Der Harz ist das wohl sagenhafteste deutsche Gebirge. Seinen höchsten Gipfel, den 1142 Meter hohen Brocken, hat Goethe im „Faust“ als Blocksberg mit seinen Hexentreffen weltberühmt gemacht. Heute zählt er zu den beliebtesten Tourismusregionen. Thüringen ist neben Niedersachsen und Sachsen-Anhalt eines der drei Länder, über die sich der Harz erstreckt. Zwar bildet der Naturpark Südharz im Kreis Nordhausen nur einen kleinen Teil des nördlichsten Mittelgebirges Deutschlands, der aber bildet eine gute Ausgangsposition für Ausflüge in die Bergwelt um den Nationalpark Harz.

Besenstiel für Aussichtsturm am «Harzer Hexenreich»
Mit einem Kran wurden die Einzelteile des 25 Meter langen Besenstiels auf dem Aussichtsturm am Harzer Hexenreich aufgesetzt (aufgenommen mit einer Drohne). Der Turm aus Stahl ist mit rund 70 Metern Höhe laut Landratsamt Nordhausen „der größte Hexenbesen der Welt“. Die Bauzeit betrug drei Jahre, im Oktober 2025 wurde der Turm eröffnet.© dpa | Matthias Bein

Auch im „grünen Herzen Deutschlands“, wie August Trinius Thüringen 1896 benannte, setzte schon im späten 19. Jahrhundert die touristische Erschließung ein. So verbindet die Harzquerbahn seit 1899 Nordhausen mit dem Brocken, den Städten Wernigerode und Quedlinburg sowie namhaften Ferienorten. Der „Quirl“ mit seinen Schmalspurzügen ist längst eine Attraktion geworden.

Nordhausen strahlt trotz Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg noch immer den Charakter der alten Reichsstadt aus, für die der Roland vor dem Rathaus steht. Die größte Stadt Nordthüringens ist auch für ein hochprozentiges Getränk und ihre Hochschule bekannt. Die Gedenkstätte Mittelbau-Dora nahe Nordhausen erinnert als einstiges Konzentrationslager mit unterirdischer Raketenproduktion an das dunkelste Kapitel der Geschichte Thüringens als Hitlers „Mustergau“ im Dritten Reich.

Harzklub erschließt seit 1886 Wanderregion rund um Neustadt/Harz

Jenseits der angrenzenden Gipskarstlandschaft mit der Rüdigsdorfer Schweiz beginnt die gepflegte Wanderregion mit Wald, Bergwiesen, Felsenlandschaften und Aussichtspunkten. Ähnlich wie im Thüringer Wald mit Rennsteigverein und Thüringer-Wald-Verein waren es auch hier engagierte Bürger, die mit dem bis heute aktiven Harzklub seit 1886 Pionierarbeit bei der Erschließung leisteten. Hier findet sich mit Neustadt/Harz, Teil der Gemeinde Harztor mit dem Kurort Ilfeld und Niedersachswerfen, ein traditionsreicher Luftkurort. Im Schlosskomplex der Grafen von Stolberg ist das Infozentrum des 267 Quadratkilometer großen Naturparks untergebracht. Weitere Erholungsorte sind Ellrich, Sülzhayn, Rothesütte und Sophienhof.

Harzer Schmalspurbahnen erlebten 2021 starken Besucherrückgang
Ein Zug der Harzer Schmalspurbahn HSB fährt im Bahnhof Nordhausen Richtung Brocken. © dpa | Matthias Bein

Strategische Bedeutung besaß die Region stets als südlicher Zugang zur Harzüberquerung. Hierauf verweisen die Burgruinen, wie Hohnstein, Ilburg und Ebersburg. Ursprünglich gehörte der Südharz neben der Reichsstadt Nordhausen, Grafschaft Stolberg und braunschweigischen Gebieten zur Grafschaft Hohnstein. Diese fiel 1648 an das Kurfürstentum Brandenburg. Die Grafschaft bildete damit den Ausgangspunkt für das Ausgreifen Preußens in Thüringen bis hin zum Regierungsbezirk Erfurt von 1816 bis 1945.

Weitere Beiträge aus der Seniorenredaktion

Und natürlich spielt auch die Sagenwelt des Harzes eine wichtige Rolle. Schon die Vorreiter der touristischen Erschließung Thüringens wie Ludwig Bechstein und August Trinius haben sich in ihren Schriften intensiv hiermit befasst. Heute sind besonders die Hexen vom Blocksberg allgegenwärtig. Eine erst im vergangenen Jahr eingeweihte neue Attraktion macht dies nun weithin sichtbar.  Die „Hex Erlebniswelt“ in Rothesütte bietet neben viel Unterhaltung und Information einen 70 Meter hohen Aussichtsturm. Dieser gilt wegen seiner charakteristischen Form als „weltgrößter Hexenbesen“.

Unser Gastautor Steffen Raßloff ist Historiker und Autor des Buches „Thüringen. Grünes Herz mit großer Geschichte“.