Stundenlang stehen sie Schlange, nur um zu einem der berühmtesten Fotomotive der italienischen Alpen zu gelangen: Am Fuß der Drei Zinnen von Lavaredo haben am Wochenende rund 300 Touristen in der prallen Juli-Sonne auf Shuttlebusse gewartet. Aufnahmen des Ansturms verbreiteten sich rasant in sozialen Netzwerken und haben die Debatte über den zunehmenden Übertourismus in den Dolomiten neu entfacht.

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Der Hintergrund: Die Panoramastraße von Misurina zur Auronzohütte ist seit Ende Mai nur noch mit kostenpflichtiger Reservierung zugänglich. Wer keinen Parkplatz reserviert hat, muss auf Shuttlebusse ausweichen. Am Sonntag überstieg die Nachfrage jedoch die Kapazitäten deutlich. Trotz eines zusätzlichen Fahrzeugs konnten die Besucherströme nicht vollständig bewältigt werden. In den sozialen Netzwerken machten einige Besucher ihrem Unmut über lange Wartezeiten Luft.
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Drei Zinnen: Fotografin stellt Wartezeit für das perfekte Foto infrage
Ein von der Fotografin Silvia Sala auf Instagram veröffentlichtes Video wurde innerhalb kurzer Zeit vielfach geteilt. Die Fotografin warf die Frage auf: „Lohnt es sich wirklich, lange auf einen Bus zu warten, nur um dieses eine Foto von den Drei Zinnen zu machen?“
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Sala betonte, sie wolle die Besucher nicht verurteilen. Nicht jeder sei ausschließlich wegen Instagram an diesen Orten. Dennoch hätten soziale Medien eine entscheidende Rolle beim Wandel vieler Reiseziele gespielt. „Landschaften, die vor zehn oder 15 Jahren hauptsächlich erfahrenen Reisenden bekannt waren, sind inzwischen zu Pflichtzielen für ein Massenpublikum geworden. Dadurch hat sich auch das Erlebnis vor Ort grundlegend verändert“, meint Sala.
Ihre Worte lösten auf Instagram eine breite Diskussion aus. Einige Nutzer empfehlen, weniger bekannte Regionen wie das Aostatal zu besuchen. Andere raten, die beliebtesten Reiseziele in Italien, etwa Südtirol und die Dolomiten, während der Hauptmonate Juli und August zu meiden.
Dolomiten-Gemeinden begrenzen Besucherzahlen
Die Gemeinden der Dolomiten reagieren auf die hohen Besucherzahlen zunehmend mit Zugangsbeschränkungen. Der Bürgermeister von Auronzo, Dario Vecellio Galeno, und der Bürgermeister von Rocca Pietore, Valerio Davare, verteidigen Reservierungen und Eintrittssysteme als Instrumente gegen den Massentourismus. „Ein kontrollierter Zugang ermöglicht Qualitätstourismus“, lautet ihre gemeinsame Einschätzung.
Auch andere bekannte Ziele setzen auf Begrenzungen. Am Pragser Wildsee ist der Zugang in der Hauptsaison zeitlich und organisatorisch geregelt. In Tal Val Visdende werden Parkgebühren erhoben. Für die Gemeinden sind solche Maßnahmen kein Hindernis, sondern ein Versuch, die Attraktivität der Landschaft langfristig zu bewahren. Kritiker warnen jedoch davor, dass Naturerlebnisse zunehmend zu kostenpflichtigen Angeboten werden könnten.

Dolomiten-Tourismus bringt Bergrettung an ihre Belastungsgrenze
Der Besucheransturm auf die Dolomiten bringt auch die Bergrettung zunehmend an ihre Grenzen. Viele Touristen unterschätzen die Gefahren der alpinen Landschaft und brechen mit ungeeigneter Kleidung und Ausrüstung zu anspruchsvollen Wanderungen auf. Manche Urlauber seien mit Alltagsschuhen, Sandalen oder sogar Badeschuhen unterwegs, beklagt der Präsident des Berg- und Höhlenrettungsdienstes Venetien, Giuseppe Sampogna Zandegiacomo. Viele verließen sich ausschließlich auf das Smartphone, obwohl der Empfang in den Bergen häufig nicht zuverlässig sei. Besonders häufig seien Einsätze am Sorapis-See und an den Drei Zinnen von Lavaredo notwendig.
„In den sozialen Medien sieht alles einfach und erreichbar aus. Viele Besucher sehen Fotos von Menschen, die entspannt den Sonnenuntergang genießen, und unterschätzen dabei die tatsächlichen Anforderungen einer Bergtour“, erklärt Zandegiacomo gegenüber Medien. Er verwies auf den Fall eines italienischen Paares, das erst kürzlich nach sechs Tagen ohne ausreichende Nahrung und Schutz in den friaulischen Dolomiten gerettet wurde. Die beiden hatten einen nicht begehbaren Weg eingeschlagen und die Orientierung verloren. Moderne Technik könne helfen, ersetze aber keine Erfahrung und Vorbereitung. Auch GPS-Systeme hätten nur eine begrenzte Genauigkeit: Zehn Meter Unterschied könnten im ebenen Gelände unbedeutend sein, in einer Felswand jedoch entscheidend.
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Ist ein Wanderer verletzt, ist der Einsatz in der Regel kostenlos. Wer jedoch unverletzt gerettet werden muss, kann für die Suche zur Kasse gebeten werden. Ein Hubschraubereinsatz kostet nach Angaben des Rettungsdienstes etwa 90 bis 100 Euro pro Flugminute, hinzu kommen Gebühren für die Bodenteams. Ein durchschnittlicher Einsatz kann so 3000 bis 5000 Euro kosten, bei unbegründeten Alarmierungen sogar bis zu 7500 Euro.






