß (links) und Florentine Donath sowie ihre Mitschülerin Luise Prommersberger (alle von der Jenaplan-Schule in Jena).© Funke Medien Thüringen | Ingo Glase

Umerziehung und Auschwitz-Biografie: Schüler begeistern Jury mit Recherchen

Ines Wagner wurde erst in ein sogenanntes Durchgangsheim verbracht, eine Aufbewahrungsanstalt für Kinder, die aus Sicht des Regimes als problematisch galten, und sollte letztlich gegen ihren Willen in einem Jugendwerkhof „umerzogen“ werden. „Die Akribie, mit der die vielen und vielfältigen Quellen gesichtet und für die Arbeit ausgewertet werden, hat die Jury sehr beeindruckt“, begründet Berggold den ersten Platz, der mit 1000 Euro dotiert ist.

Geschichte
Ella Grimmer, Louis Giacomo Hertel, Lotte Matuszewski und Erik Valentin Zimmerer vom Ernst-Abbe-Gymnasium Jena schrieben ihre Seminarfacharbeit über Eduard Wirths, einen vergessenen Arzt aus Jena im Dienst des Nationalsozialismus. Dafür wurden sie von der Jury des Geschichtswettbewerbs der Stiftung Ettersberg mit dem 2. Platz und 750 Euro belohnt.© Funke Medien Thüringen | Ingo Glase

Schüler beleuchten NS-Täterbiografie von Eduard Wirths aus Jena

Platz zwei und damit 750 Euro sprach die Jury vier Schülern vom Ernst-Abbe-Gymnasium Jena zu. Unter dem Titel „Eduard Wirths – Ein vergessener Arzt im Dienst des Nationalsozialismus. Perspektiven der Erinnerungskultur in Jena und Weimar“ erzählen sie die Täterbiografie des Jenaer Mediziners Eduard Wirths, der als Standortarzt im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz diente. „Für die Seminarfachgruppe ist es angesichts der Taten, die er dort begeht, bevor er sich nach Kriegsende und Gefangennahme suizidiert, unverständlich, warum Wirths verhältnismäßig geringe Bekanntheit besitzt, zumal in Thüringen“, so Berggold. „Dem wollen sie mit ihrer Arbeit etwas entgegensetzen.“

So sehen Sieger aus

Geschichte
Marlis Ose, Nele Posern und Helena Ritter (von links) vom Staatlichen Gymnasium "Geschwister Scholl" in Sondershausen erhielten beim Geschichtswettbewerb der Stiftung Ettersberg für ihren Podcast über die Wendezeit im Dorf Badra im Kyffhäuserkreis einen Sonderpreis und 250 Euro. © Funke Medien Thüringen | Ingo Glase
Geschichte
Antonia Preuß (links) und Florentine Donath sowie ihre Mitschülerin Luise Prommersberger (alle von der Jenaplan-Schule in Jena) untersuchten, wie sich die Überwachung durch die Stasi auf die Kommunikation innerhalb des persönlichen Umfeldes auswirkte – und wurden dafür beim diesjährigen Geschichtswettbewerb der Stiftung Ettersberg mit einem Sonderpreis und 250 Euro belohnt.© Funke Medien Thüringen | Ingo Glase
Geschichte
Laura Köhler, Klara Opitz und Nora Schulz (von links) vom Pestalozzi-Gymnasium Stadtroda erhielten beim diesjährigen Geschichtswettbewerb der Stiftung Ettersberg einen Sonderpreis und 250 Euro. Das Thema ihrer Arbeit: "Gedenken an die durch die Kindereuthanasie getöteten Opfer während der Zeit des Nationalsozialismus in Stadtroda – diehistorische Rolle des AsklepiosFachklinikums.© Funke Medien Thüringen | Ingo Glase
Geschichte
Saralena Güntzschel, Hanna Pfannschmidt, Katharina Schirrmann und Clara Sophie Steinbach (von links) vom Otto-Schott-Gymnasium Jena beleuchteten die Überwachung der Friedensgemeinschaft Jena durch die Stasi und erhielten dafür beim Geschichtswettbewerb der Stiftung Ettersberg einen Sonderpreis und 250 Euro.© Funke Medien Thüringen | Ingo Glase
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Durch die Abschlussprüfungen konnten Celina Pusch, Annik Schiebel, Emilia Stich und Nick Leipold von der Staatlichen Gemeinschaftsschule Sonneberg nicht zur Preisverleihung der Stiftung Ettersberg nach Erfurt kommen -- bedankten sich aber mit einer Videobotschaft für den Sonderpreis und 250 Euro. Ihre Lehrerinnen Isabel Kämpfer (links) und Sabine Kuchenreuther nahmen für die Arbeit über Stolpersteine als Form der Erinnerungskultur den Preis entgegen.© Funke Medien Thüringen | Ingo Glase
Geschichte
Die Lehrerinnen Isabel Kämpfer (links) und Sabine Kuchenreuther von der Staatlichen Gemeinschaftsschule Sonneberg nahmen den Sonderpreis und 250 Euro für ihre Schüler Celina Pusch, Annik Schiebel, Emilia Stich und Nick Leipold entgegen. Diese hatten über Stolpersteine als Form der Erinnerungskultur geschrieben, konnten aber durch die Abschlussprüfungen nicht zur Preisverleihung der Stiftung Ettersberg nach Erfurt kommen. © Funke Medien Thüringen | Ingo Glase
Geschichte
Milène Amelie Berndt, Elisabeth Emilia Bogoslawski, Sofia Sergan und Ria Wohlgefahrt (von links) aus der Edith-Stein-Schule Erfurt gewannen mit ihrer Arbeit über "NS-Aufklärung in der Unterstufe" beim Geschichtswettbewerb der Stiftung Ettersberg den 3. Preis und 500 Euro.© Funke Medien Thüringen | Ingo Glase
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Ella Grimmer, Louis Giacomo Hertel, Lotte Matuszewski und Erik Valentin Zimmerer vom Ernst-Abbe-Gymnasium Jena schrieben ihre Seminarfacharbeit über Eduard Wirths, einen vergessenen Arzt aus Jena im Dienst des Nationalsozialismus. Dafür wurden sie von der Jury des Geschichtswettbewerbs der Stiftung Ettersberg mit dem 2. Platz und 750 Euro belohnt.© Funke Medien Thüringen | Ingo Glase
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Johanna Dahmen, Karina Efremov, Finia Platen und Jolina Swora (von links) aus der Kooperativen Gesamtschule „Herzog Ernst“ in Gotha haben den diesjährigen Geschichtswettbewerb der Stiftung Ettersberg gewonnen. Für ihre Arbeit über eine ehemalige Schülerin ihrer Schule, die in der DDR Repressalien bis hin zur Umerziehung erleiden musste, erhielten sie den 1. Preis und 1000 Euro.© Funke Medien Thüringen | Ingo Glase
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Alle Gewinner, Organisatoren und Jury-Mitglieder des diesjährigen Geschichtswettbewerbs der Stiftung Ettersberg. Am 16. Juni 2026 fand in der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße in Erfurt die feierliche Preisverleihung statt.© Funke Medien Thüringen | Ingo Glase

