„Mayday – Alarm im Cockpit“: Die ausverkaufte Buchlesung von Heinz-Dieter Kallbach im Frühjahr auf dem Erfurter Flughafen wirkte nach. Der Pilot hatte aus seinen Erinnerungen an ein Fliegerleben gelesen. Besonders die komplizierte Landung einer Iljuschin IL-62 auf dem winzigen Flugfeld in Stölln im brandenburgischen Havelland faszinierte. Dort, wo einst Otto Lilienthal seine historischen Flugversuche absolvierte. Auf dem Rückweg von der Ostsee plante ich einen Abstecher ein. Eine telefonische Vorab-Anfrage zu den Öffnungszeiten erwies sich dabei als goldrichtig. Ich erfuhr, dass das Museumsflugzeug geöffnet ist, das Otto-Lilienthal-Museum im Ort am Dienstag jedoch Ruhetag hat.

Am geschichtsträchtigen Gollenberg angekommen, stand sie da: die stolze Maschine vom Typ IL-62 mit der Kennung DDR-SEG. Liebevoll wird sie „Lady Agnes“ genannt – nach der Ehefrau von Otto Lilienthal. Im Jahr 1989 brachte die Fliegerlegende Heinz-Dieter Kallbach dieses Langstreckenflugzeug mit einer spektakulären Landung auf seinen heutigen Standplatz. Es war damals ein Geschenk der abzuwickelnden DDR-Fluggesellschaft Interflug an die Gemeinde Stölln. Die Piste war eigentlich viel zu kurz für einen solchen Riesen.
Lady Agnes: Museum, Cockpit und Kino bieten Zeitreise zum Anfassen
Für einen Eintritt von sechs Euro empfängt die „Lady Agnes“ ihre Besucher mit einem charmanten kleinen Museum. Es enthält jede Menge Wissenswertes und auch Kurioses. Besonders faszinierend ist die Ausstellung verschiedener Stewardessen-Uniformen unterschiedlicher Fluglinien aus vergangenen Jahrzehnten.
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Ein Blick in das Cockpit verrät sofort, dass diese Maschine aus dem analogen Zeitalter stammt. Uhren und Hebel bestimmen das Bild. Die Komplexität der Anzeige- und Bedienelemente lässt die hohen Anforderungen an die Besatzung erahnen. Ein echtes Highlight wartet im Passagierraum: An Bord befindet sich ein kleines Kino. Dort wird ein Film über die ins Guinnessbuch der Rekorde eingetragene Landung in Stölln gezeigt. Man hält unwillkürlich den Atem an, wenn der Koloss im Film auf der Graspiste aufsetzt. Ein Ausflug, der Pioniergeist und ein bisschen Ostalgie perfekt verbindet und somit absolut empfehlenswert ist. Vielleicht kann man sich auch Anregungen für die Gestaltung der IL-18 am Flughafen Erfurt holen. Und ein bisschen Wehmut macht sich breit über die 1999 verschrottete IL-62 DDR-SEH, die als Restaurant „Flying Dreams“ in Erfurt-Alach stand.