Kann und sollte die Aufklärung über den Nationalsozialismus bereits in der 5. und 6. Klasse im Geschichtsunterricht stattfinden? Dieser Frage gingen vier Schüler der Edith-Stein-Schule in Erfurt nach und beantworten sie unter dem Titel „NS-Aufklärung in der Unterstufe – Warum es wichtig ist und wie es umsetzbar ist“. Dafür erhielten sie den 3. Preis und 500 Euro. Einerseits könnten Kinder und Jugendliche im Internet schon alles sehen, andererseits setzten sie sich aber erst im Geschichtsunterricht der 9. oder 10. Klasse tiefgründig mit dem Nationalsozialismus auseinander. „Dabei seien Kinder in Klasse 5 und 6 kognitiv und moralisch weit genug entwickelt, um sich altersangemessen mit der Thematik im Unterricht zu beschäftigen“, so das Fazit.

Geschichte
Milène Amelie Berndt, Elisabeth Emilia Bogoslawski, Sofia Sergan und Ria Wohlgefahrt (von links) aus der Edith-Stein-Schule Erfurt gewannen mit ihrer Arbeit über "NS-Aufklärung in der Unterstufe" beim Geschichtswettbewerb der Stiftung Ettersberg den 3. Preis und 500 Euro.© Funke Medien Thüringen | Ingo Glase

Mit 250 Euro dotierte Sonderpreise gingen an Schüler folgender Schulen:

Staatliches Gymnasium „Geschwister Scholl“ Sondershausen: Wie verlief die Wendezeit eigentlich in einem kleinen Dorf in Nordthüringen anhand des Ortes Badra?

Jenaplan-Schule Jena: Auswirkungen der Überwachung durch das Ministerium für Staatssicherheit auf die Kommunikation innerhalb des persönlichen Umfeldes

Staatliches Gymnasium „Johann Heinrich Pestalozzi“ Stadtroda: Gedenken an die durch die Kindereuthanasie getöteten Opfer während der Zeit des Nationalsozialismus in Stadtroda – die historische Rolle des Asklepios Fachklinikums, exemplarisch dargestellt an der Realisierung einer Stolperschwelle

Geschichte
Laura Köhler, Klara Opitz und Nora Schulz (von links) vom Pestalozzi-Gymnasium Stadtroda erhielten beim diesjährigen Geschichtswettbewerb der Stiftung Ettersberg einen Sonderpreis und 250 Euro. Das Thema ihrer Arbeit: "Gedenken an die durch dieKindereuthanasie getöteten Opferwährend der Zeit des Nationalsozialismus in Stadtroda – diehistorische Rolle des AsklepiosFachklinikums.© Funke Medien Thüringen | Ingo Glase

Otto-Schott-Gymnasium Jena: Eigensinn in der Diktatur: Die Überwachung durch das Ministerium für Staatssicherheit und ihre Auswirkungen am Beispiel der Friedensgemeinschaft Jena

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Saralena Güntzschel, Hanna Pfannschmidt, Katharina Schirrmann und Clara Sophie Steinbach (von links) vom Otto-Schott-Gymnasium Jena beleuchteten die Überwachung der Friedensgemeinschaft Jena durch die Stasi und erhielten dafür beim Geschichtswettbewerb der Stiftung Ettersberg einen Sonderpreis und 250 Euro.© Funke Medien Thüringen | Ingo Glase

Staatliche Gemeinschaftsschule Sonneberg: Stolpersteine als Form der Erinnerungskultur. Lokale Erinnerung als Verantwortung einer demokratischen Gesellschaft

Insgesamt wurden 28 Arbeiten von 114 Thüringer Schülerinnen und Schülern eingereicht.